Hamburgs neues Designhotel wird Flüchtlingsunterkunft – Investor spricht von Zerstörung
Seit dem 1. September dient das erst im Mai eröffnete Designhotel „The Niu Quay“ im Harburger Binnenhafen als Flüchtlingsunterkunft. Investor Ingo Mönke und Bezirkspolitiker sind empört – die Sozialbehörde verweist auf überfüllte Unterkünfte und 103 Prozent Auslastung.
Seit dem 1. September dient das erst im Mai 2026 eröffnete Designhotel „The Niu Quay“ im Harburger Binnenhafen nicht mehr als Hotel, sondern als Flüchtlingsunterkunft. 340 Menschen – überwiegend Geflüchtete aus der Ukraine – sollen in den 146 Zimmern und 20 Apartments unterkommen, die zuvor als „Holiday Inn – the niu Quay“ von der Novum Hospitality Group betrieben wurden. Wie die WELT berichtet, bestätigte die Hamburger Sozialbehörde die Anmietung am 2. September.
Die Stadt hat das Haus über ihr städtisches Unternehmen „Fördern und Wohnen“ angemietet. Es ist eines von neun Hotels der Novum Hospitality Group, die Hamburg derzeit zur Unterbringung nutzt. Die Anmietung ist zunächst bis Ende Dezember 2026 befristet; ab Januar 2027 soll die Belegung schrittweise zurückgefahren und spätestens bis Juni 2027 vollständig beendet werden.
Die Sozialbehörde begründet den Schritt mit Platzmangel: Die öffentlich-rechtliche Unterbringung ist nach ihren Angaben mit rund 103 Prozent ausgelastet, gleichzeitig schließen drei große Standorte mit zusammen rund 1.700 Plätzen – darunter die Fegro-Halle mit 650 Plätzen.
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Empörung im Quartier – Investor spricht von Zerstörung
Der prominenteste Kritiker ist Ingo Mönke, Inhaber des Paletten-Service Hamburg und Eigentümer großer Teile des Areals rund um das Hotel. Er hatte das Grundstück einst an die Novum Hospitality Group für den Hotelbau verkauft und nach eigenen Angaben rund 60 Millionen Euro in die Umgebung investiert – Restaurants, Büros, Kulturangebote.
Mönke kritisiert nicht die Unterbringung von Geflüchteten an sich – in der Nähe existiert bereits ein Containerdorf mit über 500 Bewohnern, für das seine Familie Weihnachtsfeiern und Sommerfeste ausgerichtet hat. Er fragt jedoch: „Wo sollen die Kinder spielen? Wo sollen sie zur Schule gehen?“ und wirft der Stadt vor, etablierte Unterkünfte zu schließen, während ein neues Hotel belegt wird.
„Das Konzept aus Hotel und Gastronomie griff ineinander. Und jetzt zerstört es einer – und der Steuerzahler zahlt das.“
Ingo Mönke, Investor & Grundeigentümer, Harburg
Auch aus der Bezirkspolitik kommt parteiübergreifende Kritik. Rainer Bliefernicht (CDU-Fraktionsvorsitzender) sagte dem NDR, viele Harburger fühlten sich vor den Kopf gestoßen; die Umnutzung sei eine schlechte Nachricht für Restaurants und Läden. Frank Richter (SPD-Co-Fraktionsvorsitzender) sagte: „Ich bin verärgert.“ Dirk Kannengießer (FDP-Fraktionschef) verwies auf einen Widerspruch in der Hamburger Flüchtlingspolitik: Einerseits wolle der Senat die teure Hotelunterbringung reduzieren, andererseits werde nun ein neu eröffnetes Hotel praktisch vollständig belegt.
Kosten, Auslastung und der Zeitplan
Für Hotelunterbringungen zahlte Hamburg 2025 durchschnittlich 82 Euro pro Person und Tag inklusive Verpflegung. Die für das „Niu Quay“ vereinbarten Konditionen sollen sich laut Sozialbehörde in diesem Bereich bewegen. Rechnerisch entspräche das bei 340 Plätzen rund 27.880 Euro pro Tag und rund 836.000 Euro in 30 Tagen. Die tatsächlichen Gesamtkosten veröffentlichte die Stadt nicht.
Hamburg gab im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 69 Millionen Euro für die öffentliche Unterbringung von Geflüchteten in Hotels aus, wie BILD berichtet. Die SPD hatte laut besser-im-blick angekündigt, derartige Hotelanmietungen aus Kostengründen zurückzufahren.
Chronologie der Umnutzung
Mai 2026
Eröffnung des Designhotels „The Niu Quay“
Das Hotel öffnet im Harburger Binnenhafen.
29. August 2026
Erste Hinweise auf die Umnutzung
Lokale Politik und Anwohner erfahren teils erst am Samstag von der geplanten Unterbringung.
1. September 2026
Beginn als Flüchtlingsunterkunft
Gäste können keine Zimmer mehr buchen; bereits getätigte Buchungen werden storniert.
31. Dezember 2026
Ende der ersten Anmietungsphase
Die zunächst vereinbarte Befristung läuft aus.
Juni 2027
Spätestens vollständige Beendigung
Die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft soll bis dahin abgeschlossen sein.
Was jetzt auf Harburg zukommt
Bezirksamtsleiter Christian Carstensen räumte ein, von dem Deal zuvor nichts gewusst zu haben: „Bisher ist mir davon nichts bekannt gewesen und im Bezirksamt wohl auch sonst niemandem.“
Ein förmliches Anhörungsverfahren wurde nicht durchgeführt. Die Stadt begründet dies damit, dass es sich nicht um einen neuen regulären Standort der öffentlich-rechtlichen Unterbringung handele, sondern um eine zeitlich befristete Anmietung von Hotelplätzen in einem laufenden Betrieb. Das Hamburger Bezirksverwaltungsgesetz verlangt laut NDR eigentlich eine Anhörung der Bezirksversammlung.
SPD-Bürgerschaftsabgeordneter Sören Schumacher nannte die Situation „schwierig“ und erwartet, dass die Behörde die Bürger zeitnah informiert. Michael Sander (Grünen-Co-Fraktionschef) sieht dagegen auch Positives: Die Unterbringungsbedingungen an den nun schließenden Standorten seien für Geflüchtete ohnehin nicht gut gewesen; „Wenn jetzt das Hotel als Alternative dazukommt, dann müssen wir das als Bezirk tragen.“
Offen bleibt, ob das Hotel nach Juni 2027 wieder als Designhotel öffnet. Bis dahin prägt die Unterkunft das Quartier – und die Debatte über Kosten und Transparenz dürfte weitergehen.