Putins Wegwerfagenten planten Nowitschok-Anschlag auf deutschen Waffenhersteller
Stefan Thumann, Gründer des Waffenherstellers Donaustahl, lebt nach einer Warnung deutscher Sicherheitsbehörden im Untergrund. Zwei mutmaßliche Wegwerfagenten des russischen Militärgeheimdienstes wurden festgenommen – sie sollen einen Anschlag mit Nowitschok vorbereitet haben.
Ein deutscher Waffenhersteller lebt nach einer Warnung des Verfassungsschutzes faktisch im Untergrund. Stefan Thumann, Gründer des bayerischen Unternehmens Donaustahl, sagte in einem Exklusivinterview mit RTL und dem Magazin Stern: „Ich liefere mir mit dem russischen Militärgeheimdienst ein Duell um mein Leben.“ Wie n-tv berichtet, trafen Reporter den 39-Jährigen an einem geheimen Ort unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen.
Kurz vor Weihnachten 2025 erhielt Thumann einen Anruf deutscher Sicherheitsbehörden: Der russische Geheimdienst plane offenbar, ihn umzubringen. „Ich war geschockt“, sagte er. Seither lebt er mit ständig wechselnden Aufenthaltsorten und Personenschutz rund um die Uhr. „Das Privatleben ist aufgelöst.“
Die Warnung im Dezember 2025
Der Anruf im Dezember 2025 veränderte alles. Thumann machte sein Testament, eine Organspendeerklärung und eine Patientenverfügung – „Dinge, die man eigentlich in meinem Alter noch nicht so auf dem Schirm hat.“ Der 39-Jährige sieht sich selbst als Zielscheibe: „Ich bin zu einer der größten Gefahren für das Putinregime in Europa geworden.“
„Ich bin zu einer der größten Gefahren für das Putinregime in Europa geworden.“
Stefan Thumann, Gründer von Donaustahl
Wegwerfagenten und Nowitschok
Der Generalbundesanwalt ließ im März 2026 zwei sogenannte Wegwerfagenten festnehmen. Sie hätten Thumann ausgespäht, mutmaßlich zur „Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Operationen gegen die Zielperson“. Der Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst sagte t-online, die Pläne seien weit fortgeschritten gewesen: „Die Informationen, die uns vorliegen, zeigen klar, dass es mit Novichok passieren sollte.“
Novichok ist ein Nervengift, von dem bereits wenige Milligramm tödlich sind. Ein kurzer Hautkontakt reiche aus, so Ernst. Für ihn ist die Methode ein eindeutiges Zeichen: „Niemand sonst macht das. Es ist nachvollziehbar, wer es war, ohne dass man es wirklich beweisen kann.“
Chronologie des Falls
2024 (ILA Berlin)
Geschäft mit Kampfdrohnen für die Ukraine angebahnt
Thumann bahnt auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin das Geschäft an.
Dezember 2025
Warnung vor russischer Geheimdienstoperation
Deutsche Sicherheitsbehörden warnen Thumann vor einem Mordkomplott.
März 2026
Zwei Wegwerfagenten festgenommen
Der Generalbundesanwalt lässt zwei mutmaßliche Späher festnehmen.
18. August 2026
Erstes Interview zum Mordkomplott
Thumann äußert sich öffentlich; Medien berichten über seine Aussagen.
19. August 2026, 18.45 Uhr
Doku auf RTL+
„Putins Wegwerfagenten – Die billigen Vollstrecker“ ist abrufbar.
Kampfdrohnen für die Ukraine
Donaustahl liefert dem ukrainischen Militär Kampfdrohnen für den Krieg gegen Russland. Das Geschäft bahnte Thumann nach eigenen Angaben auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) 2024 in Berlin an. „Mir war klar, dass ich ins Visier der Russen gerate“, sagte er.
Den Krieg in der Ukraine bezeichnet er inzwischen als seinen „ganz persönlichen Krieg“. Um nicht zu viel über seine Lage nachzudenken, schlafe er neben seinem Computer und beginne direkt nach dem Aufwachen zu arbeiten.
Hybrider Krieg gegen Deutschland
Die deutschen Sicherheitsbehörden sehen in Thumanns Fall ein krasses Beispiel für die Eskalation eines hybriden russischen Krieges. Jürgen Kayser, Verfassungsschutzchef von Nordrhein-Westfalen, verglich die russischen Geheimdienstattacken mit den „Hochzeiten des Kalten Krieges“. Russland schüchtere gezielt Chefs deutscher Rüstungsunternehmen ein.
Als „Wegwerfagenten“ bezeichnet Kayser Amateure oder Kleinkriminelle, die einfache Aufträge bekommen. Sie spähten etwa Rüstungsunternehmen aus, fotografierten Bundeswehrstandorte mit Drohnen oder filmten Logistikstrecken der Bahn. Mit Blick auf die Fähigkeit deutscher Behörden, solche Angriffe früh zu erkennen, forderte Kayser: „Wir können und müssen noch besser werden.“
Als weiteres Beispiel verwies Kayser auf einen vereitelten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig vor etwa zwei Wochen. Auch Rheinmetall-Chef Armin Papperger soll im vergangenen Jahr Ziel eines geplanten Anschlags gewesen sein; laut CNN hatten US-Geheimdienste deutsche Behörden gewarnt.
„Es geht darum, Unternehmen und verantwortliche Personen durch eine Bedrohungskulisse davon abzubringen, zum Beispiel die Ukraine mit Waffentechnologie zu unterstützen.“
Jürgen Kayser, Verfassungsschutzchef Nordrhein-Westfalen
Dokumentation auf RTL+
Die gesamte Dokumentation „Putins Wegwerfagenten – Die billigen Vollstrecker“ für das Format „stern Investigativ“ ist ab Mittwoch, 19. August 2026, ab 18.45 Uhr auf RTL+ abrufbar. Für Thumann bleibt der Alltag ein Leben im Untergrund.