Charly Hübner und Lina Beckmann feiern Comeback im Kino
Bild: KI-generiert
DDR-Drama

Charly Hübner und Lina Beckmann feiern Comeback im Kino

Charly Hübner und Lina Beckmann stehen erstmals seit 2017 wieder gemeinsam vor der Kamera. Ihr Film „Spaziergang nach Syrakus“ erzählt die wahre Geschichte eines DDR-Bürgers, der 1988 ausreiste, um zu reisen – und zurückkehrte.

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Charly Hübner (53) und Lina Beckmann (45) stehen erstmals seit 2017 wieder gemeinsam vor der Kamera. Am 20. August 2026 startet ihr Film „Spaziergang nach Syrakus“ in den deutschen Kinos – ein Drama über einen DDR-Bürger, der das Land verlässt, um zu reisen und zurückzukehren.

Hübner spielt den Kellner Paul Gompitz, der von Sizilien träumt. Weil die DDR ihm die Reise verweigert, plant er seine Flucht – doch er will gar nicht im Westen bleiben. „Paul will eigentlich nicht fliehen, sondern reisen oder zumindest die Möglichkeit dazu haben“, sagt Hübner. „Das ist ein entscheidender Unterschied. Trotzdem wird er immer wieder wie ein Flüchtling behandelt.“

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Die wahre Geschichte hinter dem Film

Der Film basiert auf Friedrich Christian Delius‘ Erzählung „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ (1995). Sie greift die wahre Geschichte von Klaus Müller auf: Der 1941 in Dresden geborene Schlosser und Kellner segelte 1988 mit einer Jolle von Hiddensee nach Dänemark, reiste auf den Spuren Johann Gottfried Seumes nach Syrakus – und kehrte anschließend wie geplant in die DDR zurück.

Müller betonte stets, kein Flüchtling, sondern ein Reisender zu sein. 2014 erschien seine Autobiografie „Gehen, um zu bleiben: aus der DDR nach Italien – und zurück“. Auch im Film ist Paul Gompitz ein Bücherwurm und Romantiker, der Anfang der 1980er Jahre von Sizilien träumt.

Die Vorgeschichte des Films

  1. 1801/1802
    Seumes Fußreise

    Johann Gottfried Seume wandert von Sachsen bis nach Syrakus – das literarische Vorbild.

  2. Juni 1988
    Klaus Müllers Segeltörn

    Müller segelt von Hiddensee nach Dänemark und reist weiter nach Syrakus; er kehrt in die DDR zurück.

  3. 1995
    Delius‘ Erzählung

    Friedrich Christian Delius veröffentlicht „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“.

  4. 2014
    Autobiografie

    Klaus Müllers Buch „Gehen, um zu bleiben“ erscheint.

  5. 2017
    Arbeitspause

    Charly Hübner und Lina Beckmann beschließen bewusst eine Pause von der gemeinsamen Arbeit.

  6. 20.08.2026
    Kinostart

    „Spaziergang nach Syrakus“ kommt in die deutschen Kinos.

Comeback nach sieben Jahren Pause

Für Charly Hübner und Lina Beckmann ist der Film ein besonderes Comeback. Kennengelernt haben sie sich am Schauspielhaus Köln, in den ersten Jahren machten sie fast jedes Jahr ein gemeinsames Projekt. 2017 legten sie bewusst eine Pause ein.

Jetzt freut sich Hübner über die Rückkehr: „Wir lieben es, miteinander zu arbeiten“, sagt er im Interview mit gala.de. Über Beckmanns Leistung schwärmt er: „Lina schafft es, aus dem Nichts eine Wärme in eine Szene zu bringen, die für mich fast etwas Metaphysisches hat.“

Lina schafft es, aus dem Nichts eine Wärme in eine Szene zu bringen, die für mich fast etwas Metaphysisches hat.
Charly Hübner, Schauspieler & Co-Produzent

Hübners persönliche Verbindung zum Stoff

Hübner, 1972 in Neustrelitz geboren, kennt Typen wie Gompitz aus eigener Anschauung. „Wir haben die Renegaten genannt: Menschen, die gegen das System waren, aber auf keinen Fall die DDR verlassen wollten“, sagt er dem NDR. Er war 17, als die Mauer fiel, und entdeckte Italien und die Welt danach selbst.

Syrakus hat es dem Schauspieler angetan – weniger wegen des UNESCO-Welterbes als wegen der „Aura“, der Mischung aus restaurierten Palazzi und halb verfallenen Häusern.

Regisseur Lars Jessen, bekannt für norddeutsche Komödien wie „Dorfpunks“, will ein differenziertes Bild der DDR zeichnen. „Dass man auch in der DDR gut leben konnte, dass man dort eine Heimat hatte und eine Zugehörigkeit … Das sind alles Dinge, die nichts mit Unrechtsstaat oder Diktatur zu tun haben, sondern Lebensrealitäten von Menschen waren“, sagt er.

Geteilte Kritiken – und eine offene Frage

Die Rezensionen fallen gemischt aus. Während der NDR den Film als „Kino-Glücksfall“ lobt und BR24 eine „herrliche Tragikomödie“ sieht, kritisiert der Tagesspiegel eine „ziemlich weichgespülte“ Umsetzung. radio3 spricht gar von einer „verschenkten Gelegenheit“.

Inhaltlich weicht der Film in einer melancholischen Pointe vom Buch ab: Paul kehrt nicht 1988, sondern erst im Herbst 1989 zurück – als die Mauer fällt und seine Frau Anne bereits in den Westen gegangen ist. „Wer abhaut, der muss auch irgendwo ankommen“, sagt im Film Pauls Segellehrer Günter.

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