Polen lässt größtes Kriegsschiff zu Wasser – Fregatte „Wicher“ getauft
Polen hat die Fregatte „Wicher“ zu Wasser gelassen – das größte Kriegsschiff, das je in dem Land gebaut wurde. Sie trägt bis zu 128 Flugabwehrraketen und ist ein klares Signal an Russland.
Mit einer 7.000 Tonnen schweren Fregatte zeigt Polen Russland, wozu seine Werften inzwischen fähig sind. Am 13. August 2026 ließ die Marinewerft PGZ Stocznia Wojenna den Neubau „Wicher“ in der Danziger Bucht zu Wasser – das größte Kriegsschiff, das je in Polen gebaut wurde.
Schon am 12. August 2026 war das Schiff in Gdynia offiziell getauft worden. Taufpatin war Agata Ziemiańska, Ehefrau des Marineinspekteurs Vizeadmiral Jarosław Ziemiański. Staatspräsident Karol Nawrocki, Ministerpräsident Donald Tusk und PGZ-Chef Adam Leszkiewicz verfolgten die Zeremonie.
Einen Tag später, am 13. August, schwamm die „Wicher“ um 13.07 Uhr erstmals frei auf. Dafür zog ein Schleppverband die Fregatte auf einer halb absenkbaren Barge aus dem Hafen und flutete deren Ballasttanks. Um 6.10 Uhr hatte die Barge die Mole passiert, kurz nach 16 Uhr kehrte das Schiff in das Werftbecken zurück.
Größtes Kriegsschiff der polnischen Marine
Die Fregatte ist rund 138,7 Meter lang und 20 Meter breit. Voll beladen verdrängt sie etwa 7.000 Tonnen – deutlich mehr als die beiden alten Fregatten der Oliver-Hazard-Perry-Klasse, die sie ersetzen soll. Beim Stapellauf wog der noch unfertige Rumpf 3.707 Tonnen.
Angetrieben wird das Schiff von vier Dieselmotoren des Typs Rolls-Royce Solutions MTU 20V8000 M71 mit zusammen 33,6 Megawatt Leistung. Mehr als 26 Knoten Höchstgeschwindigkeit und rund 8.000 Seemeilen Reichweite sind möglich.
Die Besatzung soll 120 Personen umfassen, insgesamt bietet die Fregatte Platz für 187. Am Heck sind Landedeck und Hangar für einen 16-Tonnen-Hubschrauber vorgesehen.
Alte und neue Fregatten im Vergleich
Quelle: Naval News/Focus, 2026
Bewaffnung: bis zu 128 Flugabwehrraketen
Wie Euronews erläutert, basiert die Fregatte auf dem britischen Entwurf Arrowhead 140 des Rüstungskonzerns Babcock. Auf derselben Plattform entstehen auch die Fregatten des Typs 31 für die britische Royal Navy.
Zur Ausrüstung gehören vier Mk-41-Vertikalstartmodule mit je acht Zellen. Mit Adaptern lassen sich daraus bis zu 128 Flugabwehrraketen vom Typ CAMM (Sea Ceptor) abfeuern – ein entscheidender Unterschied zu den alten US-Fregatten.
Hinzu kommen acht Seezielflugkörper NSM Block 1A, ein 76,2-mm-Geschütz Leonardo OTO Super Rapid Strales und zwei 35-mm-Nahbereichsabwehrsysteme AM-35. Zur U-Boot-Abwehr dienen zwei Starter für Eurotorp-MU90-Torpedos.
So entsteht die neue Fregatte
16. August 2023
Stahlschnitt für die „Wicher“
Die Arbeiten an der ersten Miecznik-Fregatte beginnen bei PGZ Stocznia Wojenna.
31. Januar 2024
Kiellegung der „Wicher“
Der Bau des Rumpfs startet.
12. August 2026
Taufe in Gdynia
Agata Ziemiańska tauft das Schiff auf den Namen „Wicher“.
13. August 2026
Stapellauf
Um 13.07 Uhr schwimmt die Fregatte frei in der Danziger Bucht auf.
2029
Geplante Übergabe
Nach Seetests soll die „Wicher“ noch 2029 in die polnische Marine aufgenommen werden.
Miecznik-Programm kostet fast 15 Milliarden Złoty
Das Miecznik-Programm begann 2013 deutlich kleiner: Zunächst waren Korvetten von etwa 2.000 Tonnen geplant. 2019 entschied Warschau, stattdessen große Mehrzweckfregatten für Ostsee, Küstenüberwachung, U-Boot-Abwehr und Nato-Einsätze zu bauen.
Den Vertrag über drei Fregatten unterzeichnete die Rüstungsinspektion im Juli 2021 mit dem Konsortium PGZ Miecznik. Ursprünglich veranschlagte rund 8 Milliarden Złoty stiegen durch Nachträge auf fast 15 Milliarden Złoty – umgerechnet rund 3,4 bis 3,5 Milliarden Euro, wie die Berliner Zeitung berichtete.
Für die Schwesterschiffe „Burza“ und „Huragan“ laufen die Arbeiten parallel. Die „Burza“ ist bereits im Bau, die „Huragan“ soll im November 2026 auf Kiel gelegt werden. Ausgeliefert werden sollen die drei Fregatten 2029, 2030 und 2031.
„größte Armee Europas“
Donald Tusk, Ministerpräsident Polens
Aufrüstung als Signal an Russland
Laut dem finnischen Fachportal „Tekniikka & Talous“ gilt der Stapellauf als „Machtsignal an Russland“ – ein Eindruck, den die Regierung in Warschau nicht dementiert. Im Staatshaushalt 2026 sind einschließlich des Streitkräfte-Unterstützungsfonds 200,1 Milliarden Złoty für Verteidigung vorgesehen – rund 4,81 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine 2022 hat Polen seine Streitkräfte massiv ausgebaut. Derzeit umfassen sie rund 220.000 Soldaten, geplant sind 300.000 aktive Kräfte plus 200.000 Reservisten.