Roth nennt Berliner CDU Steigbügelhalter rechter Hetze
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Kulturstreit

Roth nennt Berliner CDU Steigbügelhalter rechter Hetze

Nach der Absage des Schwarzen-Schwimmens im Berliner Volksbad greift Claudia Roth die CDU frontal an. AfD-Chefin Weidel hatte von Apartheid gesprochen, Kai Wegner schweigt – Stefan Evers verurteilt zwar die Drohungen, bleibt aber bei seiner Kritik.

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Nach rassistischen Drohungen und dem Apartheid-Vorwurf von AfD-Chefin Alice Weidel ist das für Freitag geplante Schwimmen für Schwarze Kinder und Jugendliche im Berliner Volksbad abgesagt worden. Claudia Roth macht dafür vor allem die Berliner CDU verantwortlich: Regierungschef Kai Wegner schweige, Spitzenkandidat Stefan Evers halte an seiner Kritik an der Exklusivnutzung fest.

Roth sagte dem Tagesspiegel, was um das Volksbad geschehe, sei kein spontaner Shitstorm, sondern das Ergebnis eines Musters, das man seit Monaten erlebe. Rechte Medien hätten ein niedrigschwelliges Angebot für Schwarze Kinder aufgegriffen und den Verein Each One Teach One über Nacht zum Feindbild gemacht.

Die Eskalation um das Volksbad

Das 25 Meter lange und 1,30 Meter tiefe Freibad vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz war erst am 7. August eröffnet worden. Der Eintritt ist frei; am 14. August sollte das Becken zwischen 12 und 18 Uhr exklusiv für Mitglieder der Schwarzen Community reserviert sein – organisiert gemeinsam mit dem Verein Each One Teach One.

Schon vorher hatte AfD-Chefin Alice Weidel von „Apartheid“ gesprochen. Die Berliner CDU-Bezirksverordnete Aileen Weibeler veröffentlichte ein Instagram-Video, in dem sie sich beschwerte, wegen ihrer weißen Hautfarbe nicht ins Bad zu dürfen. Eoto erhielt nach eigenen Angaben rassistische Drohmails und Gewaltandrohungen.

Am Donnerstag zogen Volksbühne und Eoto die Konsequenz: Man könne weder die sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher noch einen entspannten Feriennachmittag garantieren. Am Volksbad wurde ein großes Transparent mit der Aufschrift „Fickt euch!“ aufgehängt.

Chronologie der Eskalation

  1. 7. August 2026
    Eröffnung des Volksbads

    Das temporäre 25-Meter-Becken vor der Volksbühne öffnet kostenlos – geplant bis Anfang Oktober.

  2. Vor dem 13. August 2026
    Apartheid-Vorwurf und Drohungen

    Alice Weidel spricht von Apartheid; Eoto erhält rassistische Drohmails.

  3. 13. August 2026
    Absage aus Sicherheitsgründen

    Volksbühne und Eoto sagen das Schwimmen für Schwarze Kinder ab.

  4. 14. August 2026
    Roth greift CDU an

    Die Grünen-Politikerin wirft Wegner und Evers vor, Steigbügelhalter gesellschaftsspaltender Kräfte zu sein.

Roths Vorwurf: CDU als Steigbügelhalter

Ihre zentrale Forderung: Wenn Alice Weidel von Apartheid spreche und damit die Realität ins Gegenteil verkehre, wäre es Aufgabe einer demokratischen Regierungspartei, klar zu widersprechen. Stattdessen schwiegen Kai Wegner und Stefan Evers.

Wer im Wahlkampf auf Distanz zu rechter Hetze verzichte, weil sie gerade politisch bequem erscheine, mache sich zum Steigbügelhalter für die Kräfte, die die Gesellschaft spalten wollen. Besonders bitter sei, dass die Berliner CDU sich diesen Kulturkampf zu eigen mache, statt ihm entgegenzutreten.

Wer im Wahlkampf auf Distanz zu rechter Hetze verzichtet, weil sie gerade politisch bequem erscheint, macht sich zum Steigbügelhalter für die Kräfte, die unsere Gesellschaft spalten wollen.
Claudia Roth, Bundestagsabgeordnete (Grüne)

Evers verurteilt Drohungen, Wegner schweigt

Berlins Kultursenator Stefan Evers verurteilte die Gewaltandrohungen gegen das Kunstprojekt als inakzeptabel. Er betonte zugleich, er persönlich halte nichts davon, Menschen nach Hautfarben einzuteilen. Zugangsbeschränkungen in Freibädern sind kein neues Streitthema: In Baden-Württemberg setzen Freibäder auf enge Badekleidung.

Die SPD-Antidiskriminierungssenatorin Cansel Kiziltepe nannte die Absage völlig inakzeptabel. Zeitlich begrenzte Angebote für Menschen, die Rassismus erfahren, seien ausdrücklich vom Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz gedeckt – das bestätigte auch die Ombudsstelle.

Linke und Grüne reagierten empört. Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp sprach von unerträglich und forderte, dem Rechtsextremismus die Stirn zu bieten. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf nannte den Vorgang einen beschämenden Skandal für die ganze Stadt.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht; Anfragen verwies die Senatskanzlei an die Kulturverwaltung. Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gab keine Stellungnahme ab.

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