Kein Westgeld für Jammerossis – Stern-Kolumne provoziert vor Ostwahlen
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Medienkritik

Kein Westgeld für Jammerossis – Stern-Kolumne provoziert vor Ostwahlen

Eine Stern-Kolumne von Martin Debes bringt die Ost-West-Debatte auf den Punkt: Die AfD steht in Sachsen-Anhalt vor einem historischen Sieg – und Debes fragt ironisch, ob die Mauer nicht doch eine gute Idee war. Eine Provokation, die den Blick auf westdeutsche Arroganz lenkt.

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Während die AfD in Sachsen-Anhalt einer Alleinregierung entgegensteuert, verschärft eine neue Stern-Kolumne die Gräben zwischen Ost und West. Autor Martin Debes fragt darin provokant, warum ausschließlich Ostdeutsche die AfD wählen – und ob die Mauer vielleicht gar keine so schlechte Idee war.

Die Kolumne „Die AfD vor dem Sieg: Kein Westgeld für Jammerossis!“ erschien am Sonntag, 23. August 2026, in der wöchentlichen Reihe „Ganz Naher Osten“ des stern. Debes, geboren 1971 in Jena und seit April 2024 Autor im Hauptstadtbüro des Magazins, beschreibt darin Politik in den östlichen Bundesländern mit einem ganz persönlichen Blick.

Debes' satirische Provokation

Der Teaser der Kolumne macht die Stoßrichtung deutlich: „Warum ausschließlich in Ostdeutschland die AfD gewählt wird, und weshalb das mit der Mauer eigentlich keine schlechte Idee war. Oder?“ Debes nimmt damit die westdeutsche Perspektive ein, die bei jeder Ost-Wahl routiniert fragt, was mit dem Osten los sei – und treibt sie bis zur Absurdität.

Warum ausschließlich in Ostdeutschland die AfD gewählt wird, und weshalb das mit der Mauer eigentlich keine schlechte Idee war. Oder?
Martin Debes, Stern-Kolumnist („Ganz Naher Osten“)

Der Begriff „Jammerossi“ geht auf CSU-Politiker Edmund Stoiber zurück, der damit 2005 den angeblich dauerklagenden Ostdeutschen abwertete. Er steht seither für die Herablassung westdeutscher Eliten gegenüber dem Osten – genau die Haltung, die Debes ironisch aufgreift.

AfD vor historischem Sieg in Sachsen-Anhalt

Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt. Laut Infratest dimap liegt die AfD bei 41 Prozent, die CDU von Bundeskanzler Friedrich Merz nur bei 24 Prozent. Auch in Mecklenburg-Vorpommern führt die AfD die Umfragen an, und bundesweit kommt sie im Politbarometer auf 27 Prozent – vor der Union mit 22 Prozent.

Umfrage Sachsen-Anhalt (Infratest dimap, August 2026)

Sonntagsfrage in Prozent

Quelle: Infratest dimap via Reuters

Die AfD steuert in Sachsen-Anhalt auf eine mögliche Alleinregierung zu – internationale Medien warnen bereits vor den Folgen. Zudem hat sich die AfD gegenüber 2018 fast verdoppelt: Merz' Halbierungsversprechen ist Geschichte.

Am selben Sonntag bekräftigte die AfD-Spitze ihren Siegesanspruch. Im ZDF-Sommerinterview sagte Alice Weidel: „Wir werden in Sachsen-Anhalt die Regierung stellen.“ Co-Chef Tino Chrupalla sprach in der ARD von einer „wirklich greifbaren“ Machtfrage. Weidel attackierte zudem die Bundesregierung scharf: „Ich will nicht mehr angelogen werden von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen.“

Der eigentliche Konflikt: West gegen Ost

Debes greift ein Ritual auf, das nach jeder Ost-Wahl wiederkehrt: Westdeutsche Medien und Politiker fragen, was mit dem Osten los sei. Die Zeit-Kommentatorin Christian Endt hatte wenige Tage zuvor unter dem Titel „Die AfD ist kein Ostproblem“ genau dieses Ritual kritisiert.

Eine im Juli 2026 veröffentlichte Studie der Universität des Saarlandes zeigt, dass nicht soziale Benachteiligung, sondern die Sorge vor Migration der stärkste Treiber der AfD-Wahl ist – rund 75 Prozent der erklärbaren AfD-Sympathie.

Wir werden in den ersten Bundesländern regieren, nicht nur in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Und wir werden auch im Bund regieren.
Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende

Der frühere sachsen-anhaltische Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) führte laut Merkur die herablassende Berichterstattung über „Ossis“ als Steilvorlage für die AfD an – genau jene Haltung, die Debes satirisch aufgreift. Damit wird die Kolumne Teil einer Debatte, die weit über die Wahl hinausreicht.

Was treibt AfD-Wähler im Osten an?

Die in „Plos One“ veröffentlichte Studie der Universität des Saarlandes untermauert: Die Sorge vor Migration ist der mit Abstand stärkste Erklärungsfaktor für die AfD-Sympathie – nicht wirtschaftliche Abstiegsängste. Diese Erkenntnis legt nahe, dass der Blick auf „Jammerossis“ den Kern verfehlt und die Ursachen der AfD-Stärke verdeckt.

Vom „Jammerossi“ zur Wahl in Sachsen-Anhalt

  1. 2005
    Edmund Stoiber prägt den Begriff „Jammerossi“

    Der CSU-Politiker wertet Ostdeutsche als dauerklagend ab – der Begriff wird zum Symbol westdeutscher Arroganz.

  2. 21. Juli 2026
    Studie der Universität des Saarlandes erscheint

    In „Plos One“ wird Migrationssorge als Haupttreiber der AfD-Wahl identifiziert, nicht soziale Benachteiligung.

  3. 23. August 2026
    Stern-Kolumne von Martin Debes erscheint

    „Die AfD vor dem Sieg: Kein Westgeld für Jammerossis!“ provoziert mit der Frage, ob die Mauer nicht doch eine gute Idee war.

  4. 23. August 2026
    Alice Weidel kündigt Regierungsübernahme an

    Im ZDF-Sommerinterview sagt die AfD-Chefin: „Wir werden in Sachsen-Anhalt die Regierung stellen.“

  5. 6. September 2026
    Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

    Laut Infratest dimap liegt die AfD bei 41 Prozent – eine Alleinregierung ist möglich.

Debes' Kolumne lässt damit eine zentrale Frage offen: Wird die Empörung über den Westen die AfD weiter stärken, oder zwingt sie den Westen endlich zu einem Blick, der den Osten ernst nimmt? Die Antwort geben die Wähler in Sachsen-Anhalt bereits in zwei Wochen.