SEK stoppt bewaffneten Autofahrer mit Blendgranaten und Schüssen
In der Nacht auf Sonntag eskalierte eine Verfolgungsjagd auf der A1: Spezialkräfte stoppten einen bewaffneten Autofahrer bei Lensahn mit Blendgranaten und möglichen Schüssen. Der Mann wurde unverletzt festgenommen und in eine Psychiatrie eingewiesen, die Autobahn war fast sechs Stunden gesperrt.
In der Nacht auf Sonntag endete eine lebensgefährliche Verfolgungsjagd auf der A1 mit einem SEK-Zugriff, bei dem Blendgranaten gezündet und nach Zeugenangaben zwei Schüsse abgefeuert wurden. Am Parkplatz „Hasselburger Mühle“ bei Lensahn überwältigten Spezialkräfte einen bewaffneten Autofahrer, der zuvor mit riskanten Spurwechseln andere Verkehrsteilnehmer gefährdet hatte.
Der Konflikt begann am Samstagabend in Hamburg: Gegen 21.25 Uhr erhielt die Polizei den Hinweis auf einen stark eigengefährdeten Mann, der mit einer Schusswaffe auf der B75 unterwegs war. Weil unklar war, was der Mann vorhatte, lösten die Beamten Großalarm aus und orteten ihn per Handy.
Flucht Richtung Ostsee
Als die Polizei den Fahrer stoppen wollte, gab er Gas und fuhr auf die A1 in Richtung Norden. Dabei kam es mehrfach fast zu Zusammenstößen, weil der Mann andere Autos durch schnelle Spurwechsel massiv gefährdete. Um 21.53 Uhr verließ er Hamburg und raste Richtung Ostsee, ohne auf Anhaltesignale zu reagieren.
„Der Autofahrer reagierte nicht auf Anhaltesignale.“
Vanessa Gräfin von Hahn, Polizeisprecherin
Die Polizeiführung aus Schleswig-Holstein entschied, den bewaffneten Mann zunächst nicht zu bedrängen, und forderte ein Spezialeinsatzkommando aus Kiel an. Der NDR berichtet von einer psychischen Ausnahmesituation des Fahrers.
Zugriff mit Blendgranaten und Schüssen
Später stoppten die Spezialkräfte den Autofahrer auf Höhe des Parkplatzes „Hasselburger Mühle“ und sperrten die A1 bei Lensahn ab. Augenzeugen berichteten gegenüber BILD von zwei Schüssen, die plötzlich von der Autobahn zu hören waren. Unter welchen Umständen – und von wem – die Schüsse abgegeben wurden, ist bislang unklar.
Gegen 1.15 Uhr erfolgte der Zugriff: Mit Blendgranaten und großem Geschrei überwältigten die schwer bewaffneten Einsatzkräfte den Autofahrer und nahmen ihn fest. Ein Amtsarzt ließ den Mann anschließend in eine psychiatrische Klinik einweisen; laut Polizei blieb er unverletzt.
Die Nacht im Überblick
Die entscheidenden Stationen der Nacht in der Chronologie:
Chronologie der Verfolgungsjagd
21:25 Uhr
Hinweis bei Hamburger Polizei
Die Polizei erhält einen Hinweis auf einen bewaffneten, eigengefährdeten Autofahrer auf der B75 im Süden Hamburgs; Großalarm wird ausgelöst.
21:53 Uhr
Flucht auf die A1
Der Fahrer verlässt Hamburg auf der A1 Richtung Norden und gefährdet andere Autofahrer durch riskante Spurwechsel.
22:30 Uhr
Vollsperrung der A1
Die Autobahn wird zwischen Lensahn und Holstein-Pelzerhaken in beide Richtungen gesperrt.
später Abend
SEK stoppt Fahrer
Spezialkräfte stoppen den Autofahrer am Parkplatz „Hasselburger Mühle“; Augenzeugen berichten von zwei Schüssen.
01:15 Uhr
Zugriff
SEK überwältigt den Mann unter Einsatz von Blendgranaten und nimmt ihn fest.
04:20 Uhr
Ende der Sperrung
Die Vollsperrung wird aufgehoben; ein Amtsarzt weist den Fahrer in eine psychiatrische Klinik ein.
Sperrung und offene Fragen
Während des Einsatzes war die A1 zwischen Lensahn und Holstein-Pelzerhaken von 22.30 Uhr bis 4.20 Uhr voll gesperrt, der Verkehr wurde umgeleitet. Das bestätigt auch der NDR.
Die offiziellen Angaben der Polizei fallen zurückhaltender aus als die Augenzeugenberichte: Der NDR erwähnt weder Schusswaffe noch Schüsse oder Blendgranaten, sondern spricht von einem Mann in einer psychischen Ausnahmesituation. FOCUS online berichtet dagegen von Blendgranaten und Schüssen. Der Fall erinnert an andere jüngste Schusswaffenvorfälle im Straßenverkehr, etwa einen Hinterhalt vor einem Lidl-Markt.