Deutsche sitzen 613 Minuten pro Tag – Rekord mit Krebsrisiko
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Gesundheit

Deutsche sitzen 613 Minuten pro Tag – Rekord mit Krebsrisiko

Neuer Höchststand: Die Deutschen sitzen werktags im Schnitt 613 Minuten. Eine Langzeitstudie zeigt: Wer mehr als 30 Minuten am Stück sitzt, riskiert ein höheres Krebssterberisiko.

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Die Deutschen sitzen sich krank: An einem Werktag kommen sie im Schnitt auf 613 Minuten Sitzzeit – mehr als zehn Stunden und so viel wie nie zuvor. Das geht aus dem neuen DKV-Report hervor, über den der Stern am 16. August berichtet.

Sitzzeit-Rekord im Langzeittrend

Hinter der Rekordzahl steckt die Befragung von mehr als 2.800 Menschen, die das Institut HEUTE UND MORGEN im Auftrag der Deutschen Krankenversicherung (DKV), der Sporthochschule Köln und der Universität Würzburg durchführte. Die Werte steigen seit Jahren: 2023 lag die durchschnittliche Sitzzeit noch bei 598 Minuten, vor rund zehn Jahren bei etwa 7,5 Stunden.

Der Report zeigt zudem: Nur 30 Prozent der Vielsitzer schaffen es, das lange Sitzen durch ausreichend Bewegung auszugleichen. Insgesamt 37 Prozent der Befragten haben wegen ihres Sitz- und Bewegungsverhaltens ein erhöhtes Sterberisiko. Als rundum gesund – bei Bewegung, Ernährung, Rauchen, Alkohol und Stress – gelten nur zwei Prozent der Bevölkerung.

Durchschnittliche Sitzzeit pro Werktag in Minuten

Deutschland im Langzeitvergleich

Quelle: DKV-Report 2025

Krebsrisiko: Die Glasgow-Studie

Zeitgleich sorgt eine britische Langzeitstudie für neue Warnsignale. Ausgewertet wurden Daten von 91.292 Teilnehmern der UK Biobank, die eine Woche lang Bewegungssensoren am Handgelenk trugen und im Schnitt zwölf Jahre nachbeobachtet wurden. Die WELT berichtete am 3. August über die im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Analyse des Teams um Ziyi Zhou und Frederick K. Ho.

Das Ergebnis: Wer regelmäßig länger als 30 Minuten am Stück sitzt, hat ein höheres Risiko, später an Krebs zu sterben. Jede zusätzliche Stunde ununterbrochener Sitzzeit pro Tag erhöhte das Krebssterberisiko um etwa zehn Prozent. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Brustkrebs, aber auch bei Lungen-, Darm- und Leberkrebs sowie bei adipositas- und diabetesbezogenen Krebsarten.

Dieser gefährliche Trend muss dringend gestoppt werden. Wir brauchen einen gesellschaftlichen Wandel, der vom Sitzen wegführt und einen Alltag ermöglicht, in dem Bewegung erlaubt, unterstützt und sogar belohnt wird.
Ingo Froböse, Sportwissenschaftler, Sporthochschule Köln

Schon kleine Pausen helfen

Die gute Nachricht: Bereits leichte Unterbrechungen senken das Risiko spürbar. Wer täglich eine Stunde Sitzen durch leichte Bewegung wie langsames Gehen oder Hausarbeit ersetzte, hatte ein um zwölf Prozent geringeres Krebssterberisiko. Eine halbe Stunde moderates Gehen brachte minus acht Prozent, fünf Minuten intensive Bewegung sogar minus 22 Prozent. Studienautor Frederick Ho erklärte: „Was unsere Daten zeigen, ist, dass Sitzen von mehr als 30 Minuten am Stück besonders mit einem höheren Krebsrisiko verbunden ist. Die gute Nachricht ist, dass es schützend sein könnte, die Sitzzeit mit etwas so Einfachem wie einem kurzen Spaziergang zu unterbrechen.“

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Grenzen der Beobachtungsstudie

Fachleute betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt: Sie belegt statistische Zusammenhänge, aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung. Die Apotheken Umschau verweist auf erhebliche Schwächen – die Messdauer von nur einer Woche, nicht erfasste Restfaktoren wie Beruf oder Vorerkrankungen und die nicht repräsentative Zusammensetzung der UK-Biobank-Teilnehmer.

Biologisch plausibel bleibt der Zusammenhang dennoch: Langes Sitzen lässt große Muskelgruppen nahezu inaktiv und beeinflusst Stoffwechselprozesse wie Blutzucker, Insulinregulation, Entzündungsreaktionen und Fettablagerungen ungünstig. Der oft zitierte Slogan „Sitzen ist das neue Rauchen“ gilt allerdings als überzogen.

Das raten Fachleute

Experten empfehlen, das Dauersitzen regelmäßig zu unterbrechen – etwa alle 30 Minuten kurz aufzustehen, Telefonate im Stehen oder Gehen zu führen, die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen, Steh-Meetings zu etablieren oder einen höhenverstellbaren Schreibtisch zu nutzen.

  • Alle 30 Minuten aufstehen und kurz bewegen
  • Telefonate im Stehen oder Gehen führen
  • Treppe statt Aufzug, Steh-Meetings, höhenverstellbarer Schreibtisch

Dazu kommt die WHO-Empfehlung von 150 Minuten moderater Bewegung pro Woche. Die Kernbotschaft: Man muss kein Marathonläufer werden – regelmäßige kleine Bewegungspausen im Alltag holen bereits einen Großteil des Gesundheitseffekts.