Jeder achte Wechsel zum E-Auto – Prämie fehlt bei Gebrauchten
Der Umstieg auf E-Autos erreicht Rekord: 12 Prozent der privaten Fahrzeugwechsel sind vollelektrisch. Doch die staatliche Prämie gilt nur für Neuwagen – HUK-Coburg fordert sie auch für Gebrauchte, die stärker boomen als Neuwagen.
Der Umstieg auf Elektroautos erreicht einen Rekord – und der Streit um die staatliche Förderung verschärft sich. Im zweiten Quartal 2026 ersetzten private Autofahrer bei 12 Prozent aller Fahrzeugwechsel einen Verbrenner durch ein reines E-Auto, wie aus dem neuen E-Barometer des Versicherers HUK-Coburg hervorgeht. Das ist fast doppelt so viel wie noch im Januar und Februar (6,3 Prozent), berichtet Focus Online.
Grund sind die seit dem Iran-Krieg stark gestiegenen Spritpreise. Super E10 kostete Anfang April 2,192 Euro je Liter, Diesel erreichte mit 2,447 Euro einen Jahreshöchststand. Eine begleitende YouGov-Umfrage zeigt laut NRWZ: Jeder vierte Befragte denkt wegen der Preise erstmals über ein E-Auto nach.
Gebrauchte E-Autos legen am stärksten zu
Besonders stark wächst der Umstieg auf gebrauchte Stromer. Die Quote stieg im zweiten Quartal auf 7,9 Prozent – ein Rekord. Bei Vielfahrern mit mehr als 12.000 Kilometern im Jahr liegt sie bei 10,7 Prozent, bei Wenigfahrern nur bei 4,5 Prozent. HUK-Coburg vermutet: Gebrauchte sind sofort verfügbar, ohne Bestell- und Lieferfristen.
Als Grund nennen Expertinnen und Experten unabhängige Batteriezertifikate: Sie belegen, dass die meisten gebrauchten E-Autos nach drei bis vier Jahren noch über 90 Prozent Batteriegesundheit haben. Helena Wisbert von der Hochschule Ostfalia sagt: „Die Batterie hält viel länger als prognostiziert.“ Elektroautos sind zudem oft 15 bis 20 Prozent günstiger als vergleichbare Verbrenner, wie teltarif.de berichtet.
Chronologie des E-Auto-Booms
Ende Februar 2026
Iran-Krieg beginnt
Die Spritpreise steigen in der Folge stark an.
6. April 2026
Spritpreis-Höchststand
Super E10 kostet 2,192 Euro, Diesel 2,447 Euro je Liter.
Q2 2026
Rekord bei privaten Wechseln
12 Prozent aller privaten Fahrzeugwechsel sind reine E-Autos, Gebraucht-Quote 7,9 Prozent.
Juli 2026
Fast jedes dritte neue Auto elektrisch
KBA meldet 29,3 Prozent reine E-Autos bei Neuzulassungen.
Fast jedes dritte neue Auto fährt elektrisch
Auch bei Neuwagen zieht die Elektromobilität an. Im Juli 2026 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 268.000 Pkw zugelassen, 29,3 Prozent davon reine E-Autos – ein Plus von 61,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Benziner kamen auf 18,9 Prozent, Diesel auf 11,8 Prozent, wie ecomento.de meldet.
Im Privatmarkt erreichten E-Autos laut Dataforce fast 39 Prozent Marktanteil. Volkswagen bleibt mit 17,9 Prozent Marktführer unter den Herstellern, musste aber 7,6 Prozent abgeben. Der Druck auf VW und BMW wächst, wie aktuelle Zahlen aus China zeigen. Davon profitierten chinesische Marken: BYD steigerte sich laut HUK-Daten von 0,8 auf 3,3 Prozent, Leapmotor von 1,8 auf 3,4 Prozent.
Antriebsarten bei Pkw-Neuzulassungen im Juli 2026
Quelle: KBA, Juli 2026
Streit um Prämie: Gebrauchte gehen leer aus
Während gebrauchte E-Autos boomen, beschränkt der Staat die seit Januar 2026 geltende E-Auto-Prämie auf Neufahrzeuge. Bis zu 6.000 Euro gibt es für Käufer mit einem zu versteuernden Einkommen bis 80.000 Euro, bei Plug-in-Hybriden bis 4.500 Euro. Bis Anfang August gingen laut BAFA 104.000 Anträge ein, wie ad-hoc-news.de meldet.
HUK-Coburg-Vorstand Jörg Rheinländer fordert, die Prämie auch auf gebrauchte E-Autos auszuweiten. Elektrische Gebrauchtwagen könnten ‚zum Gamechanger werden‘, sagte er. Denn bei gebrauchten Stromern dominieren deutsche Marken: Jedes sechste gebrauchte E-Auto ist ein VW (17,1 Prozent), Audi, Škoda und Cupra legten zu.
„Der Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland hat eine neue Dimension erreicht, auch angetrieben durch stark gestiegene Spritpreise. Elektrische Gebrauchtwagen können dabei offenbar zum Gamechanger werden.“
Die Forderung dürfte auf Widerstand stoßen: Bei Neuwagen verlieren deutsche Marken Anteile an Tesla und chinesische Importmarken, während sie bei Gebrauchten profitieren. Eine Ausweitung der Prämie würde den Wettbewerb weiter verschieben – und den Bundeshaushalt belasten.