Junge Freiheit behauptet Import-Zwang – Juli war Rekordmonat für Ökostrom
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Energiedebatte

Junge Freiheit behauptet Import-Zwang – Juli war Rekordmonat für Ökostrom

Trotz eines Rekordmonats für erneuerbare Energien verbreitet die Junge Freiheit die These, Deutschland müsse ständig Strom importieren. Die offiziellen Daten des Fraunhofer-Instituts widersprechen deutlich.

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Die Junge Freiheit behauptet, Deutschland müsse trotz des sonnigen Juli „ständig Strom dazuimportieren“ – doch die offiziellen Daten des Fraunhofer-Instituts zeichnen ein anderes Bild: Der Juli 2026 war der stärkste Monat für erneuerbare Energien überhaupt.

Am 24. August veröffentlichte die Junge Freiheit eine Analyse des Energiebloggers Rüdiger Stobbe. Darin argumentiert er, die Energiewende sei eine Sackgasse: Tageslängen und Strahlung unterschieden sich zwischen Sommer und Winter um den Faktor 10. Ausreichend werde die Versorgung erst, wenn sich Sommereinstrahlung ein halbes Jahr speichern ließe – eine „eher exotische Vorstellung“.

Rekordmonat widerspricht der Import-These

Nach Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und der taz speisten Solaranlagen im Juli erstmals rund 12 Terawattstunden Strom ein – ein neuer Monatsrekord. Insgesamt erzeugten die Erneuerbaren rund 29 TWh, so viel wie in keinem Monat zuvor. Mehr als 70 Prozent des Stroms kamen aus erneuerbaren Quellen. Bereits im ersten Halbjahr lag der Ökostrom-Anteil bei 58 Prozent, wie jux.news berichtete.

Die Offshore-Windkraft lieferte mit 2 TWh so viel wie nie zuvor in einem Juli, die Onshore-Windkraft erreichte mit 8 TWh Platz zwei. Fossile Energien trugen nur rund 10,5 TWh bei – weniger als die Solarenergie allein. Grundlage waren auch 274 Sonnenstunden, wie der NDR berichtet.

Der einzige Tiefpunkt betraf die Wasserkraft: Wegen Hitze und Trockenheit erzeugte sie mit 1,1 TWh so wenig wie nie in diesem Jahr. Bruno Burger vom Fraunhofer ISE erklärt das mit wenig Niederschlägen und hohen Temperaturen.

Hätten die erneuerbaren Energien nicht so stark zur Stromerzeugung beigetragen, wäre der Börsenstrompreis im April 76 Prozent höher gewesen.
Leonhard Gandhi, Projektleiter Energy-Charts, Fraunhofer ISE

Importbilanz schrumpft deutlich

Der Kern der Stobbe-These relativiert sich beim Blick auf die Handelsbilanz. Nach Fraunhofer ISE war Deutschland im ersten Halbjahr 2026 „deutlich weniger auf Stromimporte angewiesen als im Vorjahr“: Im Saldo wurden lediglich 1,3 TWh importiert – gegenüber 9,6 TWh im ersten Halbjahr 2025.

Importe kamen vor allem aus Frankreich (3,9 TWh), Dänemark (2,5 TWh) und Norwegen (1,1 TWh). Netto exportierte Deutschland insbesondere nach Österreich (4,6 TWh), Luxemburg (1,8 TWh) und Tschechien (1,0 TWh).

Netto-Stromimport im ersten Halbjahr

Vergleich 2025 und 2026

Quelle: Fraunhofer ISE/Energy-Charts

Wer die Import-Erzählung verbreitet

Rüdiger Stobbe tritt in Medien als „Stromdatenanalyst“ und „Energieexperte“ auf. Er betreibt den Blog mediagnose.de, ist regelmäßiger Gesprächspartner beim rechtskonservativen Sender Kontrafunk und schrieb für die AfD-Fraktion Sachsen die Kolumne „Woher kommt der Strom?“.

Stobbe vertritt seit Jahren die Position, die Energiewende funktioniere „nur mit einem Taschenspielertrick“ und ohne konventionelle Kraftwerke sei die Versorgung nicht zu sichern. Die Junge Freiheit hat dieselbe Import-These bereits für frühere Monate in Serie veröffentlicht.

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Warum der Widerspruch politisch zählt

Bundesumweltminister Carsten Schneider wertete die Entwicklung laut Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende als Beleg für den anhaltenden Aufwärtstrend und Beitrag zu Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Energiesicherheit.

Der Energiewende-Blogger Jan Hegenberg forderte die Junge Freiheit am 25. August öffentlich auf, die Import-Behauptung zu belegen. Ob die Zeitung die Belege nachliefert, blieb zunächst offen.

Für die Energiewissenschaft ist der Fall klar: Ob ein Land Strom importiert oder exportiert, hängt von den Börsenstrompreisen ab – nicht von einer Versorgungslücke. Der Rekordmonat Juli zeigt eher, dass die erneuerbaren Energien den Strompreis dämpfen, statt die Versorgung zu gefährden.