Top-Ökonom sagt Russlands Niederlage voraus – und wird entlassen
Der Kreml zieht die Reißleine: Nach einem „Anruf von oben“ muss Andrej Klepatsch seinen Posten als Chefökonom der Staatsbank VEB.RF räumen. Zuvor hatte er Russland die wirtschaftliche Niederlage im Krieg gegen die Ukraine vorausgesagt.
Russlands Chefökonom der staatlichen Entwicklungsbank VEB.RF, Andrej Klepatsch, ist seinen Job los – nachdem er dem Land öffentlich die wirtschaftliche Niederlage im Krieg gegen die Ukraine vorausgesagt hatte. Wie Die Welt berichtet, entließ VEB.RF-Chef Igor Schuwalow den 67-Jährigen am Sonntagabend auf einen „Anruf von oben“ aus dem Kreml hin.
Das unabhängige Portal The Bell hatte zuvor unter Berufung auf zwei Vertraute Klepatschs gemeldet, Schuwalow habe den Ökonomen nach einem Telefonat mit dem Kreml gefeuert. Die Staatsagentur TASS bestätigte am Montag, Klepatsch sei „nicht mehr VEB.RF-Chefökonom“; ein Nachfolger sei bereits nominiert. Klepatsch selbst bestätigte seine Entlassung gegenüber Forbes, nannte aber keine Gründe.
Der Rauswurf ist mehr als ein Personalwechsel: Klepatsch gehört zu den renommiertesten Wirtschaftsexperten Russlands und arbeitete seit zwölf Jahren für die mit westlichen Sanktionen belegte Staatsbank. Seine Prognosen fielen oft düsterer aus als offizielle Zahlen – so beschreibt es die Russland-Expertin Alexandra Prokopenko vom Carnegie-Zentrum in Berlin.
Klepatschs düstere Prognosen
Auslöser war ein Vortrag am 21. Mai 2026 im Nikitsky-Club der Moskauer Börse. Wie der Tagesspiegel berichtet, erklärte Klepatsch dort, die ukrainische Wirtschaft werde trotz Zerstörung und demografischer Katastrophe durchhalten.
„In diesem Abnutzungskrieg werden wir den Wettbewerb nicht gewinnen. Wir geben uns der Illusion hin, dass dort [in der Ukraine] alles zusammenbrechen wird. Es ist nicht zusammengebrochen und wird auch nicht zusammenbrechen.“
Andrej Klepatsch, Chefökonom der staatlichen VEB.RF
Klepatsch ging noch weiter: Russland falle zurück und verliere den Wettbewerb „nicht nur gegen China und die USA, sondern in manchen Bereichen auch gegen die Ukraine“. Die ukrainische Wirtschaft halte trotz allem durch. Für sein eigenes Land zog er eine düstere Bilanz: „Ich glaube, dass Russland nicht auseinanderfallen wird, aber ich bin mir fast sicher, dass wir in eine soziale Krise geraten werden.“
Zudem betonte Klepatsch, ukrainische Angriffe auf die russische Infrastruktur entwickelten sich „zu einem spürbaren makroökonomischen Wachstumshemmnis“. Ein Ende des Konflikts sei nicht in Sicht.
Entlassung nach „Anruf von oben“
Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten: Wie „The Bell“ berichtet, handelte Schuwalow nach einem „Anruf von oben“ – gemeint ist der Kreml. Schuwalow, früherer Vizeregierungschef und Vertrauter von Präsident Wladimir Putin, soll dem langjährigen Chefökonomen gekündigt haben. Die Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ zitierte VEB.RF-Quellen, Klepatschs persönliche Einschätzungen seien „nicht in Einklang zu bringen“ mit den Positionen des Staatskonzerns.
Die Ereignisse im Überblick
Februar 2022
Putin befiehlt Invasion in die Ukraine
Beginn des Angriffskriegs, den Russland offiziell weiterhin für sich beansprucht.
21. Mai 2026
Klepatsch prophezeit Niederlage
Im Nikitsky-Club der Moskauer Börse sagt er, Russland werde den Abnutzungskrieg nicht gewinnen und steuere auf eine soziale Krise zu.
16. August 2026
Entlassung nach „Anruf von oben“
VEB.RF-Chef Igor Schuwalow entlässt Klepatsch nach einem Telefonat aus dem Kreml. TASS bestätigt, dass er nicht mehr Chefökonom ist.
17. August 2026
Klepatsch bestätigt Aus
Gegenüber Forbes und Wedomosti bestätigt er die Entlassung, nennt aber keine Gründe.
Gegenüber Forbes bestätigte Klepatsch die Entlassung, ohne Gründe zu nennen. Zu seinen Zukunftsplänen sagte er lediglich: „Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.“