Imam warnt vor AfD – Berliner Moschee wird erneut Wahllokal
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Wahl 2026

Imam warnt vor AfD – Berliner Moschee wird erneut Wahllokal

Die Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf dient bei der Abgeordnetenhauswahl erneut als Wahllokal. Imam Scharjil Khalid warnt vor der AfD und fordert die Parteien auf, Muslime als Verbündete zu betrachten.

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Die Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf wird am 20. September 2026 zum zweiten Mal als offizielles Wahllokal genutzt. Wie die dpa berichtet, richtet die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) in einem Konferenzraum auf dem Gelände erneut eine Wahlkabine ein – erstmals war das bei der Europawahl 2024 der Fall. Die Moschee gilt damit als wohl einziges islamisches Gotteshaus in Berlin, in dem gewählt werden kann.

Imam Scharjil Khalid warnt vor der AfD. Der 32-Jährige, seit 2022 Mitglied der Deutschen Islamkonferenz, sagte dem Tagesspiegel, das Erstarken der Partei bereite ihm Sorgen. Er befürchte finanzielle Nachteile durch gestrichene Förderungen und wachsenden Druck auf Muslime – was wiederum ein neues Aufkeimen radikaler Gruppierungen begünstigen könne.

Die Gemeinde gehört zur Ahmadiyya Muslim Jamaat, einer islamischen Reformbewegung mit Kalif als religiösem Oberhaupt. Sie ist die einzige muslimische Gemeinschaft in Deutschland mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Kritiker verweisen jedoch auf eine streng islamische Gemeindepraxis.

Imam: AfD-Methode ist perfide und zynisch

Khalid richtete im dpa-Interview einen Appell an alle Parteien außer der AfD. Die Berliner Muslime sollten als Wähler zur Stärkung der Demokratie und nicht als Feindbild betrachtet werden. Der Kampf gegen den Islamismus lasse sich nur zusammen mit Moscheegemeinden und Verbänden führen, nicht gegen sie.

Gegenüber der Berliner Zeitung sagte Khalid mit Blick auf die Demografie: „Die Methode der AfD, muslimische Migranten anzusprechen, ist perfide und zynisch.“ Die Partei unterscheide zwischen länger in Deutschland lebenden und neu eingewanderten Migranten und lenke Ressentiments vor allem auf Neuankömmlinge. Die AfD sei in islamischen Kreisen kein Randphänomen mehr – jeder Muslim kenne einen anderen, der die AfD wählt oder sich zumindest mit dem Gedanken trägt.

Die Politik muss Muslime als Verbündete betrachten, nicht als Gegner.
Scharjil Khalid, Imam der Khadija-Moschee

Khalid warnte, wachsender Druck auf Muslime und gestrichene Förderungen könnten ein neues Aufkeimen radikaler Gruppierungen begünstigen. Die Bekämpfung des Islamismus sei nur gemeinsam mit den Gemeinden möglich.

Kritik an der Ahmadiyya-Gemeinde

Die junge Freiheit rahmt den Vorgang scharf kritisch. Das Blatt verweist darauf, dass die AMJ trotz Selbstbeschreibung als eine der fortschrittlichsten Glaubensrichtungen eine streng islamische Praxis pflege: Männer und Frauen beteten getrennt und gäben sich nicht die Hand, das Kopftuch werde in AMJ-Materialien als Zeichen von Würde, Keuschheit und Treue zum Ehemann erklärt.

Zudem erinnert die Zeitung an einen 2007 gelöschten AMJ-Online-Beitrag, wonach Schweinefleischverzehr zu Homosexualität führe. Nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 habe Khalid vor allem die israelische Reaktion kritisiert und Israel vorgeworfen, mit mörderischem Rassismus zu agieren und gezielt Zivilisten zu töten.

Die Khadija-Moschee und die AMJ

  1. 2007
    Skandal um Online-Beitrag

    Kurz vor der Einweihung der Moschee fällt die AMJ durch einen Beitrag auf, der Schweinefleischverzehr mit Homosexualität verknüpft; der Text wird später gelöscht.

  2. 2022
    Khalid in Islamkonferenz

    Scharjil Khalid wird Mitglied der Deutschen Islamkonferenz.

  3. 7. Oktober 2023
    Kritik an Israel

    Nach dem Hamas-Massaker kritisiert Khalid vor allem die israelische Reaktion.

  4. 2024
    Erstmals Wahllokal

    Bei der Europawahl wird die Moschee erstmals als Wahllokal genutzt.

  5. 20. September 2026
    Abgeordnetenhauswahl

    In der Khadija-Moschee wird gewählt.

Wahlappell und Umfragen

Khalid rief die Gemeinde auf, zur Wahl zu gehen. Über Internet, Plakate und die Freitagspredigt will die Gemeinde in den letzten Tagen vor der Wahl zur Wahlbeteiligung aufrufen. Nach einer Umfrage wollten bundesweit elf Prozent der muslimischen Wahlberechtigten die AfD wählen.

Bei den Berliner Muslimen liegen laut Khalid SPD, Linke und CDU mit jeweils über 20 Prozent vorn, erst danach folgen AfD und Grüne mit rund bzw. unter zehn Prozent. Die Linke lag in Umfragen zur Abgeordnetenhauswahl zuletzt vorn.

Der Imam bezeichnete die demografische Entwicklung als Grund zur Zuversicht: „Wenn wir uns die demographische Entwicklung anschauen, dann muss man ganz klar feststellen, dass Muslime die Zukunft dieses Landes darstellen.“ Die AfD-Methode, muslimische Migranten anzusprechen, nannte er perfide und zynisch.

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Ausblick

Die Wahl am 20. September wird zeigen, ob der Appell des Imams Gehör findet und wie sich die muslimische Wählerschaft entscheidet. Die Gemeinde zählt 800 eingetragene Mitglieder, in Berlin leben mehr als 400.000 Muslime.

Die Debatte um das Wahllokal in der Moschee dürfte weitergehen: Befürworter sehen es als Zeichen der Integration, Kritiker verweisen auf die strengen Regeln der Gemeinde. Khalid selbst wertet die erneute Nutzung als Zeichen von Normalisierung und Gleichstellung von Religionsgemeinschaften.