Türkische Banden erpressen NRW-Restaurantketten-Gründer um fünf Millionen Euro
Junge türkische Banden erpressen in NRW immer mehr Unternehmer. Vom Gründer einer Restaurantkette forderten sie fünf Millionen Euro Schutzgeld – und schossen auf Filialen.
Fünf Millionen Euro Schutzgeld forderten junge Männer aus der türkischen Gen-Z-Mafia vom Gründer einer Restaurantkette in Nordrhein-Westfalen. Als der Unternehmer nicht sofort zahlte, schossen die Erpresser auf Filialen und verübten Sprengstoffanschläge. Wie Bild berichtet, greifen die Banden in NRW gezielt vermögende türkisch-kurdische Geschäftsleute an.
Insgesamt 18 Erpressungen wurden in NRW bislang angezeigt. Zu den Opfern zählen nach Informationen aus Ermittlerkreisen neben dem Restaurantketten-Gründer auch ein Supermarktbetreiber aus dem Rheinland, ein Fleischfabrikant und mehrere Juweliere. Die Namen hält die Redaktion zum Schutz der Betroffenen zurück.
Junge Banden mit Comic-Namen
Die Täter gehören zu Banden, die sich „Daltons“, „Ezgins“, „Caspers“ oder „Sirinler“ – türkisch für „Schlümpfe“ – nennen. In der Türkei werden sie als Gen-Z-Mafia bezeichnet. Sie sind jung, brutal und inszenieren ihre Taten in sozialen Medien. Allein in Istanbul sollen sie in den vergangenen fünf Jahren mehrere Dutzend Menschen ermordet haben, wie tagesschau und rbb Kontraste berichteten.
Ihr Geschäftsmodell: Sie fordern von Geschäftsleuten Schutzgeld, setzen sie unter Druck und schlagen bei Weigerung zu. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, schossen sie bereits auf Filialen oder verübten Sprengstoffanschläge. Die Erpresser stammen oft aus der Türkei und werden von dort aus gesteuert.
Polizei erfasst Taten seit Februar
Das Landeskriminalamt NRW reagiert auf die Eskalation. Seit Februar 2026 führt das LKA eine gesonderte Statistik zu Straftaten der türkischen Gen-Z-Mafia. Auf Anfrage teilte die Behörde mit: „Aufgrund der Dynamik und teils erheblichen Gewaltbereitschaft, vor allem gezielt gegen Gebäude oder Fahrzeuge, wird die Entwicklung in diesem Phänomenbereich durch die Polizei NRW intensiv beobachtet.“
Mehrere Erpressungsopfer stehen inzwischen unter Polizeischutz. Sie fürchten um ihr Leben und das ihrer Familien. Die Täter agieren laut Ermittlern nicht nur in NRW: Auch in Berlin schossen sie zuletzt auf Fahrschulen, Supermärkte und Lokale.
„Wir stellen hier eine Häufung von Straftaten gegen Ladenbesitzer aus dem türkisch-kurdischen Kulturkreis fest. Die werden unter Druck gesetzt, die werden eingeschüchtert, zum Teil werden Waffen eingesetzt.“
Felor Badenberg, Justizsenatorin Berlin (CDU)
Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) beschreibt damit eine Welle von Einschüchterung und Gewalt, die längst über die Hauptstadt hinausgeht.
Drahtzieher sitzen im Ausland
Die Drahtzieher der Banden sitzen nach Erkenntnissen der Polizei oft im Ausland. Die Netzwerke agieren international, rekrutieren über Landesgrenzen hinweg und geben Anweisungen aus der Ferne.
„Es wird agiert in verschiedenen europäischen Staaten, es wird auch aus dem nicht-europäischen Ausland heraus agiert und gesteuert und rekrutiert.“
Barbara Slowik Meisel, Polizeipräsidentin Berlin
Das Bundeskriminalamt sieht die Gruppen vor allem im Bereich der Bedrohung und Erpressung von Geschäftsleuten sowie im illegalen Waffenhandel tätig. In Berlin richtete die Polizei im November eine Sondereinheit „Ferrum“ ein; bei der Staatsanwaltschaft bündelt die Einheit „Telum“ inzwischen mehr als 200 Ermittlungsverfahren.
Schweigen aus Angst
Für die betroffenen Unternehmer in NRW bleibt die Lage gefährlich. Die Täter schrecken vor Schüssen und Sprengstoff nicht zurück, die Opfer schweigen aus Angst. Ob die Ermittler die Strukturen zerschlagen können, hängt davon ab, die Drahtzieher im Ausland zu fassen.