Bill Gates fordert Robotersteuer und Jobs nur für Menschen
Microsoft-Mitgründer Bill Gates warnt: KI könnte die schlimmste Quelle von Ungerechtigkeit werden – und fordert eine Steuer auf Roboter. Sein Brandbrief fällt mitten in die Debatte um Trumps Deregulierungskurs.
Bill Gates warnt vor einer Zukunft, in der Künstliche Intelligenz die größte Ungleichheit der Geschichte schafft. In einem knapp 6.000 Wörter langen Essay auf seinem Blog Gates Notes schreibt der Microsoft-Mitgründer am 26. August 2026: „KI wird entweder der größte Gleichmacher sein, der je erfunden wurde, oder die schlimmste Quelle von Ungerechtigkeit.“
Seine zentrale Botschaft: Niemand hat einen Plan. Wie die ZEIT berichtet, fehle bislang jeder konkrete Plan, um die Gefahren der Technologie zu begrenzen – und der Übergang ins KI-Zeitalter werde „eine der turbulentesten Zeiten der Menschheitsgeschichte“.
Drei Forderungen von Gates
Gates fordert deshalb drei konkrete Dinge: neue nationale und internationale Aufsichtsinstitutionen, eine Robotersteuer und den Schutz bestimmter Tätigkeiten für Menschen.
Die Regulierung dürfe nicht allein den Tech-Konzernen überlassen bleiben. Gewählte Gesetzgeber, Politiker sowie Vertreter betroffener Branchen und Communities müssten einbezogen werden. Wie t3n berichtet, will Gates demokratische Prozesse in die Kontrolle der KI-Entwicklung holen.
Besonders umstritten ist die geforderte Robotersteuer. Gates argumentiert, dass Arbeitgeber für menschliche Beschäftigte Lohnsteuer zahlen, die Kosten für Roboter dagegen sofort als Betriebsausgabe abschreiben können. Damit greift er eine Idee auf, die zuvor bereits OpenAI ins Spiel gebracht hatte.
„Das Steuersystem drängt Sie geradezu dazu, Menschen durch Maschinen zu ersetzen.“
Bill Gates, Microsoft-Mitgründer
Zudem sollen bestimmte Tätigkeiten Menschen vorbehalten bleiben – selbst wenn KI sie deutlich schneller erledigen könnte. Gates vergleicht das mit Naturschutzgebieten, in denen man keine Straßen baue, obwohl es möglich wäre. Der Schweizer KI Newsletter rechnet vor, dass sich so bis zu 40 Prozent aller Jobs schützen ließen.
Trotz aller Warnungen bleibt Gates grundsätzlich optimistisch. Wenn die richtigen Schritte unternommen würden, könne KI eine positive Kraft sein und allen zugutekommen. Er verweist auf mögliche Fortschritte in Medizin, Klimaschutz und Bildung.
Junge Menschen besonders betroffen
Der 70-Jährige warnt besonders vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Vor allem junge Menschen könnten es künftig schwer haben, überhaupt eine Stelle zu finden. Diese Sorge steht im Zentrum seines Plädoyers für eine stärkere staatliche Lenkung des technologischen Wandels.
Trump will keine Regeln
Die Warnung fällt in eine hitzige Debatte. Ende Juli 2026 forderten mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führender KI-Firmen eine Pause bei der Entwicklung. US-Präsident Donald Trump will KI dagegen weitgehend unreguliert lassen – auch um im Wettbewerb mit China mithalten zu können.
Chronologie der Debatte
Ende Juli 2026
Mitarbeiter fordern Pause
Mehr als 1.000 Beschäftigte führender KI-Firmen appellieren an die US-Regierung, die Entwicklung zu pausieren und sich international zu regulieren.
26. August 2026
Gates legt Brandbrief vor
Auf Gates Notes erscheint ein knapp 6.000 Wörter langer Essay, der weltweit aufgegriffen wird.
27. August 2026
Medien reagieren
Deutsche und internationale Medien berichten über die Forderungen nach Robotersteuer und Jobschutz.
Ein Vorstoß aus dem Tech-Establishment
Gates' Vorstoß ist bemerkenswert, weil er aus dem Herzen der Tech-Branche kommt. Einer der reichsten Männer der Welt und früherer Chef des Unternehmens, das heute massiv in KI investiert, fordert selbst eine Besteuerung der Automatisierung und Grenzen für die Technologie. Der Tagesspiegel spricht von einem „Brandbrief“.
Ob die Bundesregierung auf Gates' Forderungen reagiert, ist offen. In der Schweiz prüft der Bundesrat seit März 2026 genau diese Frage. Für Deutschland gibt es bislang keinen konkreten Gesetzentwurf.