Oberarzt der Uniklinik Rostock nach menschenverachtenden Posts freigestellt
Nach rassistischen und gewaltverherrlichenden Kommentaren im Netz hat die Universitätsmedizin Rostock einen Oberarzt mit sofortiger Wirkung freigestellt und Strafanzeige erstattet. Die Äußerungen wie „Remigrieren oder kremieren“ lösten scharfe Kritik von Politik und Ärztekammer aus.
„Remigrieren oder kremieren“ – mit diesen Worten soll ein Oberarzt der Universitätsmedizin Rostock in sozialen Netzwerken gegen Geflüchtete gehetzt haben. Die Klinik stellte den Mediziner am 26. August mit sofortiger Wirkung frei und erstattete Strafanzeige, wie n-tv berichtet.
Der Instagram-Account „Hogesatzbau“ („Hooligans gegen Satzbau“), eine Initiative gegen rechte Hetze, hatte am Dienstagabend Screenshots veröffentlicht, die dem Transplantations- und Palliativarzt Ronald Siems zugeschrieben werden. Darunter Sätze wie „Also ich sehe nur Heizmasse, die unser Energieproblem lösen kann! Remigrieren oder Lager“ oder „Ölaugen bekommen 6x6 in die Stirn, wenn sie mich oder meine Familie bedrohen“.
Instagram · @unimedizinrostock
Die Initiative hatte nach eigenen Angaben die Profile geprüft und die Links nachverfolgt. Laut Frauke Seeba von „Hogesatzbau“ war das öffentliche Profil dem Mediziner zuzuordnen: „Er hatte Bilder von sich selbst auf dem Profil“, sagte sie dem NDR. Das Konto ist inzwischen deaktiviert.
Chronologie der Ereignisse
25. August 2026, abends
Instagram-Account veröffentlicht Screenshots
„Hogesatzbau“ macht mutmaßlich rassistische und gewaltverherrlichende Kommentare eines Oberarztes der UMR öffentlich.
25. August 2026, abends
Uniklinik Rostock äußert „großes Entsetzen“
Die UMR kündigt in einer Stellungnahme Konsequenzen an.
26. August 2026, 12.37 Uhr
Freistellung und Strafanzeige
Die UMR bestätigt den Verdacht und stellt den Oberarzt mit sofortiger Wirkung frei.
26. August 2026
Politik und Ärztekammer reagieren
Wissenschaftsministerin Bettina Martin und die Ärztekammer verurteilen die Vorfälle scharf.
Klinik reagiert mit Freistellung und Strafanzeige
Auf Anfrage von n-tv.de erklärte die Universitätsmedizin Rostock am 26. August: „Den betreffenden Mitarbeiter haben wir unverzüglich mit den getätigten Aussagen konfrontiert und den Verdacht bestätigt. Der betreffende Mitarbeiter wurde im Anschluss unverzüglich freigestellt. Weitere arbeitsrechtliche Maßnahmen werden aktuell ergriffen und es wurde Strafanzeige gestellt.“
Die Klinik betonte zugleich den Schutz der Patienten. Alle Patientinnen und Patienten müssten unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Identität oder Weltanschauung dieselbe Behandlung erhalten. Die UMR forderte ihre Mitarbeiter auf, die Inhalte nicht weiterzuverbreiten, keine Screenshots zu teilen und den Vorgang nicht über eigene Kanäle zu kommentieren.
Politik und Standesvertretung verurteilen die Äußerungen
Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD) reagierte mit scharfer Kritik. Sie stehe in engem Kontakt mit der Klinikleitung und forderte harte Konsequenzen.
„Die Posts seien „zutiefst menschenverachtend und absolut inakzeptabel“.“
Bettina Martin, Wissenschaftsministerin Mecklenburg-Vorpommern (SPD)
Dass ausgerechnet ein Arzt, der sich mit seinem Eid dem Wohlergehen und dem Leben von Menschen verpflichtet habe, solche Aussagen tätige, sei erschütternd, so Martin weiter.
Auch die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern verurteilte die Vorfälle auf Schärfste. Rassistische und menschenverachtende Äußerungen seien nicht mit der ärztlichen Ethik vereinbar. Die Kammer prüfe den Vorgang und kündigte an, bei Bestätigung der Vorwürfe alle berufsrechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Nach Kenntnis der Kammer hat der Mediziner die Vorwürfe bestätigt.
Vertrauen in die Medizin steht auf dem Spiel
Die Initiative „Hogesatzbau“ ordnet die Formulierungen als Anknüpfung an die nationalsozialistische Vernichtungspraxis ein und stellt sie dem beruflichen Umfeld des Mediziners gegenüber – einem Bereich, in dem es um Vertrauen, Würde und Leben und Tod geht. Die Methode des öffentlichen Anprangerns ist umstritten: Befürworter verweisen darauf, dass Hetze im Netz sonst kaum Folgen habe; Kritiker warnen vor Verwechslungsrisiken und fehlenden Verfahrensgarantien.
Für den betroffenen Arzt galt bis zur Bestätigung die Unschuldsvermutung. Die UMR betonte, dass alle Patientinnen und Patienten unabhängig von Herkunft oder Religion dieselbe Behandlung erhalten müssten. Betroffene und Beschäftigte, die Diskriminierung erlebt oder beobachtet haben, wurden gebeten, sich vertraulich zu melden.