Ukraine zerstört 20 Wildberries-Lager: Milliardenschaden für Russlands größten Online-Händler
Die Ukraine attackiert systematisch die Logistikzentren von Wildberries, Russlands größtem Online-Händler. Rund 20 Lager wurden getroffen, der Schaden geht in die Milliarden – für das Unternehmen und Hunderttausende Verkäufer.
Seit dem 18. Juli 2026 brennen Russlands größte Online-Lager. Die Ukraine hat in einer koordinierten Drohnenkampagne rund 20 Logistikzentren von Wildberries getroffen – dem mit Abstand größten Online-Händler des Landes. Mindestens 14 Lager brannten vollständig oder teilweise aus, mindestens 13 Mitarbeiter starben. Wie schon bei früheren Drohnenangriffen eskalierte die Lage binnen Tagen.
Der Konflikt ist wirtschaftlich und militärisch zugleich. Wildberries hält rund 45 Prozent Marktanteil im russischen Online-Handel, Konkurrent Ozon 32 Prozent. Kiew sieht die Lager als Versorgungsknoten für Drohnenkomponenten, Schutzwesten und Navigationsausrüstung – und als Vergeltung für russische Angriffe auf ukrainische Städte, wie Al Jazeera analysiert.
Milliardenverluste und Versicherungslücken
Data Insight beziffert die direkten Infrastruktur-Verluste von Wildberries auf 147 bis 223 Milliarden Rubel – umgerechnet 1,75 bis 2,66 Milliarden US-Dollar. Inklusive Abriss und Wiederaufbau könnten die Kosten laut dem Moskauer Datendienst auf bis zu 278 Milliarden Rubel steigen.
Die zerstörte Ware der Verkäufer schätzt Data-Insight-Leitanalyst Sergei Semko auf weitere 445 bis 507 Milliarden Rubel. Die russische Vereinigung der Warenlieferanten geht sogar von 600 bis 700 Milliarden Rubel aus. Über 400.000 Verkäufer sind betroffen, viele verloren bis zu 95 Prozent ihres Warenbestands.
Hinzu kommt: Rund 80 Prozent der Lagergebäude und Warenbestände waren weder von Wildberries noch von den Verkäufern versichert. Wildberries hatte am 7. Juli 2026 – elf Tage vor den ersten Treffern – seine Geschäftsbedingungen geändert und die Haftung für durch Drohnenangriffe zerstörte Ware ausgeschlossen.
Chronologie: Vom ersten Treffer bis zum 21. Lager
Die Angriffswelle begann am 18. Juli in Tambow und Elektrostal. Im Lager Kotowsk starben sieben Menschen, über 60 wurden verletzt. Augenzeugen berichten von chaotischen Evakuierungen; Vorgesetzte sollen Beschäftigte teils am Verlassen gehindert haben, bis sie ihre Barcode-Scanner abgaben.
Angriffe auf Wildberries-Lager
18. Juli 2026
Beginn der Kampagne
Drohnen treffen Anlagen in Tambow und Elektrostal; sieben Tote in Kotowsk.
24. Juli 2026
Neun Lager in einer Woche
Treffer in Sankt Petersburg, Twer und Simferopol; auch Ozon-Anlagen betroffen.
3. August 2026
14 Lager getroffen
Chrjastowo (Region Wladimir) brennt; über 1,5 Mio. m² Lagerfläche außer Betrieb.
13. August 2026
21. Ziel in Baschkortostan
Lager in Tschischminski getroffen; gleichzeitig brennen Ölraffinerie und weiteres Lager.
Warum die Ukraine Wildberries angreift
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Angriffe zielten auf Logistikzentren, die an der Versorgung der russischen Armee mit Drohnenkomponenten, Navigationsausrüstung und anderer Militärhardware beteiligt seien. Sein Berater Mykhailo Podolyaka sprach am 1. August von „viel Militärlogistik“ in den Lagern.
Denys Schtillerman, Mitgründer des ukrainischen Drohnenherstellers Fire Point, nannte am 28. Juli einen weiteren Grund: Wildberries sei als größter Kreditnehmer Russlands mit der VTB Bank verflochten – ein Kollaps des Händlers könnte mehrere Banken mitreißen. Die Sicherheitsexpertin Kateryna Bondar vom CSIS sieht die Lager als „Vertriebsknoten für Dual-Use-Güter“.
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Reaktionen: Terrorvorwurf und Handyverbot
Wildberries-Gründerin Tatyana Kim warf der Ukraine in einer Video-Ansprache einen „Terroranschlag“ vor. „Angriffe gegen uns sind Angriffe gegen Hunderte Millionen Menschen in zehn Ländern gleichzeitig“, sagte sie. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, das „Kiewer Regime“ treffe „weiterhin zivile Ziele“.
„Seit fast zwei Wochen stehen die Lager unseres Unternehmens unter Terrorangriffen. Warum ausgerechnet unsere Lager? Angriffe auf uns sind Angriffe auf Hunderte Millionen Menschen in zehn Ländern gleichzeitig.“
Tatyana Kim, Gründerin und CEO von Wildberries
Als Reaktion verbot Wildberries seinen Beschäftigten die private Handynutzung – offiziell als Luftverteidigungs-Maßnahme, nach Einschätzung von Bondar vor allem, um das Filmen der Angriffe zu unterbinden. Der Kreml diskutiert Steuerstundungen und Subventionen, mehrere Regionen zahlen symbolische Entschädigungen. Beobachter zweifeln indes, dass die Angriffe die militärische Einsatzbereitschaft nennenswert beeinträchtigen.