Amoklauf in Aarau: 43-Jähriger feuerte mehr als 40 Mal mit Kalaschnikow
Bild: KI-generiert
Polizeieinsatz

Amoklauf in Aarau: 43-Jähriger feuerte mehr als 40 Mal mit Kalaschnikow

Nach dem tödlichen Schusswaffenangriff auf einen Techno-Rave in Aarau hat die Polizei die Tat als Amoklauf eingestuft. Der mutmaßliche Täter, ein 43-jähriger Schweizer, feuerte mehr als 40 Mal mit einem Sturmgewehr vom Typ AK-74 auf die Feiernden.

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Die Kantonspolizei Aargau hat die tödliche Schiesserei beim Techno-Rave “Aarau Rave„ offiziell als Amoklauf eingestuft. Der mutmaßliche Täter, ein 43-jähriger Schweizer, feuerte in der Nacht zum 30. August 2026 von außerhalb des Geländes mehr als 40 Mal mit einem Sturmgewehr vom Typ AK-74 auf die Feiernden.

Eine 22-jährige Frau starb noch am Tatort, sechs Menschen wurden verletzt. Die Zahl der Verletzten erhöhte sich von zunächst fünf auf sechs, nachdem sich am Montag eine Person mit Verletzungen durch einen Abpraller meldete. Laut der ersten Bilanz der Tagesschau zur Amoktat lebten alle Opfer in der Schweiz.

Täter stellte sich selbst

Beim Beschuldigten handelt es sich um einen 43-jährigen Schweizer ohne Migrationshintergrund mit Wohnsitz im Kanton Jura. Der frühere Truppenkoch schied 2013 aus der Armee aus und war polizeilich bislang nur durch Bagatelldelikte im Strassenverkehr aufgefallen. Eine Verbindung zum Tatort Aarau sei nicht erkennbar, teilte die Polizei mit.

Knapp 24 Stunden nach der Tat stellte sich der Mann in der Nacht auf Montag bei der Kantonspolizei Jura in Delsberg. Im Fahrzeug führte er zwei Pistolen und das Sturmgewehr AK-74 mit. Alle drei Waffen waren legal auf ihn registriert und vor rund 20 Jahren erworben worden.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit können wir Ihnen sagen, dass der Mann, den wir festgenommen haben, die Person ist, die auf die Besucher dieser Raveparty geschossen hat.
Michael Leupold, Polizeikommandant Kantonspolizei Aargau

Leupold bekräftigte, dass es keine Hinweise auf weitere Tatbeteiligte gebe. Die Polizei gehe von einem Einzeltäter aus; für die Bevölkerung bestehe keine spezifische Gefahr mehr. Das Sicherheitsdispositiv wurde wieder auf Normallage reduziert.

Tathergang und Fahndung

Die Rekonstruktion zeigt: Der Täter fuhr mit seinem Auto zur Schachenstrasse, ging zu Fuss und feuerte von ausserhalb des Geländes wahllos in Richtung der Feiernden. Er wechselte mehrfach Position und Schussrichtung. Wie die SRF-Rekonstruktion des Tathergangs zeigt, gab er anschliessend auf dem Parkplatz mit einer Pistole weitere Schüsse ab, unter anderem auf ein wegfahrendes Auto.

Nach der Tat gingen rund 80 Notrufe ein, es folgten über 100 Hinweise aus der Bevölkerung und mehr als 130 Befragungen in den ersten zwölf Stunden. Eine Zeugenaussage zu einem jurassischen Kontrollschild führte auf die Spur des Täters; anhand von Videoaufnahmen wurde die Zahl infrage kommender Fahrzeuge stark eingegrenzt.

Chronologie der Tatnacht

  1. 29. August 2026
    Rave beginnt

    Der Techno-Rave “Aarau Rave„ startet auf der Pferderennbahn Schachen; rund 3.500 Besucher werden erwartet.

  2. 30. August 2026
    Schüsse in den frühen Morgenstunden

    Gegen 02:30 Uhr feuert der Täter mehr als 40 Schüsse mit einem AK-74 auf die noch rund 100 Anwesenden. Eine 22-jährige Frau stirbt, zunächst fünf Verletzte.

  3. 31. August 2026
    Festnahme

    Kurz vor 01:00 Uhr stellt sich der 43-jährige Schweizer bei der Kantonspolizei Jura in Delsberg; drei Waffen werden sichergestellt.

  4. 2. September 2026
    Medienkonferenz

    Die Polizei stuft die Tat offiziell als Amoklauf ein und nennt Details zu Täter, Waffen und Motivlage.

Motiv unklar – Hinweise auf psychische Störung

Zum Motiv hat sich der Beschuldigte bislang nicht geäussert; er machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Bei der Festnahme gab er an, dass es ihm “seit einiger Zeit gesundheitlich schlecht gehe„ und berichtete von einem “psychischen Leiden„. Staatsanwalt Christoph Rüedi zufolge bestehen Anhaltspunkte für eine psychische Störung, gesicherte Erkenntnisse gebe es aber noch nicht.

Der Beschuldigte konnte im Kanton Jura festgenommen werden, nachdem er sich der Kantonspolizei Jura gestellt hatte. Er berichtete, dass es ihm seit einiger Zeit gesundheitlich schlecht gehe.
Christoph Rüedi, Leitender Staatsanwalt Lenzburg-Aarau

Die Durchsuchung seines Hauses ergab keine Hinweise auf ideologische oder extremistische Hintergründe. Die Polizei ermittelte anfangs in mehrere Richtungen – Amoklauf, Terrortat oder Abrechnung im kriminellen Milieu – und stuft die Tat nun mit hoher Sicherheit als Amoklauf ein.

Das Todesopfer ist eine 22-jährige italienische Staatsbürgerin, die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte sie öffentlich Maria Spinelli. Unter den Verletzten ist eine 24-jährige Deutsche, die von zwei Streifschüssen berichtete. Dem Beschuldigten werden vorsätzliche Tötung, Mord, mehrfache Gefährdung des Lebens sowie Widerhandlungen gegen das Waffengesetz zur Last gelegt; er sitzt in Untersuchungshaft.