Selenskyj warnt vor 300.000 neuen Soldaten nach Duma-Wahl
Bild: KI-generiert
Mobilmachung

Selenskyj warnt vor 300.000 neuen Soldaten nach Duma-Wahl

Der ukrainische Präsident rechnet nach der russischen Parlamentswahl im September mit einer Massenmobilisierung von 300.000 Mann. Die Einberufungen sollen Moskau und Sankt Petersburg gezielt aussparen.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet unmittelbar nach der russischen Parlamentswahl im September mit einer neuen Welle der Mobilmachung. Rund 300.000 zusätzliche Soldaten werde der Kreml einziehen, sagte er am Sonntag in Kiew. Die Einberufungen sollen als „periphere Mobilisierung“ gezielt die Metropolen Moskau und Sankt Petersburg aussparen.

Wie die tagesschau berichtet, sollen die neuen Kräfte entweder den russischen Hauptstoß auf die Festungsgürtel-Städte in der Oblast Donezk verstärken oder neue Bedrohungen an der Nordgrenze bei Charkiw und Sumy aufbauen. Selenskyj hält das Freiwilligensystem des Kreml für erschöpft: Die lukrativen Vertragsprämien könnten die Verluste nicht mehr ausgleichen. Bereits Mitte August hatte er vor einer schleichenden Mobilmachung gewarnt.

Warum erst nach der Wahl?

Die letzte erzwungene Massenmobilisierung im Herbst 2022 löste einen Exodus Hunderttausender Russen aus. Seither setzt Moskau auf Freiwillige, Prämien und regionale Rekrutierungsquoten. Selenskyj zufolge reicht dieses System nicht mehr, um die Verluste auszugleichen. Die Duma-Wahl vom 18. bis 20. September sei deshalb der Punkt, an dem der Kreml die neue Einberufungswelle ankündigen könne.

Die neue Mobilisierung soll die großen Städte ausnehmen, um Proteste zu vermeiden. „Sie planen eine Art von 'peripherer Mobilisierung'… Nach unserem Verständnis wird sie nicht in den zentralen Städten stattfinden. Aber ich glaube nicht, dass sie es verbergen können“, zitiert der Kyiv Independent den ukrainischen Präsidenten.

Die Mobilmachungs-Warnung im Überblick

  1. Oktober 2022
    Letzte erzwungene Mobilisierung

    Russland zieht massenhaft Männer ein; Hunderttausende verlassen das Land.

  2. 22. August 2026
    Selenskyj warnt in Kiew

    Bei seiner Pressekonferenz spricht er von 300.000 zusätzlichen Soldaten nach der Duma-Wahl.

  3. 18.–20. September 2026
    Duma-Wahl

    Russland wählt ein neues Parlament – nach Selenskyjs Einschätzung der Anlass für die Einberufungswelle.

  4. 2027
    Weitere Hunderttausende

    Selenskyj erwartet zusätzliche Einberufungen, um den Rest der Region Donezk zu erobern.

Donezk: 80 Prozent unter russischer Kontrolle

Russland kontrolliert nach Angaben des Merkur mindestens 80 Prozent der Region Donezk. Die Ukraine verteidigt noch rund 20 Prozent inklusive des strategischen Industriegürtels um Slowjansk und Kramatorsk. Der Kreml habe seinen Generälen befohlen, die Besetzung Donezks bis zum Jahresende abzuschließen, sagte Selenskyj – er hält das für unmöglich.

Seit Jahresbeginn habe Russland 267.000 Soldaten verloren, davon rund 155.000 Tote. Über die erwarteten neuen Einheiten sagt Selenskyj in der Übersetzung des Kyiv Independent: „Sie werden dort alle 300.000 dieser frisch Mobilisierten verlieren; wir werden sie auslöschen.“

Patriot-Lieferungen halbieren sich

Für die Verteidigung brauche die Ukraine dringend Abfangraketen für die Patriot-Systeme. Die Lieferungen sanken von 675 Raketen im Jahr 2023 über 364 im Jahr 2025 auf erwartete 264 für 2026, wie die tagesschau berichtet. „Leider sehen Sie einen Abwärtstrend, und der hängt vor allem von der amerikanischen Seite ab“, sagte Selenskyj.

Würden die USA nur zehn Prozent ihrer Patriot-Bestände abgeben, wäre Kiew bereit zu zahlen. Russland baue derzeit jährlich rund 1.300 ballistische Raketen. Am Vortag habe die ukrainische Armee einen Iskander-Startplatz nahe der Grenze getroffen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte nach einem Telefonat die Lieferung von Abfangraketen zu; mit Deutschland sind laut New York Post rund 600 PAC-2/PAC-3-Abfangraketen bis 2028 vereinbart.

Patriot-Abfangraketen für die Ukraine

Gelieferte und erwartete Raketen pro Jahr

Quelle: Selenskyj, Pressekonferenz 23.08.2026

Finanzlücke und Streit mit Fedorow

Kiew erwartet von der EU 30 Milliarden Euro für Verteidigungsausgaben. Im Haushalt klaffe eine Lücke von 27 Milliarden Dollar; allein 20 Milliarden Dollar seien für Soldatengehälter, Entschädigungen und andere Ausgaben nötig. „Ein bedeutender Geldbetrag ist erforderlich. Ich arbeite in dieser Sache mit den Franzosen und Deutschen“, sagte Selenskyj.

Mychajlo Fedorow, der als Verteidigungsminister entlassene Politiker, fordert Neuwahlen und prangert Korruption im Ministerium an. Selenskyj widerspricht mit drastischen Worten:

Wahlen zum jetzigen Zeitpunkt wären wie ein Tsunami für den Staat, der die Ukraine spalten würde.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Fedorow kontert: „Die Demokratie darf nicht von Russland als Geisel gehalten werden.“ Er hatte seine Forderung in einem YouTube-Video erhoben.

Putin droht mit der „Büchse der Pandora“

Parallel drohte Kremlchef Wladimir Putin am Samstag als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf Ölraffinerien und Logistikzentren. Die Ukraine habe die „Büchse der Pandora“ geöffnet und selbst den „Geist aus der Flasche“ gelassen. „Die Gegenmaßnahmen werden nicht lange auf sich warten lassen“, wird Putin zitiert. Die Handlungen der russischen Armee würden noch deutlich spürbarer und zerstörerischer ausfallen.

Die Gegenmaßnahmen werden nicht lange auf sich warten lassen.
Wladimir Putin, Präsident Russlands

Nach den Parlamentswahlen im September könnte sich zeigen, ob Selenskyjs Warnung zutrifft. Für 2027 erwartet er weitere Hunderttausende Einberufungen – ein Gesamtziel von 500.000 zusätzlichen Soldaten, wie die New York Post berichtet.