Anschlag auf Umspannwerk Bergheim: Polizei spricht von vorsätzlicher Tat
Nach dem Kurzschluss am Umspannwerk Bergheim-Rheidt ermittelt die Polizei wegen Sabotage. Fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke von RWE fielen aus – die allgemeine Stromversorgung blieb stabil.
Ein mutmaßlicher Anschlag auf ein Umspannwerk in Bergheim-Rheidt hat am späten Dienstagabend fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz gerissen. Die Polizei geht inzwischen von einer vorsätzlichen Tat aus – nicht von einem technischen Defekt.
Gegen 20 Uhr wurde die Polizei wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk des Übertragungsnetzbetreibers Amprion gerufen, wie die Tagesschau berichtet. Durch einen Kurzschluss fielen mehrere Leitungen aus; Anwohner berichteten von Blitzen und Explosionen, ein Hubschrauber kreiste über der Anlage.
Noch am späten Abend übernahm das Polizeipräsidium Essen die Einsatzleitung und die Ermittlungen. In der Nacht trafen Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei ein; die Spurensicherung gestaltete sich in der Dunkelheit zunächst schwierig.
Vorsätzliche Tat statt technischer Defekt
Die Ermittler schließen eine Panne aus. „Wir gehen nach aktuellem Ermittlungsstand nicht von einem technischen Defekt, sondern von einer vorsätzlichen Tat, einer Straftat, aus“, sagte ein Sprecher der Polizei Essen.
„Wir gehen nach aktuellem Ermittlungsstand nicht von einem technischen Defekt, sondern von einer vorsätzlichen Tat, einer Straftat, aus.“
Sprecher der Polizei Essen
Ob ein Zusammenhang mit dem Sabotageversuch nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg besteht, werde geprüft. Für eine belastbare Einschätzung sei es jedoch noch zu früh, sagte ein Polizeisprecher dem WDR.
Fünf RWE-Blöcke mit 4200 Megawatt vom Netz
Infolge der Störung wurden Kraftwerkszuleitungen im nahegelegenen Rommerskirchen beeinträchtigt, sodass es zu Anlagenausfällen bei RWE Power kam. RWE teilte mit, fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke im Rheinischen Revier mit einer Kapazität von 4200 Megawatt seien vom Netz gegangen.
Kraftwerk Niederaußem: Blöcke H, G und K
Kraftwerk Neurath: Blöcke G und F
Die Blöcke speisten zum Zeitpunkt des Vorfalls insgesamt rund 3000 Megawatt benötigte Leistung ins Netz ein. Amprion bestätigte, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Fremdeinwirkung auszugehen sei, betonte aber: „Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet“, wie die Zeit berichtet.
Chronologie der Nacht
1. September 2026, 20:00 Uhr
Störung im Umspannwerk
Kurzschluss legt mehrere Leitungen lahm; Anwohner berichten von Blitzen und Explosionen.
1. September 2026, später Abend
Polizei Essen übernimmt
Bereitschaftspolizei trifft ein, Spurensicherung beginnt.
2. September 2026, Morgen
Erster Block wieder am Netz
Niederaußem Block H geht wieder in Betrieb; zwei weitere Blöcke sollen im Tagesverlauf folgen.
Angriffe auf Strominfrastruktur häufen sich
Der Vorfall in Bergheim reiht sich in eine Serie von Angriffen auf die deutsche Strominfrastruktur ein. Im Januar 2026 legte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke zu einem Heizkraftwerk im Südwesten Berlins die Stromversorgung tagelang lahm; mutmaßlich linksextreme Täter hatten Starkstromleitungen angezündet.
Am Dienstagmorgen, dem 1. September, hatten Unbekannte nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Südbrandenburg versucht, Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen – in zwei Fällen gelang dies. Nach Angaben des Netzbetreibers 50Hertz kamen dabei selbstgebaute Flugkörper zum Einsatz, die Silvesterraketen ähneln.
Amprion ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland und betreibt ein rund 11.000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz. Das Umspannwerk in Bergheim liegt nur wenige Hundert Meter vom RWE-Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem entfernt.