Russland fängt fast alle Flamingo-Raketen ab – A-50U als Schlüssel
Seit Juli 2026 fängt Russland fast alle ukrainischen FP-5-Flamingo-Marschflugkörper ab. Entscheidend ist das Frühwarnflugzeug Beriev A-50U, das tieffliegende Raketen deutlich früher erkennt als Bodenradare.
Russland entwertet die gefährlichste ukrainische Langstreckenwaffe zunehmend: Seit Juli 2026 fängt die Luftabwehr fast alle FP-5-Flamingo-Marschflugkörper ab, bevor sie ihre Ziele erreichen. Den Ausschlag geben die Frühwarnflugzeuge vom Typ Beriev A-50U, die tieffliegende Raketen deutlich früher orten als jedes Bodenradar.
Dabei galt die Flamingo lange als Durchbruch. Die sechs Tonnen schwere, düsengetriebene Rakete von Fire Point erreicht bis zu 3.000 Kilometer Reichweite, fliegt rund 950 km/h und trägt einen Gefechtskopf von etwa einer Tonne TNT. Ihr Vorteil: extremer Tiefflug durch Flusstäler und Geländestrukturen, der bodengestützte Radare unterläuft.
Vom Durchbruch zur systematischen Abwehr
Noch im Juni 2026 kamen mehrere Flamingos durch. In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni trafen zwei von fünf Raketen das Elektronikwerk VNIIR-Progress in Tscheboksary, knapp 1.000 Kilometer von der Ukraine entfernt. Damals verließen die russischen A-50U laut Euromaidan Press meist kaum den Boden.
Das änderte sich ab Juli. Die A-50U sind seither nach übereinstimmenden Berichten nahezu jede Nacht im Einsatz, patrouillieren über den wahrscheinlichsten Anflugrouten und führen bodengestützte Abfangsysteme zum Ziel. Der deutsche Focus stellt fest, dass Russland inzwischen fast alle Flamingos abfängt – wie EADaily berichtet.
Chronik: Flamingo-Angriffe und russische Abwehr
21. August 2025
Erstflug der FP-5 Flamingo
Die ukrainische Firma Fire Point testet den Marschflugkörper erstmals. Erste Einsatzfähigkeit wird für 2026 erwartet.
9./10. Juni 2026
Zwei von fünf Raketen treffen Tscheboksary
Die 19. Raketenbrigade feuert fünf Flamingos auf das Elektronikwerk VNIIR-Progress. Zwei Treffer zeigen: Die Rakete ist gefährlich.
Juli 2026
A-50U fliegen fast jede Nacht
Russland verlegt seine Frühwarnflugzeuge gezielt auf die Anflugrouten der Flamingos. Die Abfangquote steigt sprunghaft.
24./25. Juli 2026
Mindestens ein Treffer in Kirow
Eine Flamingo trifft das Maschinenbauwerk Avitek. Analysten sehen sichtbaren Schaden – aber es bleibt einer der letzten Erfolge.
6. August 2026
Drei Raketen auf Tjumen scheitern
Mindestens drei Flamingos werden abgeschossen oder verfehlen ihre Ziele in Westsibirien. Die Route ist nicht mehr rekonstruierbar.
23. August 2026
Abschuss mit Maschinengewehrfeuer
Eine mobile BARS-Einheit in Kursk schießt erstmals eine Flamingo mit Handfeuerwaffen ab. Der Gouverneur spricht von einer „beispiellosen Situation“.
Der beispiellose Abschuss mit Maschinengewehren
In der Nacht auf den 23. August 2026 schoss eine mobile Luftverteidigungseinheit der Freiwilligen-Brigade BARS-Kursk eine Flamingo mit Maschinengewehrfeuer ab. Nach Angaben des Gouverneurs Alexander Khinshtein entdeckte das Team die Rakete gegen drei Uhr morgens in weniger als 50 Metern Höhe und mit bis zu 500 km/h.
„Unsere Freiwilligen haben nicht nur eine Rakete abgeschossen. Sie haben eine Katastrophe verhindert.“
Alexander Khinshtein, Gouverneur der Oblast Kursk
Aus den Trümmern ging laut Khinshtein hervor, dass die Rakete aus der Oblast Sumy gestartet war und auf eine strategische Einrichtung in der Oblast Tula zielte. Ein Video zeigt den Beschuss, die Explosion und die Untersuchung der Trümmer.
Warum die ukrainische Tiefenschlagkampagne stockt
Russland verfügt nach OSINT-Angaben nur noch über fünf einsatzfähige A-50U. Genau deshalb hat Fire Point den Höhenmesser der Flamingo angepasst, damit sie noch tiefer zwischen Wäldern und Gebäuden fliegt. Bislang reichen diese Maßnahmen nicht: Fast alle gestarteten Raketen gehen verloren.
Die Verluste treffen die Ukraine doppelt. Am 24. und 25. Juli traf mindestens eine Flamingo das Maschinenbauwerk Avitek in Kirow, das Komponenten für das russische Boden-Luft-Raketensystem Tor produziert – also für ein System, das selbst Flamingos abfängt. Der RAND-Analyst Michael Bohnert erklärte, eine Verlangsamung dieser Produktion „könnte die Aussichten der FP-5-Leistung im Laufe der Zeit erheblich verbessern“.
Dass die Flamingo trotz hoher Abfangquote nicht wirkungslos ist, zeigte Mitte August der Treffer im Raketenzentrum Progress in Samara. Wie jux.news berichtete, trafen ukrainische FP-5-Marschflugkörper das einzige Sojus-Werk – ein Hinweis darauf, dass einzelne Raketen weiter durchkommen.
Ob die russische Abwehrleistung anhält, bleibt die offene Frage für die weitere ukrainische Tiefenschlagkampagne. Sollte Fire Point die Tiefflugfähigkeit nicht entscheidend verbessern, droht die Flamingo zum teuren Blindgänger zu werden.