Anpalagan kontert Medienkritik an Podcaster Ben Berndt mit Neid-Vorwurf
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Medienstreit

Anpalagan kontert Medienkritik an Podcaster Ben Berndt mit Neid-Vorwurf

In seiner neuen stern-Kolumne verteidigt Stephan Anpalagan den Podcaster Ben Berndt und attackiert ARD und ZDF. Die klassischen Medien hätten dem Erfolg von „ungeskriptet“ nichts entgegenzusetzen, so der Kolumnist.

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Im Streit um lange, ungeschnittene Podcast-Interviews mit AfD-Politikern stellt sich der stern-Kolumnist Stephan Anpalagan hinter den Podcaster Ben Berndt – und greift stattdessen die etablierten Medien an. In seiner Kolumne „Das Wort des Herrn“ dreht er die Kritik um.

Unter der Überschrift „Ben Berndt macht es falsch? Dann macht es doch besser!“ schreibt Anpalagan, die Aufregung um Formate wie „ungeskriptet“ greife zu kurz. Nicht nur Kuschel-Fragesteller scheiterten an rechtsextremen Gästen, sondern auch die klassischen Medien. Sein Urteil fällt hart aus.

Es ist mehr als nachvollziehbar, dass die klassischen Medien dem Erfolg von Benjamin Berndt und seinen Konsorten kaum etwas entgegenzusetzen haben. Die alljährlichen Sommerinterviews in ARD und ZDF lassen mich gelangweilt und ratlos zurück.
Stephan Anpalagan, stern-Kolumnist und Diplom-Theologe

Vom Höcke-Interview zum Aufruhr

Berndts Podcast „ungeskriptet“ veröffentlichte im April 2026 ein viereinhalbstündiges Interview mit dem thüringischen AfD-Chef Björn Höcke. Innerhalb der ersten vier Tage wurde die Folge rund drei Millionen Mal aufgerufen, bis Ende Mai über sechs Millionen Mal. Der Spiegel kritisierte, Höcke habe seine radikalen Ansichten ohne kritische Nachfragen verbreiten können.

Die Landesanstalt für Medien NRW forderte Berndts Firma im Juni 2026 auf, eine Passage des Höcke-Interviews zu überarbeiten. Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo äußerte öffentlich Zweifel an der Strategie, AfD-Politikern grundsätzlich keine längeren Interviews einzuräumen. Die Spiegel-Journalistin Melanie Amann konfrontierte Berndt in ihrem Podcast „Amann unframed“ mit der Kritik an fehlender Einordnung.

Der Streit um Berndts Podcast

  1. April 2026
    Berndt veröffentlicht Höcke-Interview

    Das viereinhalbstündige Gespräch bei „ungeskriptet“ erreicht über sechs Millionen Aufrufe.

  2. Mai 2026
    Medienkritik wird laut

    Zeit-Chefredakteur di Lorenzo und Spiegel-Journalistin Amann äußern sich; Amann konfrontiert Berndt direkt.

  3. Juni 2026
    Medienanstalt fordert Änderung

    Die Landesanstalt für Medien NRW verlangt eine Überarbeitung einer Passage des Interviews.

  4. 20. August 2026
    Anpalagans Kolumne erscheint

    Der stern-Kolumnist verteidigt Berndt und attackiert ARD und ZDF.

Anpalagan: Hauptstadtjournalisten schauen herab

In seiner Kolumne geht es Anpalagan nach eigener Aussage nicht nur um Berndt. Auf X schrieb er, die Debatte handele vom Versagen klassischer Medien im Umgang mit der AfD. Seine schärfste Spitze zielt auf die Hauptstadtpresse.

Ich habe eine Kolumne über Ben Berndt und seine Gespräche mit AfD-Politikern geschrieben. Vor allem aber darüber, was er besser macht als klassische Medien und warum Hauptstadtjournalisten in einer Mischung aus Neid und Konkurrenzdruck auf sein Format herabschauen.
Stephan Anpalagan auf X, 20.08.2026

Anpalagan ist Diplom-Theologe, ehemaliger Personalmanager und Kolumnist beim stern sowie bei der Zeit; er sitzt in der Grimme-Online-Award-Jury. Dass er nun ausgerechnet die eigene Branche attackiert, macht die Zuspitzung bemerkenswert. Berndt selbst versteht seinen Podcast ausdrücklich nicht als journalistisches Format.

Der Podcaster zweifelt, ob ein Journalist, der nach einem Höcke-Interview eigene Irrtümer einräumt, seinen Job behielte. In einem Interview sagte er: „Ein Journalist sollte auf der Suche nach Wahrheit sein und bereit sein, eigene Vorprägungen über Bord zu werfen, wenn neues Wissen dazukommt.“

Was der Streit über die Interviewkultur verrät

Anpalagans Kolumne verschärft eine Debatte, die seit dem Höcke-Interview schwelt. Kritiker wie der Merkur-Autor Sebastian Brass warnen vor einer „medialen Infrastruktur der Unmittelbarkeit“, die Ressentiments Vorschub leiste. Anpalagan hält dagegen: Die klassischen Medien hätten ihre Deutungshoheit nicht durch bessere Formate verteidigt.

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Ob ARD und ZDF auf die Schelte reagieren und ihre Interview-Formate verändern, ist offen. Ebenso offen ist, ob Berndts Modell der ungeschnittenen Langform sich weiter durchsetzt – oder ob die etablierten Medien doch noch ein Gegenformat finden. Anpalagans Kolumne hat den Konflikt jedenfalls neu sortiert: Nicht Berndt steht nun im Zentrum der Kritik, sondern diejenigen, die sich für die besseren Journalisten halten.