Sturzflut in Nepal: Mindestens 157 Tote, Hunderte Touristen vermisst
Am Mittwoch hat eine gewaltige Flutwelle das Bhote-Koshi-Tal in Nepal zerstört. Mindestens 157 Menschen starben, rund 400 Reisende werden vermisst. Die Behörden vermuten eine Gletscherlawine als Ursache.
Mindestens 157 Menschen sind tot, Hunderte werden vermisst: Eine gewaltige Flutwelle hat am Mittwochmorgen das Bhote-Koshi-Tal im Norden Nepals verwüstet. Wasser und Schlamm rissen Dörfer, Straßen und Brücken mit sich – die Behörden sprechen von der schlimmsten Katastrophe seit dem Erdbeben 2015.
Gegen 8.30 Uhr Ortszeit trat der Fluss Bhote Koshi im Distrikt Rasuwa plötzlich über die Ufer. Die Flut traf auch die Nachbardistrikte Nuwakot und Dhading. In Nuwakot begruben die Schlammmassen Dutzende Gebäude und Fahrzeuge. Bilder zeigen Häuser, die bis zum zweiten Stock im Schlamm versanken.
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Die Polizei barg zunächst 95 Leichen, am Abend war von mindestens 157 Toten die Rede. Polizeisprecher Abi Narayan Kafle sagte, das Ausmaß der Schäden sei noch unklar. Die Zahl der Vermissten könne in die Tausende gehen. Zudem werden 44 Armeeangehörige und 31 Polizisten vermisst.
Hunderte Touristen unter den Vermissten
Besonders betroffen sind Reisende. Das Nepal Tourism Board listet rund 400 vermisste Touristen, darunter 341 Ausländer, wie CBS News berichtet. Unter ihnen sind 133 Inder, 47 US-Amerikaner, 34 Australier, 33 Briten, 24 Kanadier und 19 Malaysier. Viele der Inder waren Pilger auf dem Weg zum heiligen Berg Kailash.
Auch vier Deutsche werden von der nepalesischen Tourismusbehörde als vermisst geführt. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte jedoch, keine Kenntnis von betroffenen deutschen Staatsangehörigen zu haben. Die deutsche Botschaft in Kathmandu stehe in engem Kontakt mit den Behörden.
Vermisste Ausländer nach Nationalität
Laut Nepal Tourism Board, 26. August 2026
Quelle: Nepal Tourism Board
Auch auf chinesischer Seite traf eine Schlammlawine den Grenzübergang Gyirong. Chinesische Staatsmedien meldeten drei Tote und 265 Vermisste. Staatschef Xi Jinping entsandte Vize-Ministerpräsident Zhang Guoqing zur Überwachung der Rettungsarbeiten. 601 Einsatzkräfte und 113 Fahrzeuge wurden in die Region geschickt.
Ursache: Gletscherlawine statt Erdbeben
Zunächst war die Ursache unklar. Ein Erdstoß der Stärke 4,4 wurde registriert, sieben Minuten vor dem Erdrutsch. Die US-Erdbebenwarte USGS korrigierte später: Die seismische Energie stamme von einem Erdrutsch und entspreche einem Beben der Stärke 5,2. Das Deutsche GeoForschungsZentrum stützt diese Einschätzung.
Klimaexperten des International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) gehen laut NPR von einer Eis-Fels-Lawine aus. Der Nebenfluss Lhende Khola sei innerhalb von 14 Monaten zum zweiten Mal überflutet worden. Die Lawine habe den Fluss blockiert und eine plötzliche Flutwelle freigesetzt. Auch die Katastrophenschutzbehörde NDRRMA bestätigt nach Satellitenauswertung einen gletscherbedingten Ausbruch.
Der Tag der Katastrophe
26.08.2026, 8.30 Uhr
Flutwelle trifft das Bhote-Koshi-Tal
Der Fluss Bhote Koshi tritt plötzlich über die Ufer, Wasser- und Schlammmassen verwüsten die Distrikte Rasuwa, Nuwakot und Dhading.
26.08.2026, ca. 8.37 Uhr
Seismisches Signal registriert
USGS und GFZ messen einen Erdstoß der Stärke 4,4 – später als Erdrutsch interpretiert.
26.08.2026, Mittag
Erste Opferzahlen
Die Polizei meldet 95 geborgene Tote, später steigt die Zahl auf mindestens 157.
26.08.2026, Nachmittag
China meldet Tote und Vermisste
Am Grenzübergang Gyirong werden 3 Tote und 265 Vermisste gemeldet, Xi Jinping entsendet Vize-Ministerpräsident.
26.08.2026, Abend
Katastrophenwarnung
Nepal gibt eine dreimonatige Warnung für flussabwärts gelegene Gebiete heraus.
Zerstörung und Reaktionen
Die Fluten zerstörten 19 fahrbare Brücken und 40 Kilometer Straße. Die wichtige Nepal-China-Freundschaftsbrücke bei Rasuwagadhi wurde fortgerissen. Sechs große Wasserkraftwerke wurden beschädigt. Die staatliche Elektrizitätsbehörde bestätigte Ausfälle. Rettungshubschrauber konnten wegen des Wetters in Syapru Besi und Timure zunächst nicht landen.
Ministerpräsident Balendra Shah ordnete den Einsatz von Armee und Sicherheitskräften an. Regierungssprecher Sasmit Pokharel bat Indien und China um Unterstützung bei den Rettungsarbeiten. Präsident Ramachandra Paudel zeigte sich tief betroffen. Die Behörden gaben eine dreimonatige Katastrophenwarnung für die flussabwärts gelegenen Gebiete heraus.
„Wir haben sowohl Indien als auch China um Hilfe bei den Rettungsarbeiten gebeten.“
Sasmit Pokharel, Regierungssprecher Nepals
Der indische Premierminister Narendra Modi bot Nepal nach einem Gespräch mit Shah jede mögliche humanitäre Unterstützung an. Der britische Außenminister Ed Miliband erklärte, er sei zutiefst besorgt. Auch die Botschaften mehrerer westlicher Länder drückten Solidarität aus.
Klimakrise im Himalaya
Die Katastrophe reiht sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein. Erst im August 2025 hatte es in Rasuwa ähnliche Sturzfluten gegeben, damals starben neun Menschen. Wissenschaftler in Kathmandu stellten fest, dass sich der Eisverlust der Gletscher in der Hindu-Kush-Himalaya-Region seit dem Jahr 2000 verdoppelt hat. Die Region erwärmt sich schneller als der Rest der Welt.
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Für die Angehörigen der Vermissten bleibt die Ungewissheit. Die Behörden suchen weiter nach Überlebenden, doch die Hoffnung schwindet mit jeder Stunde. Ob die Zahl der Todesopfer noch deutlich steigt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.