264 Kilo Kokain auf Segeljacht – Ehemann will aussagen
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Drogenprozess

264 Kilo Kokain auf Segeljacht – Ehemann will aussagen

Die Anklage spricht von einer Vierteltonne Kokain, die Frau von einer Hochzeitsreise: Am Landgericht Rostock will der 59-jährige Angeklagte am Freitag ein Geständnis ablegen.

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264 Kilogramm Kokain, versteckt auf einer 14-Meter-Segeljacht – die Staatsanwaltschaft spricht vom größten Drogenfund mit Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern. Die angeklagte 67-Jährige nennt die monatelange Atlantikfahrt dagegen eine nachgeholte Hochzeitsreise. Am 19. August 2026, dem zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock, sagten zwei Zollbeamte aus; der 59-jährige Ehemann kündigte für Freitag ein Geständnis an.

Der Prozess gegen das Ehepaar aus dem Landkreis Rostock läuft seit dem 12. August unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Die Anklage wirft beiden Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie Verabredung zum Verbrechen vor. Beiden drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Bar bezahlte Jacht, Drogen im Wert von 15 bis 20 Millionen Euro

Laut Anklage kaufte das Paar im Juli 2024 in Greifswald eine gebrauchte 14-Meter-Jacht für rund 200.000 Euro. „Das wurde bar bezahlt“, sagte Staatsanwalt Olrik Popiolik im Prozess. Das Boot wurde auf den Namen „Target“ getauft und auf die Frau zugelassen. Im Sommer 2024 starteten beide in Rostock und segelten über England, Spanien und Portugal Richtung Südamerika.

Im März 2025 ankerte die Jacht in Cartagena, Kolumbien. Dort – beziehungsweise vor Jamaika – soll die Vierteltonne Kokain an Bord genommen worden sein. Wegen Stürmen in der Karibik sei die Übergabe zu gefährlich gewesen. Nach einem Zwischenflug nach Deutschland kehrte das Paar im Sommer 2025 zurück und trat die Rückfahrt an.

Im August 2025 stoppten portugiesische Ermittler die Jacht nahe der Azoren in internationalen Gewässern. Sie fanden das Kokain wasserdicht verpackt in vielen kleinen Behältnissen im Boot. Den Verkaufswert schätzt die Staatsanwaltschaft auf 15 bis 20 Millionen Euro; der NDR spricht von fast 16 Millionen Euro. Die Drogen sind weiterhin in Portugal und sollen ebenso wie die Jacht eingezogen werden.

Sie hatten mehr als 260 Kilogramm Kokain an Bord
Olrik Popiolik, Staatsanwalt

Beinahe-Untergang bei den Bahamas – die Küstenwache half

Auf der Rückfahrt lief die Jacht bei den Bahamas auf ein Riff und saß mehrere Tage fest. Ausgerechnet die US-Küstenwache wurde auf die Havarie aufmerksam. Ein Beamter kam per Seil an Bord – unter Deck lagen die Kokainpakete versteckt.

Der Angeklagte schilderte die Havarie nach Angaben eines Zollfahnders „bildhaft und überzeugend“. Eine LKA-Beamtin ergänzte, der Coast-Guard-Mann sei „nur an Bord, aber nicht unter Deck“ gewesen. Tags darauf wurde die Jacht freigeschleppt, wie der Nordkurier am 19. August berichtet.

Die beiden Zollbeamten äußerten vor Gericht Zweifel an der Darstellung der Angeklagten. Nach Informationen des Nordkurier waren die beiden bereits zuvor wegen Drogendelikten bekannt.

Die Route der Kokain-Jacht

  1. Juli 2024
    Kauf der Jacht

    In Greifswald kauft das Paar eine 14-Meter-Jacht für rund 200.000 Euro – bar bezahlt.

  2. Sommer 2024
    Start in Rostock

    Die Route führt über England, Spanien und Portugal über den Atlantik Richtung Südamerika.

  3. März 2025
    Anker vor Cartagena

    In Kolumbien wird die Vierteltonne Kokain an Bord genommen.

  4. August 2025
    Festnahme vor den Azoren

    Portugiesische Ermittler stoppen die Jacht und finden 264 Kilogramm Kokain.

  5. 12. August 2026
    Prozessauftakt

    Vor dem Landgericht Rostock wird die Anklage verlesen.

  6. 19. August 2026
    Zweiter Verhandlungstag

    Zollbeamte sagen zu Geständnis und Havarie aus.

  7. 21. August 2026
    Geplantes Geständnis

    Der 59-Jährige will aussagen und alle Fragen beantworten.

Hochzeitsreise oder abgestimmte Version?

Auf dem rund vierstündigen Rückflug von Lissabon nach Hamburg soll der 59-Jährige gegenüber dem begleitenden Zollfahnder von sich aus gestanden haben, dass er von dem Kokain wusste. Die Übergabe an weitere Händler hätte in der Nordsee stattfinden sollen. Seine Frau habe angeblich nichts gewusst; sie sei nur mitgesegelt, weil sie Angst gehabt habe, er könne sich in Kolumbien eine andere Frau suchen.

Die 67-Jährige dagegen erklärte der begleitenden Polizistin, sie habe nichts vom Kokain gewusst und die Fahrt für eine nachgeholte Hochzeitsreise gehalten. Sie schilderte die Beziehung als „harmonisch und liebevoll“. Für beide ist es die zweite Ehe.

Die Zollbeamten halten die Angaben für unglaubwürdig. Seit der Festnahme in Portugal konnte sich das Paar einmal pro Woche im Gefängnis sehen. Ob dabei eine gemeinsame Aussage abgestimmt wurde, soll im Prozess geprüft werden.

Sicherheitsvorkehrungen und möglicher Strafrahmen

Die Angeklagten gelten als hochgefährdet, weil sie ihren Auftraggebern vermutlich Geld schuldig geblieben sind. Der 59-Jährige trägt im Gerichtssaal eine schusssichere Weste, Handschellen und beim Auftakt auch Fußfesseln. Vier maskierte, bewaffnete Spezialpolizisten sichern den Saal.

Richter Tilman Finke gab zudem bekannt, dass das Paar möglicherweise nur wegen Besitz von Drogen und Beihilfe zum Betäubungsmittelhandel bestraft werden könnte – statt wegen Handeltreibens in großem Stil. Das würde eine deutlich geringere Strafe bedeuten.

Für Freitag, den 21. August, hat der 59-Jährige angekündigt, selbst ein Geständnis ablegen und „alle Fragen“ beantworten zu wollen. Dann soll auch ein Vernehmungsvideo gezeigt werden. Der Prozess ist bis Mitte Oktober terminiert.

Ob das Gericht der Version der Frau folgt, bleibt offen – ebenso, wer die Auftraggeber sind.