Polen senkt Spritsteuer drastisch – Benzin und Diesel bis zu 23 Cent billiger
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Kraftstoff

Polen senkt Spritsteuer drastisch – Benzin und Diesel bis zu 23 Cent billiger

Polen senkt ab dem 17. August die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf 8 Prozent. Die Preise fallen um bis zu 23 Cent je Liter – doch Präsident Nawrocki blockiert die geplante Übergewinnsteuer zur Gegenfinanzierung.

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Pünktlich zum Ende der polnischen Schulferien macht Warschau Sprit deutlich billiger: Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel nur noch ein Mehrwertsteuersatz von 8 statt 23 Prozent. Ministerpräsident Donald Tusk verspricht Preissenkungen von umgerechnet bis zu 23 Cent je Liter – doch die Finanzierung der Entlastung ist umstritten, weil Präsident Karol Nawrocki eine geplante Übergewinnsteuer blockiert.

Das Programm trägt den Namen CPN („Ceny Paliwa Niżej“, zu Deutsch: niedrigere Kraftstoffpreise) und kombiniert die Steuersenkung mit einer täglichen Preisobergrenze. Energieminister Miłosz Motyka (33) legt jeden Tag einen maximalen Einzelhandelspreis fest, um zu verhindern, dass Tankstellen die Steuersenkung einpreisen. Für Montag galten Höchstpreise von umgerechnet 1,49 Euro für Normalbenzin, 1,67 Euro für Super und 1,71 Euro für Diesel, wie rbb/tagesschau berichtet.

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Zum Vergleich: In der Woche zuvor kostete Normalbenzin im Schnitt rund 1,66 Euro, Diesel sogar 1,88 Euro. Der polnische Preisbeobachtungsdienst E-Petrol nannte aktuelle Durchschnittspreise von 7,29 Zloty für 95-Oktan-Benzin und 8,09 Zloty für Diesel. Die Regierung erwartet einen Rückgang um 0,90 bis über 1 Zloty je Liter – umgerechnet rund 21 bis 23 Cent.

Neue Höchstpreise für Kraftstoffe in Polen (ab 17. August 2026)

Maximale Einzelhandelspreise laut Energieministerium, umgerechnet in Euro

Quelle: Energieministerium Polen

Warum Polen jetzt eingreift

Polen greift damit auf ein früheres Entlastungspaket zurück, das die Regierung nach Beginn des US-israelischen Kriegs gegen den Iran und der Störung der Schifffahrt in der Straße von Hormus Ende März eingeführt hatte. Von Ende März bis Ende Juni galt bereits ein reduzierter Mehrwertsteuersatz; zusätzlich konnte der Energieminister damals die Energiesteuer senken. Dieses Element fehlt in der Neuauflage.

Das CPN-Programm kostete den Staat nach Angaben des Finanzministeriums bislang rund 4,7 Milliarden Zloty (rund 1,1 Milliarden Euro). Finanzminister Andrzej Domański (44) habe laut Tusk „Wunder vollbracht“, um die Mehrwertsteuersenkung in der angespannten Finanzlage – unter anderem wegen hoher Verteidigungsausgaben – zu ermöglichen, berichtet BILD.

Chronologie der Steuersenkung

  1. 13. August 2026
    Ankündigung

    Ministerpräsident Donald Tusk kündigt in Warschau die Wiedereinführung von Teilen des CPN-Programms an.

  2. 17. August 2026
    Inkrafttreten

    Die Mehrwertsteuersenkung von 23 auf 8 Prozent tritt um Mitternacht in Kraft. Das Energieministerium legt erstmals Tageshöchstpreise fest.

  3. 31. August 2026
    Vorläufiges Ende

    Die Maßnahme soll zum Abschluss der polnischen Schulferien enden.

Streit um die Gegenfinanzierung

Tusk kritisierte erneut Präsident Karol Nawrocki (43), der das Gesetz über eine Übergewinnsteuer für Kraftstoffunternehmen nicht unterzeichnet und zur Prüfung an das Verfassungsgericht verwiesen hatte. Die Regierung hatte sich von dieser Steuer Einnahmen von geschätzt rund 4 Milliarden Zloty zur Gegenfinanzierung der Kraftstoffsubventionen erhofft. Nawrockis Kanzlei argumentiert, die Unternehmen würden die Mehrkosten an die Verbraucher weitergeben.

Nawrockis Kabinettschef Zbigniew Bogucki warf der Regierung eine verspätete Reaktion auf die hohen Preise vor. Der staatliche Energiekonzern Orlen hatte im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordgewinn ausgewiesen; Ökonomen der Bank PKO führten die Beschleunigung der Inflation von 2,5 Prozent (Juni) auf 3,0 Prozent (Juli) vor allem auf die höheren Kraftstoffpreise infolge des CPN-Endes und steigender Weltmarktpreise zurück, schreibt Notes From Poland.

Polen wird europaweit ganz vorn liegen, was die niedrigsten Kraftstoffpreise angeht
Donald Tusk, Ministerpräsident Polens

Tusk räumte ein, dass das CPN-Programm „ernste Kosten“ für den Staatshaushalt verursache und Sprit „immer noch teuer“ bleibe. Zugleich betonte er, die Entlastung helfe „möglicherweise Millionen polnischen Autofahrern“ an den kritischen Tagen der Rückkehr aus dem Urlaub.

Folgen für deutsche Autofahrer

Insbesondere an den ostbrandenburgischen Grenzübergängen könnte es wieder zu längeren Staus kommen, weil deutsche Pendler und Grenzbewohner in Polen voraussichtlich wieder deutlich günstiger tanken. Das berichtet rbb24. In Deutschland war der Tankrabatt bereits vor Wochen ausgelaufen, wie jux.news berichtete.

Ob die Regierung die Entlastung über den 31. August hinaus verlängert oder ob das Verfassungsgericht die blockierte Übergewinnsteuer doch noch freigibt, ist noch unklar. Für deutsche Autofahrer bleibt der Anreiz, über die Grenze zu fahren, zumindest bis zum Ferienende hoch.