Sandra Hüller identifiziert sich nicht als Deutsche – und spricht von Verantwortung
Im SZ-Interview sagt die Schauspielerin, sie identifiziere sich nicht als Deutsche, sondern als „thüringische Europäerin“. Zugleich betont sie: Wer in Deutschland geboren ist, trage Verantwortung. Ihr neuer Film „Vaterland“ startet am Donnerstag.
Sandra Hüller will nicht als Deutsche gelten – und sagt es ausgerechnet in einem Interview über einen Film, der die deutsche Vergangenheit aufarbeitet. In der Süddeutschen Zeitung formuliert die 48-Jährige eine klare Selbstverortung.
„Ich persönlich identifiziere mich nicht als Deutsche. Ich würde sagen, ich sehe mich als thüringische Europäerin oder europäische Thüringerin.“
Sandra Hüller, Schauspielerin
Als Grund nennt sie ihre internationale Karriere: Sie werde immer wieder mit ihrer deutschen Herkunft konfrontiert. Viele Gespräche drehten sich um deutsche Politik in Vergangenheit und Jetztzeit, berichtet n-tv.
Verantwortung trotz Distanz
Trotz der Distanz zur Selbstbezeichnung „Deutsche“ fühlt sich Hüller ihrem Geburtsland verpflichtet. „Wenn man in diesem Land geboren ist, trägt das eine Verantwortung in sich. Die kann man nicht einfach ignorieren“, sagt sie.
Doch diese Verantwortung hat für sie Grenzen. Auf den hohen AfD-Anteil in ihrem Heimatbundesland Thüringen angesprochen, sagt Hüller laut SPIEGEL: „Ich kann mich nicht jedes Mal für Thüringen und irgendwelche Wahlentscheidungen rechtfertigen.“
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Kein Schatten über Thüringen
Angesprochen auf den hohen AfD-Anteil in ihrem Heimatbundesland weigert sich Hüller, einen Schatten über Thüringen anzuerkennen. Sie sei oft dort, weil Teile ihrer Familie dort lebten.
„Ich weigere mich, anzuerkennen, dass da ein Schatten drüber liegt. Ich glaube, dass Thüringen mehr kann als das.“
Sandra Hüller, Schauspielerin
Das Wort „Heimat“ benutzt Hüller kaum, wie der SPIEGEL schreibt. Sie habe dazu keinen wirklichen Bezug, der Begriff sei politisch aufgeladen. Thüringen bleibt für sie dennoch Anker – „der Wald dort oder die Menschen, das Essen“.
Vom DDR-Kind zum internationalen Star
Hüller wurde 1978 in Suhl geboren und wuchs nahe Rudolstadt auf. Auf die Frage, ob sie nach Hause kommen könne, antwortet sie: „Das geht nicht, das Land existiert ja nicht mehr.“ In Anspielung auf eine Szene mit einem Kinderchor im Film „Vaterland“ erinnert sie sich an das Singen der DDR-Nationalhymne.
Regisseur Pawel Pawlikowski habe es geschafft, „diese Euphorie, diesen Enthusiasmus des Anfangens einzufangen“, sagt Hüller laut t-online.
Sandra Hüllers Weg
1978
Geburt in Suhl
Sandra Hüller wird in Suhl (Thüringen) geboren und wächst nahe Rudolstadt auf.
2016
Internationaler Durchbruch
Mit Maren Ades Komödie „Toni Erdmann“ wird Hüller international bekannt.
2023
Zwei Erfolgsfilme
Mit „The Zone of Interest“ und „Anatomie eines Falls“ ist sie in zwei internationalen Hits zu sehen; für „Anatomie eines Falls“ gewinnt sie den César.
2024
Oscar-Nominierung
Für „Anatomie eines Falls“ wird sie als beste Hauptdarstellerin für den Oscar nominiert.
Cannes 2026
Weltpremiere „Vaterland“
Der Film erhält minutenlange Standing Ovations und Pawlikowski den Preis für die beste Regie.
3. September 2026
Kinostart in Deutschland
„Vaterland“ läuft in den deutschen Kinos an.
Warnung vor dem „Exportartikel Faschismus“
In der Filmbranche werde sie vor allem als Deutsche wahrgenommen, sagt Hüller. Wiederholt seien ihr Rollen mit entsprechendem Bezug angeboten worden. Dabei könne es „leicht passieren, dass man zum Produkt wird“.
Dann sei das „Faschisten-Spielen oder das Faschist-sein-Können“ ein Exportartikel – und das finde sie „irgendwie nicht richtig“, wird sie von BUNTE zitiert.
In „Vaterland“ verkörpert Hüller Erika Mann, die Tochter von Thomas Mann. Die Schwarz-Weiß-Produktion erzählt von der Reise der beiden durch das zerstörte Deutschland im Jahr 1949 und startet am Donnerstag in den Kinos.