87.500 Briefwahlanträge in Magdeburg und Halle – Städte weisen AfD-Verdacht zurück
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt melden Magdeburg und Halle einen massiven Briefwahl-Boom – zusammen 87.500 Anträge. AfD-Chef Tino Chrupalla streut unbelegte Manipulationsvorwürfe, Landeswahlleiterin Christa Dieckmann weist sie scharf zurück.
Der AfD-Verdacht zur Briefwahl prallt in Sachsen-Anhalt auf harte Zahlen: In Magdeburg und Halle haben bis Montag zusammen rund 87.500 Bürger Briefwahl beantragt. Die Landtagswahl am 6. September dürfte damit so viele Briefwähler bringen wie nie zuvor – während AfD-Chef Tino Chrupalla die Stimmabgabe per Post ohne Belege attackiert.
Nach einer dpa-Anfrage, über die die Welt berichtet, meldet Magdeburg rund 48.300 Anträge. Bis zum Wahltag erwartet die Stadt nach Angaben von Pressesprecher Michael Reif etwa 55.000 Briefwähler – bei rund 180.000 Wahlberechtigten wäre das fast jeder Dritte.
Halle vermeldet laut Sprecher Drago Bock rund 39.200 Briefwahlanträge. Bei der vorigen Landtagswahl 2021 waren es dort nur etwa 36.800 Briefwähler – der aktuelle Stand liegt also schon vor dem Wahltag über dem damaligen Niveau. Beide Städte rechnen mit vielen weiteren Anträgen.
Städte und Wahlleitung widersprechen der AfD
Tino Chrupalla hatte im ARD-Sommerinterview von angeblichen Fällen in Pflegeheimen gesprochen, in denen der Stift geführt worden sei, und die Abschaffung der Briefwahl gefordert. Belege legte er nicht vor. Auch AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte in Pflegeheimen „genau hinzuschauen“ gefordert.
„Diese allgemeinen Vorwürfe teile ich nicht und weise sie daher ausdrücklich zurück.“
Die 61-jährige Juristin betont: Die Briefwahl sei verfassungsrechtlich abgesichert, rechtlich umfassend geregelt und organisatorisch durch zahlreiche Sicherheitsmechanismen geschützt. So dürfen Wahlschein und Unterlagen nur mit schriftlicher Vollmacht an andere ausgehändigt werden; eine Person kann für maximal vier andere beantragen.
Im ARD-Sommerinterview fordert der AfD-Vorsitzende die Abschaffung der Briefwahl und spricht von angeblichen Fällen in Pflegeheimen.
24. August 2026
Briefwahlanträge steigen
Stand Montag: Magdeburg rund 48.300, Halle rund 39.200 Anträge – zusammen rund 87.500.
25. August 2026
Städte und Wahlleitung widersprechen
Nach dpa-Anfrage melden Magdeburg und Halle die Zahlen; Landeswahlleiterin Dieckmann weist den AfD-Verdacht zurück.
6. September 2026
Landtagswahl
Bis dahin erwartet Magdeburg rund 55.000 Briefwahlanträge, Halle dürfte weiter zugelegt haben.
Diese Skepsis hat Folgen: Der US-Journalist Erik Kirschbaum sieht Parallelen zur Strategie von Donald Trump; Wahlforscher finden laut t-online keinerlei Hinweise auf strukturelle Manipulation. Zugleich schneidet die AfD bei der Briefwahl regelmäßig schlechter ab als an der Urne – die eigenen Angriffe auf die Stimmabgabe per Post kosten die Partei offenbar Stimmen.
So geht es weiter bis zur Wahl
Bis zum 6. September dürfte die Zahl weiter steigen. Magdeburg rechnet mit rund 55.000 Anträgen; in Halle wird der Wert von 2021 bereits jetzt überschritten. Damit entscheidet die Briefwahl in den beiden größten Städten des Landes mit – und die AfD steht mit ihrer Zweifelsstrategie gegen die eigenen Interessen.