CBC nimmt umstrittene 9/11-Sprachregel zurück
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Medienkontroverse

CBC nimmt umstrittene 9/11-Sprachregel zurück

Eine interne Anweisung des kanadischen Rundfunks CBC verbot, die Anschläge vom 11. September 2001 als Terroranschläge zu bezeichnen. Nach massiver Kritik aus Kanada und den USA rudert der Sender zurück.

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Nach heftiger Kritik aus Kanada und den USA hat der öffentlich-rechtliche Sender CBC seine interne Sprachregelung zu den Anschlägen vom 11. September 2001 zurückgenommen. Journalisten war untersagt worden, die Ereignisse als Terroranschläge zu bezeichnen. Am Freitag erklärte CBC in einem Editor's Blog, eine direkte Zuschreibung als Terrorismus sei künftig nicht mehr erforderlich.

Auslöser war ein interner Vermerk von Basem Boshra, Senior Director of Journalistic Standards and Public Trust bei CBC News. Darin hieß es wörtlich: „Do not refer to the Sept. 11 attacks as terrorist attacks.“ Stattdessen sollten Journalisten von „Flugzeugentführungen“ sprechen, die zu „Abstürzen von Passagierflugzeugen in Washington D.C., Pennsylvania und Manhattan“ geführt hätten. Zum World Trade Center lautete die Vorgabe nur: „The World Trade Center was destroyed.“

Zuerst berichtete der Kolumnist Warren Kinsella in der Toronto Sun über die Anweisung. CBC bestätigte die Existenz des Vermerks gegenüber der Jerusalem Post. Die Kontroverse fiel in die Woche vor dem 25. Jahrestag der Anschläge, die fast 3.000 Menschen das Leben kosteten.

CBC-Sprecherin Kerry Kelly verteidigte den Vermerk zunächst als Erinnerung an eine „langjährige Praxis“, die Begriffe „Terrorist“ und „Terrorismus“ nur mit Quellenzuschreibung zu verwenden. Chefredakteur Brodie Fenlon hatte bereits 2023 in einem Blog geschrieben, die Wörter seien „so sehr mit Bedeutung, Politik und Emotion aufgeladen“, dass sie dem Journalismus im Weg stehen könnten.

Boshra räumt Verwirrung ein

Am Freitag veröffentlichte CBC einen neuen Editor's Blog unter der Überschrift „How and why CBC News will adjust its 9/11 language guidance“. Boshra erklärte, die Verwirrung gehe auf das Leck eines Auszugs zurück, der „ohne vollständigen Kontext oder Erklärung“ veröffentlicht worden sei. CBC News habe nie gesagt, dass es sich nicht um Terrorismus gehandelt habe.

Die überarbeitete Regelung stellt nun klar, dass eine direkte Zuschreibung zur Beschreibung der historischen Ereignisse von 9/11 als Terrorismus nicht erforderlich ist. Für künftige neue Gewalttaten will der Sender weiterhin Motive und Ursachen Behörden und Experten zuschreiben.

Empörung in Ottawa und Washington

Die ursprüngliche Sprachregelung löste unmittelbar scharfe Reaktionen aus. Die konservative kanadische Abgeordnete Rachael Thomas nannte den Vermerk auf X „absolut beschämend“. Sie schrieb, die Weigerung entehre Opfer, Familien, Überlebende und Ersthelfer.

Sich zu weigern, es als Terrorakt zu bezeichnen, entehrt die Opfer, ihre Familien, die Überlebenden und die Ersthelfer, die die Schrecken jenes Tages miterlebt haben. 9/11 war ein Terrorakt. Punkt.
Rachael Thomas, konservative Abgeordnete (MP)

Oppositionsführer Pierre Poilievre forderte eine sofortige Entschuldigung und Rücknahme. „9/11 als etwas anderes als einen Terroranschlag zu bezeichnen, ist eine entsetzliche Verzerrung der Geschichte. Es entehrt die Opfer und ihre Familien, die Überlebenden und die Ersthelfer“, schrieb er. Auch FBI-Direktor Kash Patel kritisierte die interne Anweisung öffentlich.

Aus den USA meldeten sich republikanische Politiker zu Wort. Senator Mike Lee schrieb: „Vielleicht sollten wir Kanada nicht länger ein ‚befreundetes Land‘ nennen.“ Die Kongressabgeordnete Lisa McClain forderte eine Entschuldigung bei Amerika sowie bei den Opfern und ihren Familien. US-Botschafter Pete Hoekstra warnte, ein Versäumnis, radikale und terroristische Ideologien zu erkennen, gefährde die gemeinsame Sicherheitspartnerschaft.

So eskalierte der Streit

Die Kontroverse spannte einen Bogen von der ersten Veröffentlichung bis zur Rücknahme. Sie traf zudem auf ohnehin angespannte Beziehungen zwischen Washington und Ottawa – auch wegen des laufenden Zollstreits. CBC erhält im Haushaltsjahr 2025/26 über 1,5 Milliarden kanadische Dollar an Steuergeldern.

Die Eskalation im Überblick

  1. Oktober 2023
    CBC erklärt zurückhaltende Terrorismus-Begriffe

    CBC-Chefredakteur Brodie Fenlon veröffentlicht einen Editor's Blog zur Praxis, Begriffe wie Terrorist nur mit Quellenzuschreibung zu verwenden.

  2. August 2026 (Woche ab 24.08.)
    Interner Vermerk wird geleakt

    Der Toronto-Sun-Kolumnist Warren Kinsella berichtet zuerst über die Anweisung von Basem Boshra.

  3. 26. August 2026
    FBI-Direktor kritisiert CBC

    Kash Patel äußert sich öffentlich ablehnend zur Sprachregelung.

  4. 28. August 2026
    Rücknahme am Freitag

    US-Botschafter Pete Hoekstra kritisiert CBC am Morgen. Am selben Tag veröffentlicht CBC den neuen Editor's Blog.

  5. 29. August 2026
    US-Medien berichten

    Die New York Post meldet die Rücknahme. Ein Militärrichter verwirft das Geständnis von Chalid Scheich Mohammed.

Kontext: Ein tödlicher Anschlag

Beim Anschlag vom 11. September 2001 töteten 19 Al-Qaida-Entführer fast 3.000 Menschen. Das FBI stuft ihn als tödlichsten Terroranschlag der US-Geschichte ein; auch die kanadische Regierung führt Al-Qaida als terroristische Vereinigung. Dass CBC die direkte Zuschreibung nun wieder erlaubt, soll nach Angaben des Senders ein „Hindernis für Klarheit und öffentliches Verständnis“ beseitigen.

Die Rücknahme beendet den Streit nicht vollständig: Kritiker werfen dem Sender vor, erst nach massivem Druck aus den USA eingelenkt zu haben. Die Ankündigung, weiterhin Quellen zu nennen, lässt Raum für neue Auseinandersetzungen.