Ausländische Kinder beziehen fünfmal so oft Bürgergeld wie deutsche
Mehr als jedes dritte ausländische Kind bezieht Bürgergeld, bei deutschen Kindern ist es jedes 14. Die AfD spricht von Totalversagen, während Forschung die These der Einwanderung in Sozialsysteme zurückweist.
Im Dezember 2025 bezogen 36,8 Prozent aller minderjährigen Ausländer in Deutschland Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) – bei deutschen Kindern waren es nur 7,2 Prozent. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor, die am 27. Juli als Bundestagsdrucksache 21/7372 veröffentlicht wurde. AfD-Sozialpolitiker René Springer spricht von einem 'Totalversagen'.
Insgesamt waren rund 1,64 Millionen minderjährige unverheiratete Kinder im SGB II leistungsberechtigt – davon etwa 856.000 mit deutscher und 782.000 mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Die Zahlungsansprüche summierten sich 2025 auf rund 5,88 Milliarden Euro.
Die höchste Bürgergeld-Quote für ausländische Kinder verzeichnete Schwerin mit 62,5 Prozent – der Wert, auf den sich der Titel eines Berichts der Jungen Freiheit bezieht: 'Vor allem im Osten wird Bürgergeld zum Ausländergeld'. Die niedrigste Quote für ausländische Kinder gab es in Ansbach mit 11,4 Prozent.
SGB II-Quote minderjähriger Kinder im Dezember 2025
Quelle: Bundesagentur für Arbeit / BT-Drs. 21/7372
Regionale Unterschiede und Langzeitbezug
In Gelsenkirchen lag die Gesamt-Quote für leistungsberechtigte Kinder bei 32,5 Prozent – der höchste Wert bundesweit. Für deutsche Kinder war die Quote dort mit 22,6 Prozent ebenfalls am höchsten. Die niedrigste Gesamt-Quote verzeichnete Ansbach mit 2,1 Prozent.
Rund 818.000 minderjährige deutsche Kinder befanden sich im Dezember 2025 im Regelleistungsbezug, davon 58,8 Prozent seit zwei Jahren oder länger. Bei ausländischen Kindern waren es 769.000, von denen 62,7 Prozent zwei Jahre und länger Leistungen erhielten. 21,6 Prozent aller minderjährigen Kinder in Bedarfsgemeinschaften lebten in Familien mit vier oder mehr Kindern – bei ausländischen Kindern lag dieser Anteil bei 27,8 Prozent.
Die höchsten Zahlungsansprüche entfielen auf Berlin mit rund 569 Millionen Euro, die niedrigsten auf Suhl mit rund 981.000 Euro.
AfD spricht von Totalversagen – Forschung widerspricht
René Springer, sozialpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, kommentierte die Zahlen mit dem Wort „Totalversagen“. Er sprach von Ausgaben in Milliardenhöhe für ausländische Kinder und Jugendliche.
„Anreize zur Einwanderung in die Sozialsysteme“
René Springer, sozialpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion
Die AfD sieht darin einen Beleg für eine Zuwanderung in die Sozialsysteme und fordert eine Migrationswende. In ihrer Kleinen Anfrage verwies die Fraktion darauf, dass sich die Zahl ausländischer Kinder im SGB II seit 2010 fast verdreifacht habe – von rund 304.000 auf 862.400 im Jahr 2024 –, während die jährlichen Bürgergeldausgaben für ausländische Kinder von 668 Millionen auf 3,58 Milliarden Euro gestiegen seien. Die Partei fordert unter anderem ein Bürgergeld nur noch für Deutsche.
Die These einer Einwanderung in Sozialsysteme ist jedoch umstritten. Wie die ZEIT berichtet, stellte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in einer Analyse fest, es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass Migration primär durch Sozialleistungen motiviert sei. Die These eines 'Sozialtourismus' sei nicht haltbar und beruhe auf rechtspopulistischen Narrativen. Zudem verweist ein Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) darauf, dass es im März 2026 rund 180.000 weniger ausländische Grundsicherungsbezieher gab als ein Jahr zuvor, während die Beschäftigung von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit stieg.
Methodische Fallstricke in der Statistik
Der Fachblog Aktuelle Sozialpolitik von Stefan Sell weist auf methodische Probleme hin. So kommt der Bremer Arbeitsmarktforscher Paul M. Schröder unter Einbeziehung weiterer Personengruppen auf rund 1,75 Millionen statt 1,64 Millionen Kinder und Jugendliche in der Grundsicherung. Zudem verliere die Unterscheidung nach reiner Staatsangehörigkeit an Aussagekraft, weil in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern häufig als 'deutsche' Kinder gezählt würden; beim Kriterium 'Migrationshintergrund' läge der Anteil deutlich höher.
Die Bundesregierung selbst hat lediglich die amtlichen Daten geliefert, ohne politische Bewertung. Der Konflikt dreht sich damit um die Deutung: Während die AfD die Zahlen als Beleg für eine verfehlte Migrationspolitik interpretiert, verweisen Fachleute auf sinkende absolute Zahlen und methodische Verzerrungen.
Was folgt aus der Debatte?
Offen ist, ob die Zahlen zu parlamentarischen Konsequenzen führen. Die AfD beharrt auf ihrer Forderung nach einer grundlegenden Wende in der Migrations- und Sozialpolitik. Die Bundesregierung hält an ihrer Linie fest.