90-Jähriger verliert über 450.000 Euro an falschen Polizisten
Ein 90-jähriger Rentner aus dem Landkreis Gießen übergab nach einem Schockanruf Münzen, Goldbarren und Bargeld im Wert von über 450.000 Euro an einen Betrüger. Die Polizei warnt eindringlich vor der Masche.
Ein 90-jähriger Rentner aus dem nördlichen Landkreis Gießen hat bei einem Schockanruf Wertgegenstände im Wert von mehr als 450.000 Euro verloren. Ein Unbekannter gab sich am Telefon als Polizeibeamter aus und behauptete, eine Verwandte habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Nur eine Kaution könne eine Haft noch abwenden.
Der Anrufer setzte den Mann nach Angaben der Polizei über einen längeren Zeitraum massiv unter Druck. Schließlich übergab der Senior seine über Jahre gesammelten Münzen, Goldbarren sowie Bargeld an einen unbekannten Abholer. Das Polizeipräsidium Mittelhessen machte den Fall am Freitag öffentlich.
Das Opfer bemerkte den Betrug später selbst und vertraute sich einem Nachbarn an. Dieser rief sofort die Polizei. Die Ermittlungen laufen; über eine Festnahme oder Rückgewinnung der Beute ist bislang nichts bekannt.
Chronologie des Betrugs
20. August 2026
Anruf und Übergabe
Ein Unbekannter ruft den 90-Jährigen an, gibt sich als Polizist aus und behauptet, eine Verwandte habe einen tödlichen Unfall verursacht. Unter Druck übergibt der Senior Münzen, Goldbarren und Bargeld an einen Abholer.
Kurz danach
Betrug fliegt auf
Das Opfer bemerkt den Betrug und weiht einen Nachbarn ein, der die Polizei verständigt.
21. August 2026
Polizei warnt
Das Polizeipräsidium Mittelhessen veröffentlicht die Meldung und warnt vor Schockanrufen.
Polizei warnt vor Schockanrufen
Polizeisprecher Pierre Gath vom Polizeipräsidium Mittelhessen erklärte den typischen Ablauf solcher Taten. Die Täter geben sich als Polizeibeamte aus und behaupten, ein naher Angehöriger habe einen Unfall mit Schwerverletzten oder Toten verursacht. Mit der angeblichen Kaution soll eine Haft abgewendet werden.
„Die Täter geben sich als Polizeibeamte aus. Oft behaupten sie, es sei zu einem durch nahestehende Angehörige verschuldeten Unfall mit Schwerverletzten oder Toten gekommen. Nur gegen Zahlung lasse sich eine Haft abwenden. Die echte Polizei fragt telefonisch niemals nach ihren Wertgegenständen.“
Pierre Gath, Pressesprecher Polizeipräsidium Mittelhessen
Gath betonte, dass die echte Polizei niemals telefonisch nach Wertgegenständen fragt und diese auch nicht in Verwahrung nimmt. Er rät, bei solchen Anrufen aufzulegen, keine Wertgegenstände an Unbekannte zu übergeben und im Zweifel die 110 zu wählen.
Betrugsmasche boomt bundesweit
Die Betrugsform mit falschen Polizeibeamten gehört zu den häufigsten Maschen gegen Senioren. Laut Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts erbeuteten falsche Polizisten im Jahr 2025 bundesweit rund 49,5 Millionen Euro – nach 30,1 Millionen Euro im Vorjahr. Die registrierten Fälle stiegen von 3.946 auf 4.646.
Schaden durch falsche Polizisten in Deutschland
Erbeutete Summen 2024 und 2025
Quelle: Bundeskriminalamt
Neben der Schockanruf-Variante gibt es auch die Behauptung, eine Einbrecherbande sei in der Nachbarschaft festgenommen worden. Die Polizei rät Angehörigen, mit älteren Menschen über die Betrugsmaschen zu sprechen. Dass Betrüger immer wieder mit falschen Identitäten arbeiten, zeigt auch ein anderer Fall: Ein Beamter aus Viersen wurde zu fast fünf Jahren Haft verurteilt, weil er Fördergelder abgezweigt hatte.
So schützen Sie sich
Die Polizei warnt: Bei einem Anruf, in dem ein angeblicher Polizist nach Wertgegenständen fragt oder eine Kaution verlangt, sollten Betroffene sofort auflegen und die echte Polizei unter 110 anrufen. Niemals sollten Wertgegenstände oder Bargeld an unbekannte Personen übergeben werden. Angehörige sollten mit älteren Menschen über die Maschen sprechen.
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Ob die Polizei die Beute des 90-Jährigen sicherstellen kann, ist offen. Die Ermittlungen dauern an. Der konkrete Wohnort des Opfers wird zum Schutz nicht genannt.