Annette Frier attackiert Öffentlich-Rechtliche – Sender kommen an ihre Grenzen
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TV-Kritik

Annette Frier attackiert Öffentlich-Rechtliche – Sender kommen an ihre Grenzen

Die Schauspielerin Annette Frier kritisiert ARD und ZDF scharf: Die Sender kämen an ihre Grenzen. Sie fordert von Künstlern mehr Eigeninitiative – und verteidigt zugleich den Rundfunkbeitrag.

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Annette Frier rechnet mit den Öffentlich-Rechtlichen ab – und nimmt zugleich ihre eigene Branche in die Pflicht. Im Interview mit t-online sagt die 52-Jährige, ARD und ZDF stießen an ihre Grenzen.

Anlass ist der vierte Film der ZDF-Reihe „Merz gegen Merz“ mit dem Titel „Entscheidungen“, der am Donnerstagabend um 20.15 Uhr läuft. Darin verschwindet der demente Vater von Friers Serienfigur Anne Merz aus dem Pflegeheim – die Patchworkfamilie begibt sich auf die Suche.

Die öffentlich-rechtlichen Sender kommen allerorten auch an ihre Grenzen.
Annette Frier, Schauspielerin

Frier will die Verantwortung nicht allein bei den Sendern lassen. Sie fordert von Künstlern und Kulturschaffenden mehr Ideenreichtum und Eigeninitiative – man könne nicht sämtliche Themen auf die Öffentlich-Rechtlichen abschieben.

Friers Kritik reiht sich ein in eine Debatte, die auch andere Prominente verschärft führen. Claudia Michelsen attackierte zuletzt den Sparkurs des MDR. Frier sagt aber auch: Man müsse das alles selbst gestalten, gemeinsam als Gemeinschaft.

Kultur als Investition

Beim Thema Rundfunkbeitrag wird Frier grundsätzlich. Sie verteidigt den gesellschaftlichen Stellenwert von Kultur – gerade in Krisenzeiten.

Kultur für die Gesellschaft ist vergleichbar mit Bildung für Jugendliche: Sie kostet, aber wir sollten uns das leisten.
Annette Frier, Schauspielerin

Würde das gesparte Geld in die Bildung fließen, wäre sie gesprächsbereit. Stattdessen werde vor allem in Aufrüstung und Sicherheit investiert – in einer Welt, in der es so etwas wie Sicherheit nicht gebe. Eine Ausnahme macht Frier bei der Politik: Sie solle sich kümmern, das sei ihre Aufgabe per Definition.

Komödien hülfen, Luft zu holen und lachen zu können, auch wenn es eng werde, sagt Frier. Sie verstehe sich gern als Komödien-Botschafterin.

Rollenangebote oft dürftig

Auch mit ihren eigenen Rollenangeboten ist Frier unzufrieden. In den vergangenen Jahren sei da zu wenig los gewesen, sagt sie. Ihr Format „Frier und Fünfzig – Am Ende meiner Tage“ sei ein kleiner Hilferuf gewesen, um auf Rollen für Frauen in ihrem Alter aufmerksam zu machen.

Lange habe sie geglaubt, Sender, Produktionsfirmen oder Theater würden ihr automatisch alle Entscheidungen abnehmen. Heute frage sie: Warum eigentlich? In welchem Vertrag steht das? Bekannt wurde Frier durch Formate wie „Hinter Gittern“, „Switch“ und „Danni Lowinski“.

Ich habe gar kein Interesse mehr daran, dass das jemand an meiner Statt erledigen soll.
Annette Frier, Schauspielerin

Mittlerweile sei einiges in Bewegung geraten. Frier sagt, sie sei wählerischer geworden und bleibe lieber zu Hause, als ein mittelmäßiges Drehbuch zu verfilmen. Sie nehme auch Projekte an, die Gegenwind erzeugen könnten – etwa eine Werbung statt drei netter langer Filme.

Demenz als Familienthema

Der Anlass des Interviews ist für Frier auch ein Herzensthema. Demenz betreffe statistisch gesehen monatlich mehr Menschen; sie kenne kaum noch Leute, die nicht damit zu tun hätten. Humor helfe, die Angst vor dem knallharten Thema zu verlieren.

Ihr Missverständnis mit dem Thema sei die Annahme gewesen, es gehe in erster Linie um die Patienten. Tatsächlich gehe es systemisch betrachtet immer mindestens um eine ganze Familie. Frier spielt Anne Merz seit 2019 an der Seite von Christoph Maria Herbst.

Ausblick: Preis in Ludwigshafen

Am Samstag erhält Annette Frier beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen den Preis für Schauspielkunst. Die Ehrung fällt in eine Zeit, in der sie die Branche zu einem neuen Selbstverständnis aufruft.

Friers TV-Kritik im Überblick

  1. 20.08.2026
    Interview und Filmpremiere

    t-online veröffentlicht das Interview; das ZDF strahlt „Merz gegen Merz – Entscheidungen“ aus.

  2. 21.08.2026
    Medien greifen Aussagen auf

    Focus, Bunte, TV Spielfilm und Berliner Kurier berichten über Friers Kritik.

  3. 22.08.2026
    Preis für Schauspielkunst

    Frier wird beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ausgezeichnet.