Nach rassistischen Drohungen: Volksbühne sagt Schwimmtermin für Schwarze Kinder ab
Wegen massiver Anfeindungen und Sicherheitsbedenken sagen die Berliner Volksbühne und der Verein Each One Teach One den für Freitag geplanten exklusiven Schwimmtermin für Schwarze Kinder und Jugendliche ab. AfD und Teile der CDU hatten das kostenlose „Volksbad“ zuvor als „Apartheid“ kritisiert.
Wegen massiver Drohungen und rechter Hetze ist der für Freitag geplante Schwimmtermin für Schwarze Kinder und Jugendliche im Berliner Volksbad abgesagt. Die Volksbühne und der Verein Each One Teach One (EOTO) zogen die Veranstaltung am Donnerstag zurück, nachdem sie nach eigenen Angaben rassistische Droh-E-Mails und Gewaltandrohungen erhalten hatten.
Das kostenlose 25-Meter-Becken steht seit dem 7. August vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Es war als Auftakt zur neuen Intendanz von Matthias Lilienthal gedacht und sollte allen offenstehen. Für Freitag, den 14. August, 12 bis 18 Uhr, war das Bad jedoch komplett für EOTO reserviert – ein Verein, der sich für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen einsetzt.
Das Volksbad als politisches Projekt
Rund 300.000 Euro kostet Aufbau und Betrieb des temporären Pools, wie die WELT berichtet. Besucher müssen lediglich Zeitslots online buchen. Lilienthal versteht das Projekt auch als Protest gegen verfallende Infrastruktur und zunehmend kommerzialisierte öffentliche Räume.
An manchen Tagen ist das Bad für Vereine reserviert, die sich „in der einen oder anderen Weise für ein offenes Berlin engagieren“. Für den 14. August war EOTO an der Reihe; auf der Website hieß es zunächst, der Zeitraum sei „exklusiv für schwarze Communitys“ geöffnet. Nach Kritik änderte die Volksbühne die Formulierung am Dienstag in „für Each One Teach One reserviert“.
Ähnliche Debatten um Zugangsregeln in Bädern gab es zuletzt auch andernorts – ein Beispiel hat jux.news bereits am Heidebad in Halle dokumentiert.
Chronologie der Eskalation
7. August 2026
Volksbad eröffnet
25-Meter-Pool vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, kostenlos
11. August 2026
Duschen defekt
Das Bad ist wegen Problemen mit den Duschen zeitweise geschlossen
Die AfD verbreitete ein KI-generiertes Bild mit dem Titel „Rassentrennung auf Staatskosten“. Parteichefin Alice Weidel schrieb von „Apartheid“ und forderte: „Steuermittel für solche Veranstaltungen gehören sofort gestrichen!“ Die Berliner CDU-Bezirksverordnete Aileen Weibeler klagte in einem Instagram-Video über ein „super seltsames und, ja, diskriminierendes Gefühl“, weil sie als Weiße nicht ins Freibad dürfe.
„Es ist trotzdem ein super seltsames und, ja, diskriminierendes Gefühl.“
SPD, Grüne und Linke verurteilten die Absage als beschämend. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf nannte sie das Gegenteil dessen, wofür Berlin als Stadt der Freiheit steht. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte: „Für einen weißen 47-jährigen Hetero-Mann wie mich ist Berlin so gut wie immer und überall ein Safe Space, aber für People of Color eben nicht.“ Finanz- und Kultursenator Stefan Evers (CDU) verurteilte die Drohungen als inakzeptabel.
Absage wegen Sicherheitsbedenken
Am Donnerstag zogen die Volksbühne und EOTO die Notbremse. Intendant Lilienthal erklärte: „Wir können die sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucherinnen und Besucher ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag.“ Das Theater räumte ein, unterschätzt zu haben, dass etwas für öffentliche Schwimmbäder Selbstverständliches zu einer bundesweiten Welle von Anti-Schwarzem Rassismus und Hetze führen würde.
EOTO berichtete von rassistischen Droh-E-Mails und Gewaltandrohungen. Man könne nicht ausschließen, dass die Kinder und Jugendlichen an dem Tag weiteren Gefahren ausgesetzt wären – auch nicht durch Sicherheitskräfte und Polizei. Der Badebetrieb am Freitag wurde komplett ausgesetzt; am Samstag sollte das Bad wieder öffnen. Intendant Lilienthal kündigte eine Ersatzveranstaltung für die Kinder und Jugendlichen an.
Doris Liebscher von der Ombudsstelle des Berliner Landesantidiskriminierungsgesetzes stellte klar, dass die zeitlich begrenzte Öffnung für strukturell benachteiligte Gruppen rechtlich zulässig sei. Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) sagte laut rbb24, die Debatte laufe "in die völlig falsche Richtung".
Parallel dazu erschien im stern die Kolumne „Weiße müssen draußen bleiben: Der Rassismus im Sommerloch“. Autor Stephan Anpalagan nennt die Kampagne einen „vermeintlichen Rassismuskandal“ und betont, wie „irrsinnig und gefährlich“ die Kritik sei.