Niedersachsen: Kirche distanziert sich von AfD-Wahlplakaten mit Kirchengebäuden
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Kommunalwahl

Niedersachsen: Kirche distanziert sich von AfD-Wahlplakaten mit Kirchengebäuden

Mehrere evangelische Gemeinden protestieren gegen AfD-Wahlplakate mit ihren Kirchengebäuden. Der Kirchenkreis Bramsche spricht von unerlaubter Vereinnahmung – die AfD nennt es nur regionalen Bezug.

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Mehrere evangelische Kirchengemeinden in Niedersachsen distanzieren sich deutlich von AfD-Wahlplakaten, auf denen ihre Kirchengebäude abgebildet sind. Der Kirchenkreis Bramsche bei Osnabrück spricht von einer unerlaubten Vereinnahmung kirchlicher Orte und Symbole.

Bereits am 8. Juli 2026 veröffentlichte der Kirchenkreis Bramsche einen Distanzierungshinweis auf seiner Homepage. Darin heißt es: „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die politische Einstellung der ‚Alternative für Deutschland‘ und der christliche Glaube für uns nicht miteinander vereinbar sind.“ Der Kirchenkreis protestiert „entschieden gegen diese Verwendung, die wir nicht erlaubt haben“.

Dem hannoverschen Landeskirchenamt sind rund ein halbes Dutzend Fälle bekannt, in denen örtliche Kirchengebäude auf AfD-Wahlplakaten zu sehen sind. Landeskirchen-Sprecherin Rebekka Neander empfiehlt den Gemeinden, sich von der Verwendung kirchlicher Fotomotive zu distanzieren.

AfD spricht von regionalem Bezug

Der AfD-Kreisverband Osnabrück-Land widerspricht der Kritik. Die Kirchen seien ausschließlich gewählt worden, um einen regionalen Bezug zur jeweiligen Ortschaft herzustellen. Der stellvertretende Vorsitzende Adrian Maxhuni sagte dem epd:

Vergleichbar hätte hierfür auch ein Rathaus, eine historische Mühle oder ein anderes markantes örtliches Gebäude verwendet werden können.
Adrian Maxhuni, stellvertretender AfD-Kreisvorsitzender Osnabrück-Land

Der Eindruck, die jeweilige Kirchengemeinde unterstütze die Partei oder einzelne Kandidaten, sei nicht beabsichtigt, so Maxhuni.

Forscher: AfD inszeniert Normalität

Der Göttinger Demokratieforscher Alexander Hensel ordnet die Plakate als Teil einer strategischen Selbstinszenierung ein. „Die AfD bemüht sich um Normalisierung. Sie versucht, einen Gegenpol zur behördlichen Einschätzung als rechtsextremistisch zu setzen.“ Ähnliche Plakate habe es bereits bei Kommunalwahlen in anderen Bundesländern gegeben, vor allem in ländlichen Regionen, wo Kirchen zentraler Teil des Alltagslebens seien.

Bilder von AfD-Kandidaten vor Kirchen und historischen Dorfgebäuden sollten vermitteln, dass die Partei und ihr Personal zum Leben vor Ort dazugehörten. Hensel spricht von einer „Strategie des Lokalismus“. Er warnt zugleich vor einem Dilemma: Ohne die Kirche offensiv anzugreifen, würden Kirchenvertreter zu einer öffentlichen Reaktion gedrängt – und verschafften der Partei so ungewollt Aufmerksamkeit.

Chronologie der Distanzierung

  1. Mai 2026
    Erklärung „für Demokratie und Menschenwürde“

    Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen grenzen sich deutlich von der AfD ab.

  2. 8. Juli 2026
    Kirchenkreis Bramsche distanziert sich

    Auf der Homepage erscheint der Hinweis gegen die Verwendung der Kirchengebäude auf AfD-Plakaten.

  3. 18. August 2026
    Landeskirche und epd berichten

    Das hannoversche Landeskirchenamt veröffentlicht seine Pressemitteilung mit der Einordnung des Demokratieforschers Hensel.

  4. 22. bis 24. August 2026
    Medien berichten

    WELT, Evangelische Zeitung und weitere Medien greifen den Konflikt auf.

  5. 13. September 2026
    Kommunalwahl in Niedersachsen

    Anlass der AfD-Wahlplakate.

Celle und die Landeskirche

Auch die Kirchengemeinden Klein Hehlen und Altencelle in Celle distanzierten sich auf ihren Homepages. Der Klein Hehlener Pastor Frank Tiss sagte dem epd: „Was die Menschen aus unserem Stadtteil betrifft, ist mit dem Distanzierungs-Hinweis alles hinreichend zum Ausdruck gebracht, was uns wichtig ist.“ Es herrsche Konsens, dem Ganzen „keine weitere Bühne“ mehr geben zu wollen.

Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen hatten sich bereits im Mai 2026 mit der Erklärung „für Demokratie und Menschenwürde“ deutlich von der AfD abgegrenzt. Der Kirchenkreis Bramsche verweist in seiner Stellungnahme ausdrücklich auf diese Erklärung. Erst Ende Juli waren zwei AfD-Kandidaten in Niedersachsen an der Verfassungstreue-Prüfung gescheitert.

Die Kommunalwahl in Niedersachsen findet am 13. September 2026 statt. Ob weitere Gemeinden nachziehen oder die AfD die Plakatmotive ändert, ist offen.