Reichinnek knüpft Duldung an klare Haushaltszusagen – CDU zögert
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verlangt Heidi Reichinnek von der CDU klare Haushaltszusagen, sollte sie auf die Duldung der Linken angewiesen sein. Die AfD liegt in Umfragen bei 42 Prozent.
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erhöht die Linke den Druck auf die CDU. Fraktionschefin Heidi Reichinnek verlangt klare Haushaltszusagen, bevor ihre Partei eine CDU-geführte Minderheitsregierung duldet. Wie t-online berichtet, sagte Reichinnek der Augsburger Allgemeinen: „Wir werden mit niemandem zusammenarbeiten, der am Ende AfD-Politik umsetzen will.“
Reichinneks Forderungen müssten sich „klar im Haushalt niederschlagen, denn dort wird es für den Alltag der Menschen konkret“. Konkrete Summen oder Projekte nannte sie zunächst nicht; den Ball sieht sie bei der Union: „Der Ball liegt bei der Union.“ Damit setzt sie die CDU unter Zugzwang, die eine Zusammenarbeit mit der Linken offiziell ausschließt.
Sachsen als Vorbild
Als Modell verwies Reichinnek auf das Nachbarland Sachsen. Dort regiert Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ohne eigene Mehrheit und stimmt sich in einem Konsultationsmechanismus mit allen Fraktionen außer der AfD ab. Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow hatte die CDU zuletzt ebenfalls zu einer Zusammenarbeit mit der Linken gedrängt.
„Dass die Union ihre Brandmauer zur Linken weiter hochzieht, während sie die zur AfD Stück für Stück zertrümmert, sagt ja auch eine Menge über diese Partei aus“
Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag
Umfrage: AfD bei 42 Prozent
Laut einer Infratest-dimap-Umfrage im Auftrag der ARD kommt die AfD auf 42 Prozent, die CDU auf 22, die Linke auf 11, die SPD auf 8 und die Grünen auf 6 Prozent. BSW (4 Prozent) und FDP (3 Prozent) würden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen wäre damit rechnerisch auf die Duldung der Linken angewiesen.
Sonntagsfrage Sachsen-Anhalt (August 2026)
Quelle: Infratest dimap
CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Sven Schulze ließ in der MDR-Wahlarena offen, ob die CDU im Fall einer Minderheitsregierung auf Unterstützung der Linken setzen würde. Er verwies darauf, zunächst das eigene Wahlergebnis verbessern zu wollen. Der JU-Landeschef Nico Elsner sprach sich gegen eine Koalition mit der AfD aus, wollte aber im Parlament inhaltlich mit ihr zusammenarbeiten.
„Ich werde mich niemals von irgendjemandem abhängig machen“
Sven Schulze, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt (CDU)
Reichinnek attackiert Bundesregierung
Der Bundesregierung gibt Reichinnek eine Mitschuld an den starken AfD-Werten. Sie verweist auf Angriffe auf den Acht-Stunden-Tag, die gesetzliche Rente sowie steigende Kosten bei Gesundheit und Pflege. Zudem kritisiert sie die Kabinettsklausur in Neuhardenberg scharf.
„Aber dass die Bundesregierung in einer Situation, in der die Menschen auf dringend notwendige Entlastungen warten, zu einer teuren Kaffeefahrt mit offenem Brainstorming zusammenkommt, grenzt an Arbeitsverweigerung“
Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag
Der Frust wachse, weil sich viele Menschen von der Politik nicht mehr gehört fühlten. Konkrete Entlastungen blieben aus, während die AfD von dieser Stimmung profitiere.
Entscheidung am 6. September
Am 6. September entscheidet sich, ob die CDU eine Minderheitsregierung anführen kann und ob die Linke sie toleriert. Reichinnek hat die Bedingungen benannt – nun muss die Union antworten.