Deutsche Klimapolitik verhinderte laut Schneider fünf Grad Erderwärmung
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) behauptet, Deutschland habe mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien eine Erderwärmung um fünf Grad verhindert. Kritiker verweisen auf den deutschen Anteil von nur 1,3 bis 1,5 Prozent an den globalen CO2-Emissionen und auf UNEP-Projektionen, die kein Fünf-Grad-Szenario stützen.
Berlin. Nur 1,3 bis 1,5 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen entfallen auf Deutschland – Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) behauptet trotzdem, die deutsche Klimapolitik habe eine Erderwärmung um fünf Grad verhindert. Am 12. August 2026 verteidigte der 50-Jährige vor Journalisten in Berlin die Energiewende gegen Zweifel an ihrer Wirksamkeit.
Konkret sagte Schneider, ohne den Ausbau von Wind, Biomasse und Solar hätte es „ein Szenario von fünf Grad Klimaerwärmung“ gegeben. Dabei erreichten erneuerbare Energien im ersten Halbjahr 2026 zwar einen Rekord von 58 Prozent des Stromverbrauchs, wie JUX berichtet. Die Aussage stößt in konservativen Medien auf harte Kritik, weil Deutschland nur einen Bruchteil der globalen Emissionen verursacht.
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Fünf Grad dank deutscher Erneuerbarer?
Auf die Frage, ob sich Klimaschutz für Deutschland überhaupt lohne, antwortete Schneider laut Junge Freiheit und Apollo News wörtlich:
„Ja, es lohnt sich. Hätten wir nicht die erneuerbaren Energien als Hauptenergiequelle des Zubaus in letzten Jahren hier in Deutschland miterfunden, marktgängig gemacht dann hätten wir ein Szenario von fünf Grad Klimaerwärmung oder Temperaturerwärmung in den nächsten Jahrzehnten.“
Carsten Schneider, Bundesumweltminister (SPD)
Inzwischen rechne niemand mehr mit einer Erwärmung um fünf Grad, so Schneider. Die aktuelle Erderwärmung liege bei 2,7 Grad, weil der Umstieg von Kohle und Gas auf Wind, Biomasse und Solar „funktioniert und gewirkt hat“.
Kritik: Deutschland nur 1,3 Prozent der Emissionen
Die Junge Freiheit hält dagegen: Deutschland sei für etwa 1,5 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich; Apollo News nennt eine Spanne von 1,3 bis 1,5 Prozent und beziffert den EU-Anteil auf rund sieben Prozent. Staaten wie China setzten weiter auf fossile Energien, der CO2-Verbrauch pro Kopf liege dort inzwischen höher als in der Bundesrepublik.
Der Kommentar von Tichys Einblick verweist auf EDGAR-Daten der EU-Kommission: Deutschland stand 2024 für 1,27 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen, China für 29,2 Prozent, die gesamte EU für knapp 6 Prozent. Weltweit stiegen die Treibhausgasemissionen 2024 sogar um 1,3 Prozent auf 53,2 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente.
Erderwärmungs-Projektionen im Vergleich
UNEP-Daten vs. Schneiders Behauptung
Quelle: UNEP 2025; Aussage Carsten Schneider
Schneiders eigener Blick: Europa und die deutsche Verantwortung
Neben der Fünf-Grad-Behauptung betonte Schneider die besondere Verantwortung Europas: Die Europäer hätten als Industrienation in den vergangenen Jahrhunderten viel CO2 emittiert und seien deshalb auch für die Welt in der Pflicht.
„Und insbesondere wir in Europa leiden am meisten. Deswegen sind wir Europäer als Industrienation, die auch sehr viel CO2 in den letzten Jahrhunderten emittiert haben, auch in der Verantwortung, auch für die Welt, dass wir dort stringent bleiben, insbesondere auch bei der Reduktion der Treibhausgasemissionen.“
Carsten Schneider, Bundesumweltminister (SPD)
Und weiter: „Wir sind die Generation, die den Klimawandel oder die Veränderung des Klimas, die menschengemacht sind, aufhalten kann.“ Er werde immer alles dafür tun, dass Deutschland eine „progressive, verantwortungsvolle Rolle“ spiele.
Politische Erfolgserzählung ohne wissenschaftliche Grundlage
Für Tichys Einblick ist die Fünf-Grad-Aussage eine „Verkürzung der Weltklimageschichte auf die segensreiche Wirkung deutscher Energiepolitik“. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) bezifferte die erwartete Erwärmung Ende 2025 unter geltender Politik auf 2,8 Grad, bei vollständiger Umsetzung der nationalen Klimaziele auf 2,3 bis 2,5 Grad. Zum Zeitpunkt des Pariser Abkommens seien es 3 bis 3,5 Grad gewesen – nicht 5 Grad.
Schneider selbst hatte bereits 2025 von „vier bis fünf Grad vor Paris“ gesprochen. Im Dezember 2025 erklärte er, Deutschland habe die erneuerbaren Energien „global marktfähig gemacht“ und „damit der Welt das größte Geschenk gemacht“. Kritiker sehen darin eine politische Erfolgsgeschichte mit eindeutig verteilten Verdiensten.
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Während Schneider die deutsche Klimapolitik als weltrettend darstellt, zeigen die globalen Emissionsdaten einen gegenläufigen Trend: 2024 stiegen die weltweiten Treibhausgasemissionen um 1,3 Prozent. Ob die Fünf-Grad-These einer unabhängigen Überprüfung standhält, ist offen.