Am Umspannwerk Turnow-Preilack wurden Dutzende selbstgebaute Spreng- und Brandvorrichtungen gefunden. Brandenburgs Innenminister spricht von einem Sabotageakt – die Ermittlungen laufen in alle Richtungen.
Am Dienstagmorgen, dem 1. September 2026, sind am Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße zahlreiche selbstgebaute Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt worden, wie rbb24 berichtet. Das Umspannwerk liegt unweit des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde und speist den dort erzeugten Strom ins Übertragungsnetz von 50Hertz ein. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) sprach von einem „Sabotageakt“.
Ziel des Anschlags war nach Angaben Redmanns, leitfähiges Material in die Hochspannungsleitungen zu schießen, um einen Kurzschluss und einen Versorgungsausfall zu provozieren. In zwei Fällen gelang dies, wie die Welt berichtet. Infolge einer Sicherheitsabschaltung fiel der Kraftwerksblock B technisch aus; die allgemeine Stromversorgung blieb nach Angaben von 50Hertz ununterbrochen.
Chronologie des Anschlags
1. September 2026, 7:30 Uhr
Versuch, leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen zu schießen
In zwei Fällen kommt es zum Kurzschluss; Kraftwerksblock B schaltet sich per Sicherheitsmaßnahme ab.
1. September 2026, 8:00 Uhr
Polizei stellt Sachbeschädigung fest
Entschärfer rücken an, das LKA Brandenburg übernimmt die Ermittlungen.
1. September 2026, Vormittag/Nachmittag
Zahlreiche Vorrichtungen gefunden
Die Polizei spricht zunächst von mindestens einer Detonation; die Zahl der Funde steigt.
1. September 2026, später Nachmittag
Pressekonferenz der Landesregierung
Innenminister Redmann spricht von einem „Sabotageakt“ und „zu diesem Zweck hergestellten Raketen“.
1. September 2026, Abend
Block soll wieder ans Netz
Leag-Chef Adolf Roesch kündigt Wiederinbetriebnahme von Block B an; 50Hertz meldet alle Leitungen wieder in Betrieb.
Widersprüchliche Angaben zu den Vorrichtungen
Die Darstellung der Fundstücke blieb am Dienstag uneinheitlich. Der Netzbetreiber 50Hertz erklärte, die versuchte Sachbeschädigung sei nach bisherigen Erkenntnissen durch selbstgebaute Flugkörper erfolgt, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln. Innenminister Redmann widersprach deutlich. Die Polizei sprach zunächst von kleinen, selbstgebastelten Sprengvorrichtungen und mehreren unkonventionellen Brand- und Sprengvorrichtungen.
„Das waren ganz sicher keine Silvesterraketen, sondern Raketen, die zu diesem Zwecke hier hergestellt wurden.“
Jan Redmann, Innenminister Brandenburg (CDU)
Auch die Frage, ob es zu einer Detonation kam, blieb zunächst widersprüchlich. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Potsdam hatte von mindestens einer Detonation gesprochen, während Redmann erklärte, eine Detonation eines Sprengsatzes sei bislang nicht bestätigt. Ein beobachteter Feuerball sei vermutlich ein Kurzschluss in einer Höchstspannungsleitung gewesen, der ins Erdreich ging.
Reaktionen aus Potsdam
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) verurteilte den Anschlagsversuch. Niemand sei zu Schaden gekommen. Er betonte, die hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeige, dass Brandenburg seine Infrastrukturen entschlossen schützen müsse.
„Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen.“
Dietmar Woidke, Ministerpräsident Brandenburg (SPD)
Auch Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) sprach von einem Anschlag: „Der Anschlag auf die Infrastruktur in Jänschwalde ist ein Angriff auf die Sicherheit und die Lebensgrundlagen der Menschen in Brandenburg und darüber hinaus.“ Der Kraftwerksbetreiber Leag ging ebenfalls von einem Anschlag aus. Der Bürgermeister von Turnow-Preilack, René Sonke, sagte der Zeit, es habe an dem Umspannwerk noch nie Zwischenfälle gegeben.
Täter und Motiv unklar
Täter und Motiv sind bislang unbekannt. Innenminister Redmann sagte, die Ermittlungen liefen in alle Richtungen. Er verwies auf frühere Anschläge aus dem linksextremen Spektrum – im Juli bekannten sich die linksextremen „Angry Birds“ zu einem Brandanschlag auf die Bahnstrecke Köln – Düsseldorf. Zugleich schloss Redmann fremde Mächte oder bislang unbekannte Dritte nicht aus. 50Hertz bat die Bevölkerung im gesamten Netzgebiet um erhöhte Aufmerksamkeit.
In den vergangenen Monaten gab es mehrfach Anschläge auf die Stromversorgung im Großraum Berlin. Im Januar 2026 zündeten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen im Südwesten Berlins an; rund 45.000 Haushalte waren tagelang ohne Strom. Ob es Zusammenhänge mit dem aktuellen Vorfall gibt, ist unklar.