MDR sendet fünf Sekunden Stille als Warnung vor AfD-Kurs
Der MDR hat am Montagmorgen in Sachsen-Anhalt fünf Sekunden Stille gesendet und auf seiner Website schwarze Kacheln gezeigt. Damit warnt der Sender vor einer Kündigung der Rundfunkstaatsverträge durch die AfD.
Fünf Sekunden lang war im Radio nichts zu hören – dann sagte eine Journalistin: „Wie Sie hören, hören Sie nichts. Keinen MDR mehr in Sachsen-Anhalt?“ Am Montagmorgen, dem 24. August 2026, setzte MDR Sachsen-Anhalt am Ende der Rundfunknachrichten dieses ungewöhnliche Signal gegen die AfD.
Auf mdr.de und dem Instagram-Account des Senders ersetzten schwarze Kacheln die üblichen Bilder regionaler Beiträge. Die Aktion sollte zeigen, wie die Angebote nach einer Kündigung der Rundfunkstaatsverträge aussehen könnten.
Der MDR begründet die Aktion damit, dass vielen Menschen die Kündigungsankündigung nicht bewusst sei – zahlreiche Leserbriefe und Publikumsreaktionen hätten das gezeigt.
AfD-Ankündigung als Auslöser
Hintergrund ist die Landtagswahl am 6. September. Die AfD hat in ihrem Programm „100 Tage für Sachsen-Anhalt“ angekündigt, die Rundfunkstaatsverträge zu kündigen. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zählt den Schritt zu den ersten Vorhaben seiner Partei. Schon im Wahlkampf hatte Katrin Göring-Eckardt vor AfD-Plänen gewarnt, den MDR-Staatsvertrag zu kündigen.
Die Partei will damit „Reformdruck“ erzeugen und das Ende des „GEZ-finanzierten Zwangsrundfunks“ einläuten. Langfristig plant sie einen „Grundfunk“, der nur mit einem Zehntel des bisherigen Budgets auskommen soll.
Die Entwicklung bis zur Wahl
2021
Streit um Rundfunkbeitrag
Die Länder können sich nicht auf einen neuen Beitrag einigen; das Bundesverfassungsgericht legt ihn später vorläufig auf 18,36 Euro fest.
19. August 2026
Intendant warnt
Ralf Ludwig äußert sich bei MDR Aktuell zur möglichen Kündigung des Staatsvertrags.
21. August 2026
Warnung im Mittagsmagazin
Ludwig warnt im ARD Mittagsmagazin und in der Mitteldeutschen Zeitung vor den Folgen.
24. August 2026
Stille im Radio
MDR Sachsen-Anhalt sendet fünf Sekunden Stille; auf mdr.de erscheinen schwarze Kacheln.
6. September 2026
Landtagswahl
In Sachsen-Anhalt wird ein neuer Landtag gewählt.
Das wären die Folgen für Hörer und Beitrag
Der MDR ist der gemeinsame Dreiländer-Sender von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Jedes Land kann den Staatsvertrag für sich kündigen – jeweils zum Jahresende mit einer Frist von zwei Jahren, wie der MDR auf seiner Unternehmensseite erläutert. Eine zum 31.12.2026 ausgesprochene Kündigung wäre also frühestens zum 31.12.2028 wirksam; ab 2029 gäbe es den MDR in Sachsen-Anhalt nicht mehr.
Für eine Kündigung braucht es eine Mehrheit im Landtag. Eine absolute Mehrheit der AfD würde diese Hürde überwinden, wie die Fachzeitschrift epd medien berichtet. Die AfD räumt selbst ein, dass die Rundfunkgebühren nach einer Kündigung nicht sofort hinfällig würden.
Betroffen wären unter anderem diese Formate:
„Sachsen-Anhalt heute“
Radiowelle „MDR Sachsen-Anhalt“
MDR Musiksommer
„Hol dir deine Show!“
„Unser Dorf hat Wochenende“
„Heimat.Liebe-Tour“
Umfrage
Lädt
Der MDR stellt klar: Auch nach einer Kündigung müssten die Menschen in Sachsen-Anhalt weiter 18,36 Euro pro Monat zahlen. Der Betrag beruhe auf einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts und gelte, bis alle 16 Bundesländer einen neuen Staatsvertrag schließen.
MDR kündigt Widerstand an
MDR-Intendant Ralf Ludwig hatte bereits in der vergangenen Woche vor den Folgen gewarnt. Ohne die Verträge gebe es im Fernsehen kein „Sachsen-Anhalt heute“ und kein Radioprogramm aus dem Funkhaus in Magdeburg, sagte er der Mitteldeutschen Zeitung.
„Wenn die Kündigung kommen sollte, werden wir juristisch dagegen vorgehen.“
Ralf Ludwig, Intendant des MDR
Der Justiziar des Senders, Jan Ole Schröder, bestätigte gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur, der MDR werde sofort gegen eine Kündigung vorgehen. In Umfragen liegt die AfD derzeit bei mehr als 40 Prozent, die CDU bei etwa 24 Prozent. Am 6. September entscheidet sich, ob aus der Warnung Ernst wird.