Bauernverband warnt vor totalem Ernteausfall in Süddeutschland
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Landwirtschaft

Bauernverband warnt vor totalem Ernteausfall in Süddeutschland

Der Deutsche Bauernverband rechnet wegen der anhaltenden Trockenheit mit erheblichen Ernteeinbußen – in Süddeutschland droht teils der totale Ausfall. Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert Soforthilfen, Landwirtschaftsminister Alois Rainer will erst Ende August entscheiden.

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Der Deutsche Bauernverband schlägt Alarm: Wegen der anhaltenden Trockenheit drohen in Teilen Süddeutschlands komplette Ernteausfälle bei Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben. Bauernpräsident Joachim Rukwied spricht von einer „brutal angespannten“ Lage und fordert Soforthilfen von der Bundesregierung – doch Landwirtschaftsminister Alois Rainer will erst Ende August entscheiden.

„Wir gehen von einer unterdurchschnittlichen Ernte bei Getreide, hier insbesondere beim Weizen, und bei Raps aus“, sagte Rukwied dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch für Herbstkulturen zeichne sich eine negative Tendenz ab. In südlichen Regionen falle praktisch kein Regen: „Bei uns hat es im Juli elf Millimeter geregnet, im August bisher acht.“

In südlichen Teilen Deutschlands könnte das bis zum totalen Ertragsausfall gehen.
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands

Die Lage auf den Feldern

Betroffen sind vor allem Weizen und Raps; bei Herbstkulturen wie Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Körnermais und Sojabohnen rechnet der Verband regional mit erheblichen Einbußen. Im Norden sieht es etwas besser aus: Dort habe es immer wieder geregnet, die Bestände seien noch „akzeptabel“, so Rukwied. Dennoch werde die Ernte auch dort unterdurchschnittlich ausfallen.

Der Bauernpräsident, der selbst einen Betrieb in Baden-Württemberg führt, illustriert die Trockenheit mit Zahlen: Das größte Regenereignis im Juli brachte nur drei oder vier Millimeter – „das verpufft“. Künstliche Bewässerung kann die Ausfälle kaum abfedern: Nur etwa drei Prozent der Fläche in Deutschland lassen sich beregnen, und das rechne sich nur bei Obst und Gemüse.

Futterkrise und wirtschaftliche Not

Vor allem im Süden wird der Futtermangel zum Problem: Es wächst kein Gras und Heu mehr nach, die Futterbestände brechen ein. Vereinzelt lassen Höfe deshalb ihre Tiere früher als geplant schlachten. Rukwied: „Was insgesamt und vor allem in Süddeutschland gerade ein Problem wird, ist, dass kein Futter mehr nachwächst.“

Die finanzielle Lage vieler Betriebe ist angespannt. „Ich kenne Kollegen, die ihre Pflanzenschutz- und Düngemittelrechnungen nicht mehr bezahlen können und zur Bank gehen müssen“, sagt Rukwied. Die Nachfrage nach Liquiditäts- und Überbrückungsdarlehen sei hoch. Der Verbandspräsident fordert daher steuerfreie Risikoausgleichsrücklagen, damit Betriebe für schwierige Jahre vorsorgen können.

Forderungen an die Politik

Konkret verlangt Rukwied drei Sofortmaßnahmen: Die EU-Düngemittelbeihilfe müsse von 60 auf 180 Millionen Euro erhöht werden, 80 Prozent der EU-Direkthilfen sollten schon im Oktober statt im Dezember ausgezahlt werden, und die Dieselsteuer solle bis mindestens Ende November deutlich sinken.

Die Bundesregierung zögert noch: Landwirtschaftsminister Alois Rainer will erst auf Grundlage des amtlichen Ernteberichts Ende August belastbar über Hilfen entscheiden. „Wir lassen die betroffenen Betriebe mit ihren Sorgen nicht allein“, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. Für Hilfszahlungen bei Extremwetter sind formal die Länder zuständig; der Bund kann nur bei einem „Ereignis von nationalem Ausmaß“ einspringen.

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Raiffeisenverband: 600 Millionen Euro Schaden

Der Deutsche Raiffeisenverband beziffert die Einbußen der Genossenschaftsunternehmen seit Mitte Juni auf rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps – das entspreche Einnahmeverlusten von etwa 600 Millionen Euro. Besonders betroffen seien das südliche Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Getreideernte dürfte auf 40,6 Millionen Tonnen sinken, nach 45 Millionen Tonnen im Vorjahr.

Getreideernte in Deutschland

Schätzung des Deutschen Raiffeisenverbands

Quelle: Deutscher Raiffeisenverband, August 2026

Trotz der Ausfälle sei die Versorgung in Deutschland sichergestellt, betonte der Verband. Die genossenschaftlichen Unternehmen verzeichneten vor allem beim Getreide und Körnermais dramatische Einbußen. Eine genauere Bilanz der Ernte 2026 will der Bauernverband am 18. August vorlegen.

Rainer wartet ab, Opposition drängt

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zeigt sich besorgt, will aber erst Ende August auf Basis der amtlichen Erntedaten über Hilfen entscheiden. „Hinter verdorrten Feldern und knappen Futtervorräten stehen Familien, die um ihre Ernte, die Versorgung ihrer Tiere und die Zukunft ihrer Höfe bangen“, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. Rainer hatte am 12. August im Kabinett über die Lage berichtet.

Aus der Opposition kommen schärfere Töne: Die Linke-Agrarpolitikerin Ina Latendorf warnt, „die Klimakrise frisst sich durch die deutschen Äcker“, und fordert einen Krisenfonds für existenzbedrohte Betriebe. Grünen-Fraktionsvize Julia Verlinden verlangt neben Akuthilfen ein Programm „klimafeste Böden“ zur besseren Wasserspeicherung. Beide kritisieren, dass die Bundesregierung zu langsam reagiere.

Der Bauernverband will am 18. August seine Erntebilanz vorlegen; die belastbare Schadensbewertung folgt Ende August.