Cavallo warnt vor bis zu 115.000 gefährdeten VW-Jobs
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Sparpläne

Cavallo warnt vor bis zu 115.000 gefährdeten VW-Jobs

Bei Volkswagen eskaliert der Konflikt um den Sparkurs: Nach der Betriebsversammlung warnt Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo vor bis zu 115.000 gefährdeten Arbeitsplätzen. Konzernchef Oliver Blume relativiert, doch die Belegschaft pfeift ihn aus.

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Bis zu 115.000 Arbeitsplätze in Deutschland sind nach Rechnung von VW-Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo gefährdet – falls der Vorstand seine zusätzlichen Abbaupläne umsetzt und für vier deutsche Werke keine Anschlussbelegung findet. Auslöser ist die außerordentliche Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk am Dienstag, zu der mehr als 10.000 Beschäftigte kamen, wie das Handelsblatt berichtet.

Dort konkretisierte Konzernchef Oliver Blume erstmals, wie stark Deutschland von der nächsten Sparrunde betroffen sein könnte: Aus heutiger Sicht entfalle etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland, die andere Hälfte auf das internationale Geschäft in rund 170 Gesellschaften. Seit Wochen spricht Blume von einem rechnerischen Anpassungsbedarf von weiteren rund 50.000 Stellen weltweit – die Hälfte davon wären etwa 25.000 Jobs in Deutschland.

Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten.
Daniela Cavallo, VW-Gesamtbetriebsratschefin

Cavallos Rechnung addiert diese 25.000 neuen Stellen zu den bereits vereinbarten 50.000 Stellen, die bei VW, Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad bis 2030 sozialverträglich wegfallen sollen, sowie zu weiteren 40.000 Arbeitsplätzen, falls die VW-Werke Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk Neckarsulm ab dem nächsten Jahrzehnt ohne Anschlussbelegung dastehen. Zusammen sind das bis zu 115.000 gefährdete Arbeitsplätze – eine eigene Gegenrechnung des Betriebsrats, keine offizielle Zielgröße des Vorstands.

Blumes Rechengröße und die Pfiffe der Belegschaft

Blume relativierte die häufig genannte Zahl von rund 50.000 Stellen als theoretische Rechengröße, abgeleitet von den Kosten. Man liege rund 30 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen, und: Würden wir in Deutschland weitermachen wie bisher, hätten wir dauerhaft einen Nachteil von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Beschäftigten quittierten seine Rede mit Pfiffen und protestierten mit Transparenten wie Tarifbruch stoppen! und Unsere Jobs sind nicht Eure Bilanzkorrektur!. Cavallo erhielt für ihre Kritik tosenden Applaus und sagte: Unser Vertrauen in diesen Konzernvorstand ist beschädigt. Noch nicht irreparabel. Aber beschädigt.

Der Vorstand wolle weiter auf freiwillige Personalinstrumente setzen: Renteneintritte, einvernehmliche Vereinbarungen, natürliche Fluktuation sowie eine restriktive Einstellungspolitik. Die Altersteilzeit solle für weitere Jahrgänge geöffnet werden. Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen, kündigte Blume an.

Vier Werke ohne Perspektive – und ein Ultimatum

Zu den vier gefährdeten Werken sagte Blume, es sei nicht beschlossen worden, die Werke in Emden, Hannover und Zwickau oder das Audi-Werk in Neckarsulm zu schließen. Werksschließungen seien immer die letzte und teuerste Lösung. Für diese Standorte gebe es aber keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre.

Die Sorge um diese Werke ist nicht neu: Bereits im Juli wurde über Pläne zur Schließung von vier deutschen Werken und den Abbau von bis zu 100.000 Stellen berichtet – wie jux.news damals meldete.

Der Weg zur Eskalation

  1. Ende 2024
    Historische Einigung

    Abbau von rund 35.000 Jobs bis 2030 – inklusive Audi, Porsche und Cariad später rund 50.000 Stellen.

  2. Juni 2026
    Bericht über massive Einschnitte

    Pläne werden bekannt, bis zu 100.000 der rund 663.000 Stellen zu streichen und Werksschließungen ins Auge zu fassen.

  3. Juli 2026
    Aufsichtsrat blockiert

    Arbeitnehmerbank und Land Niedersachsen stoppen Blumes Umbaupläne zunächst.

  4. Mitte August 2026
    Blume warnt

    Konzernchef bezeichnet Lage als mehr als kritisch: VW sei überdimensioniert, zu langsam und zu kompliziert.

  5. 25.08.2026
    Betriebsversammlung in Wolfsburg

    Blume konkretisiert Pläne, Cavallo warnt vor bis zu 115.000 Jobverlusten.

Gegenwind aus Politik und nächste Schritte

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies lehnt Werksschließungen ab und fordert Konzepte, wie Kapazitäten an bestehenden Standorten besser ausgeschöpft werden können – etwa durch attraktivere Fahrzeuge oder Ergänzungen wie Rüstungsproduktion. IG-Metall-Bezirksleiter Torsten Gröger kritisierte: Heute hat der VW-CEO viel geredet und doch wenig gesagt, ausgerechnet bei den entscheidenden Fragen blieb der Vorstand konkrete Antworten schuldig.

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Am 4. September berät der Aufsichtsrat erneut über Blumes Umbauplan. Arbeitnehmerbank und Land Niedersachsen hatten den Plan im Juli zunächst verhindert; nun wollen beide eigene Konzepte einbringen, sodass es drei Beschlussvorlagen geben könnte. Scheitert Blumes Plan, wäre eine außerordentliche Hauptversammlung denkbar.