Ye spielt erstmals in Russland – Duma-Abgeordneter verlangt Kriegs-Bekenntnis
Bild: KI-generiert
Konzert-Debatte

Ye spielt erstmals in Russland – Duma-Abgeordneter verlangt Kriegs-Bekenntnis

Der Rapper Ye (Kanye West) will im Oktober erstmals in Russland auftreten. Doch ein Duma-Abgeordneter fordert ein klares Bekenntnis zum Krieg gegen die Ukraine – sonst sollen die Konzerte abgesagt werden.

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Der US-Rapper Ye, bis 2021 als Kanye West bekannt, will im Oktober erstmals in Russland auftreten – und löst damit einen politischen Streit aus. Ein Abgeordneter der Staatsduma fordert, dass der Musiker vorher den Krieg gegen die Ukraine unterstützt. Andernfalls müsse man die Konzerte absagen.

Die Shows sind für den 10. und 11. Oktober 2026 in der Gazprom-Arena in St. Petersburg geplant. Veranstalter ist die russische Agentur Say Agency, die bereits Lil Pump, Flo Rida und Jason Derulo nach Russland geholt hat. Die Termine stehen wie Meduza berichtet auf der offiziellen Tour-Website.

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Die Ticketpreise reichten von 9.000 Rubel (rund 105 US-Dollar) für die hintersten Plätze bis 160.000 Rubel (rund 1.880 US-Dollar) für VIP-Logen. Die günstigsten Karten waren nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur TASS binnen etwa einer Stunde ausverkauft; auch die teuren VIP-Tickets gingen schnell weg.

Politischer Streit in der Duma

In der Staatsduma gehen die Meinungen auseinander. Der Abgeordnete Nikolai Novichkov von der Partei Gerechtes Russland verlangt von Ye ein klares Bekenntnis: „Wenn sie Geld verdienen wollen, müssen sie verstehen, dass sich das Land mitten in der militärischen Spezialoperation befindet und moralische Unterstützung von Kulturschaffenden braucht.“ Andernfalls werde er sich für eine Absage einsetzen.

Auch andere Stimmen melden sich kritisch. Der konservative Abgeordnete Vitaly Milonov schlägt vor, Ye solle russische Chansons singen – das würde aus ihm „einen normalen Menschen“ machen. Der Serien-Anzeigeerstatter Vitaly Borodin kündigte eine Beschwerde an, um den Ticketverkauf zu stoppen. Die ultranationalistische Bewegung Sorok Sorokow will Wests Songs auf verbotene Inhalte prüfen.

Jelena Drapeko, erste stellvertretende Vorsitzende des Kulturausschusses, lobt das Kommen dagegen als „Durchbruch der Blockade“. Sie zeigt sich dem Musiker „vor dem Hintergrund einer allgemeinen antirussischen Hysterie“ im Westen dankbar.

vor dem Hintergrund einer allgemeinen antirussischen Hysterie
Jelena Drapeko, erste stellvertretende Vorsitzende des Kulturausschusses

Vorgeschichte: Antisemitismus und Absagen

Ye fiel seit 2022 wiederholt mit antisemitischen und rassistischen Aussagen auf. Er bezeichnete sich selbst als "Nazi", äußerte Bewunderung für Adolf Hitler, verkaufte T-Shirts mit Hakenkreuz-Aufdruck und veröffentlichte im Mai 2025 den Song "Heil Hitler" – wie die BBC berichtet.

Im Januar 2026 entschuldigte sich West in einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal: „Ich bin kein Nazi und kein Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen.“ Die Entschuldigung änderte wenig: Im April 2026 wurde ihm die Einreise nach Großbritannien verweigert, Konzerte in Frankreich, Polen und der Schweiz wurden abgesagt oder verhindert.

Chronologie der Kontroversen und Absagen

  1. 2022
    Antisemitische Äußerungen

    Ye lobt Adolf Hitler und fällt mit antisemitischen Aussagen auf.

  2. Juni 2024
    Moskau-Besuch

    Privater Besuch zur Geburtstagsfeier von Designer Goscha Rubtschinski; Gerüchte über Luschniki-Konzert bestätigen sich nicht.

  3. Mai 2025
    Song „Heil Hitler“

    Ye veröffentlicht den Song „Heil Hitler“ und verkauft T-Shirts mit Hakenkreuz-Aufdruck.

  4. Januar 2026
    Entschuldigung im Wall Street Journal

    Ye entschuldigt sich: „Ich bin kein Nazi und kein Antisemit.“

  5. April 2026
    UK-Einreiseverbot

    Großbritannien verweigert Ye die Einreise; das Wireless Festival wird abgesagt.

  6. 17. August 2026
    Ankündigung St. Petersburg

    Say Agency kündigt zwei Konzerte in der Gazprom-Arena an; Ticketverkauf startet.

  7. 10.–11. Oktober 2026
    Geplante Konzerte

    Ye soll in St. Petersburg auftreten; mögliches Treffen mit Wladimir Putin.

Ein Propaganda-Coup für den Kreml?

Die Organisatoren von Say Agency teilten mit, Ye „träume“ von einem Treffen mit Wladimir Putin. Die Duma-Abgeordnete Swetlana Schurowa sagte, ein Treffen sei möglich, wenn es in den Terminkalender des Präsidenten passe.

Für den Kreml könnte der Auftritt ein Propaganda-Coup sein: Er soll zeigen, dass Russland trotz Sanktionen und Boykottaufrufen weiter mit der westlichen Welt verbunden ist. Zugleich kollidiert der Auftritt eines Künstlers, der sich selbst als Nazi bezeichnete, mit der Kreml-Propaganda, wonach der Krieg der „Entnazifizierung“ dient.

Ob die Konzerte tatsächlich stattfinden, ist offen. Novichkov will Kulturministerium und Generalstaatsanwaltschaft einschalten, um die Shows zu stoppen. Der Ticketverkauf läuft derweil weiter – am Dienstag waren noch Karten für 21.000 bis 50.000 Rubel zu haben.

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