Russland bereitet Sabotage gegen dänische Rüstungsindustrie vor
Dänemarks Inlandsgeheimdienst PET schlägt Alarm: Russland plane konkrete Anschläge auf Rüstungsfirmen und rekrutiere dafür gewöhnliche Dänen. Justizminister Wammen nennt die Lage „zutiefst ernst“.
Dänemarks Inlandsnachrichtendienst PET schlägt Alarm: Russische Sicherheitsdienste bereiten nach Erkenntnissen der Behörde aktiv Sabotageakte gegen die Verteidigungsindustrie des Landes vor. Die Planungen seien so konkret, dass der Geheimdienst erstmals an die Öffentlichkeit geht, berichtete die Zeitung Berlingske am Abend des 2. September in dem Interview mit PET-Spionageabwehrchef Emil Græsholm.
Als mögliche Sabotageform nannte Græsholm Brandstiftung. Betroffen seien vor allem Unternehmen, die Militärhilfe für die Ukraine produzieren oder ukrainische Hersteller in Dänemark unterstützen. PET rechnet damit, dass die Bedrohung „in Umfang und Komplexität“ weiter zunimmt.
Græsholm begründete den Schritt an die Öffentlichkeit mit der Konkretheit der Vorbereitungen. Die Auswahl der Ziele sei so weit fortgeschritten, dass eine Warnung notwendig sei, sagte er.
Russland will Ukraine-Hilfe stoppen
Das Hauptziel sei, konkrete Lieferungen für die ukrainische Verteidigung zu stoppen, sagte Græsholm. Gleichzeitig solle Angst verbreitet werden, damit Dänemark die Ukraine nicht weiter unterstützt und die eigene Verteidigungsfähigkeit nicht ausbaut.
Besonders aktiv seien russische Dienste bei der Anwerbung von Zivilisten. Über soziale Medien und Online-Plattformen versuchten sie, gewöhnliche Dänen dazu zu bringen, Fotos oder Videos von Unternehmen und Anlagen zu machen oder Zugänge auszukundschaften – oft ohne Wissen der Betroffenen.
„Das Hauptziel ist, konkrete Lieferungen für die ukrainische Verteidigung zu stoppen. Gleichzeitig soll uns Angst gemacht werden, damit wir die Ukrainer nicht mehr unterstützen und unsere eigene Verteidigungsfähigkeit nicht ausbauen.“
Emil Græsholm, Chef Spionageabwehr, PET
Græsholm sprach von konkreten Beispielen. Die Behörde rät zu Misstrauen, wenn Bürger mit solchen Anfragen konfrontiert werden.
Justizminister: Bedrohung „zutiefst ernst“
Justizminister Nicolai Wammen nannte die Enthüllung „zutiefst ernst“. Russland versuche, Druck auf Dänemark auszuüben, weil das Land die Ukraine aktiv unterstützt. Er beauftragte den Strafrechtsrat, die Regeln zu Einflussnahme und Sabotage zu überprüfen.
Der Industrieverband Dansk Industri kontaktierte relevante Mitgliedsunternehmen und riet, Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen. Rüstungsfirmen wie UXV Technologies und MyDefense verwiesen auf bestehende Sicherheitsprozeduren.
Der sozialdemokratische Verteidigungssprecher Simon Kollerup sagte, bei ihm läuteten „alle Alarmglocken“. Russland versuche, gewöhnliche Dänen für Brandstiftung und Sabotage zu rekrutieren – das sei „potenziell lebensgefährlich“.
Die Vorgeschichte der Sabotagewarnung
8. Mai 2024
PET warnt vor verschärfter Sabotagegefahr
Der dänische Inlandsgeheimdienst erklärt öffentlich, dass die Bedrohung durch physische Sabotage aus Russland in Dänemark verschärft sei.
Dezember 2025
Bedrohung bleibt hoch
Der damalige PET-Chef Finn Borch Andersen nennt die Spionage- und Sabotagebedrohung aus Russland hoch.
2. September 2026
Konkrete Sabotagepläne werden öffentlich
Berlingske veröffentlicht das Interview mit Emil Græsholm über konkrete russische Sabotagevorbereitungen.
3. September 2026
Reaktionen: Wammen spricht von „zutiefst ernst“
Justizminister beauftragt den Strafrechtsrat, der russische Botschafter weist die Vorwürfe zurück.
Moskau weist Vorwürfe zurück
Der russische Botschafter in Dänemark, Vladimir Barbin, wies die PET-Bewertung zurück. Es handele sich um eine „bekannte Praxis“, um die Bevölkerung mit der russischen Bedrohung zu verängstigen und antirussische Haltungen zu schüren. PET lege keine konkreten Beweise vor.
„Es ist eine bekannte Praxis, wenn das Ziel darin besteht, die Bevölkerung mit der russischen Bedrohung zu verängstigen und sie um eine antirussische Haltung zu sammeln.“
Vladimir Barbin, russischer Botschafter in Dänemark
Gleichzeitig nannte Barbin die dänische Ukraine-Politik „unverantwortlich“. Beobachter werten die öffentliche Warnung als neues Niveau: Seniorforscher Flemming Splidsboel hält Brandstiftungen, durchtrennte Kabel oder Sprengstoffanschläge für möglich.
PET arbeitet eng mit dem militärischen Nachrichtendienst FE und der Behörde für Gesellschaftssicherheit zusammen. Die dänischen Behörden wollen Unternehmen und Bevölkerung wachsam halten – ob Russland seine Pläne tatsächlich umsetzt, hängt auch von der Abwehr ab.