200 Tonnen Quallen legen Europas größtes Atomkraftwerk lahm
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200 Tonnen Quallen legen Europas größtes Atomkraftwerk lahm

In der Nacht auf Donnerstag blockierten mehr als 200 Tonnen Quallen die Kühlsysteme des französischen AKW Gravelines. EDF schaltete zwei Reaktoren ab, zwei weitere laufen gedrosselt – kein Block arbeitet mehr normal.

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Mehr als 200 Tonnen Quallen haben in der Nacht zum 27. August 2026 das größte Atomkraftwerk Europas lahmgelegt. In Gravelines an der nordfranzösischen Küste verstopften die Tiere die Filtersysteme der Meerwasser-Pumpstation, wie die Zeit berichtet.

Der Betreiber EDF fuhr daraufhin zwei der sechs Reaktorblöcke vorsorglich komplett herunter. Zwei weitere Einheiten werden wegen des massenhaften Auftretens nur noch mit reduzierter Leistung betrieben, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung meldet.

Damit arbeitet kein einziger der sechs Reaktoren normal. Zwei Blöcke waren bereits vor der neuen Welle vom Netz: einer wegen einer Wartungsinspektion, der andere – Block 3 – schon seit dem 10. August wegen derselben Quallenproblematik.

Zweite Quallenplage binnen zwei Wochen

Für Gravelines ist es bereits die zweite Quallenstörung in diesem Monat. Schon Mitte August 2026 und im August 2025 hatten die Tiere den Betrieb beeinträchtigt, wie BR24 und die BBC berichten.

Der Reaktorblock 3 war erst am 18. August nach der ersten Quallenwelle wieder ans Netz gegangen. Nun musste er erneut abgeschaltet werden, berichtet die BBC.

Chronologie der Quallenwellen

  1. 10. August 2026
    Erste Quallenwelle stoppt Block 3

    Wegen massenhaft auftretender Quallen wird Reaktorblock 3 in Gravelines abgeschaltet.

  2. 18. August 2026
    Kurzzeitige Rückkehr ans Netz

    Block 3 geht nach der ersten Quallenwelle wieder in Betrieb.

  3. Nacht zum 27. August 2026
    Zweite Welle mit mehr als 200 Tonnen

    Quallen verstopfen die Filtersysteme; EDF fährt zwei Blöcke herunter und drosselt zwei weitere.

Fischer fangen Quallen rund um die Uhr

Um künftige Quallenplagen früh zu erkennen, hat EDF nach eigenen Angaben Überwachungs- und Erkennungssysteme eingerichtet. Unterstützt wird der Betreiber von der Fischerei-Organisation France Pêche Durable, wie die Zeit schreibt.

Sieben Boote sind rund um die Uhr im Bereich des Kraftwerks im Einsatz. Sie fangen die Quallen ab und setzen sie weiter draußen im Meer wieder aus, meldet L'essentiel.

Klimawandel als möglicher Treiber

Zur Ursache der aktuellen Schwemme kann EDF nach eigenen Angaben bislang nichts sagen. Man arbeite mit verschiedenen Partnern daran, das Phänomen besser zu verstehen, zitiert der Deutschlandfunk eine Kraftwerkssprecherin.

Fachleute führen die Massenvermehrung der Quallen auf den Klimawandel und steigende Meerestemperaturen zurück. In warmen Monaten seien die Tiere besonders aktiv, weil heißes Wetter die Planktonbestände an der Wasseroberfläche erhöhe, erklärt die FAZ.

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Größtes Atomkraftwerk Europas an der Nordsee

Das AKW Gravelines liegt zwischen Calais und Dünkirchen in der Region Hauts-de-France. Gekühlt wird die Anlage über einen Kanal, der mit der Nordsee verbunden ist. Mit sechs Reaktorblöcken von je 900 Megawatt ist sie das größte Atomkraftwerk Frankreichs und Europas.

Ähnliche Vorfälle gab es auch andernorts: 2011 stoppten Quallen im schottischen Torness den Betrieb, 2013 im schwedischen Oskarshamn. Solche Fälle seien jedoch selten, berichtet die BBC.

EDF versichert, die Situation habe keinerlei Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlagen und kein Risiko für das Stromsystem. Wann die abgeschalteten Reaktoren wieder ans Netz gehen, ließ der Betreiber zunächst offen.