Meloni bricht Italiens Regierungsrekord – 1413 Tage im Amt
Am 4. September 2026 ist Giorgia Melonis Kabinett seit 1413 Tagen ununterbrochen im Amt – länger als jede Regierung seit Gründung der Republik. Kritiker werfen ihr Stillstand vor, während von rechtsaußen eine neue Partei an ihrer Koalition sägt.
Giorgia Meloni hat am Freitag, dem 4. September 2026, den Amtszeitrekord der italienischen Republik gebrochen. Ihr Kabinett ist seit genau 1413 Tagen ununterbrochen im Amt – ein Tag mehr als das bisherige Rekordkabinett von Silvio Berlusconi.
Die 49-Jährige Ministerpräsidentin übertrifft damit Berlusconis zweite Regierung (2001 – 2005), die auf exakt 1412 Tage kam. Die Zahlen der Welt zum Amtszeitrekord belegen den Abstand von nur einem Tag.
Seit 1946 hat Italien insgesamt 68 Regierungen verschlissen – im Schnitt eine alle 13 Monate. Melonis Mitte-rechts-Koalition aus Fratelli d'Italia, Lega und Forza Italia hält dagegen seit fast vier Jahren durch – sie wurde am 22. Oktober 2022 als erste Regierung unter einer Frau vereidigt.
Berlusconis Zettel – Melonis Antwort
Ausgerechnet am 15. Oktober 2022, während der konstituierenden Sitzung des Parlaments, hatte der damals 86-jährige Silvio Berlusconi auf einem Zettel für alle sichtbar notiert, Melonis Verhalten sei „anmaßend, selbstherrlich, arrogant, beleidigend“. Den fünften Punkt, „lächerlich“, strich er wieder durch.
„Berlusconi hat auf seinem Zettel noch einen Punkt vergessen: Ich bin auch nicht erpressbar.“
Giorgia Meloni, Ministerpräsidentin Italiens
Die Analyse des Tagesspiegels zu Melonis Nicht-Erpressbarkeit sieht darin den Schlüssel zum Rekord: Meloni hielt Berlusconi und Lega-Chef Matteo Salvini in Schach und blieb auf Kurs, eine volle Legislaturperiode zu absolvieren. Dazu fehlt ihr noch ein Jahr.
Chronik des Rekords
Der Weg zur längsten Regierungszeit seit 1946 hatte mehrere Marksteine.
Regierungszeiten im Vergleich
2001-06-11
Berlusconi II tritt Amt an
Silvio Berlusconis zweite Regierung amtiert bis zum 23. April 2005 und hält mit 1412 Tagen den bisherigen Rekord.
2022-10-15
Berlusconis Zettel
Bei der Parlamentssitzung notiert Berlusconi Kritik an Meloni; sie kontert: „Ich bin auch nicht erpressbar.“
2022-10-22
Meloni wird Ministerpräsidentin
Giorgia Meloni wird als erste Frau in der Geschichte Italiens vereidigt.
2026-09-04
Rekord: 1413 Tage
Melonis Kabinett ist am längsten ununterbrochen im Amt seit Gründung der Republik 1946. Am Abend Kundgebung in Bari.
Meloni: „Große Verantwortung“
Meloni selbst bezeichnete den Rekord als „große Verantwortung“ und nicht als Anlass zum Stolz. Stabilität erlaube einem Land, zu planen und Entscheidungen zu treffen, sagte sie. Sie zählte Beschäftigungsaufbau, sinkende Arbeitslosigkeit und solide öffentliche Finanzen als Erfolge auf.
„Mit beiden Beinen fest auf dem Boden und mit dem Blick in die Zukunft.“
Giorgia Meloni, Ministerpräsidentin Italiens
Am Abend veranstalten die Fratelli d'Italia eine Kundgebung im Hafen von Bari. Meloni will mit dem Linienflugzeug anreisen und ihre Strategie für das verbleibende Mandat skizzieren – im Mittelpunkt stehen Energiemaßnahmen und eine mögliche Steuerreform. Die Partei veröffentlichte ein 28-seitiges Buch mit dem Titel „Stabilere Regierung, stärkeres Italien“.
Kritik und die Gefahr von rechts
Kritiker werfen Meloni vor, aus der langen Amtszeit einen Selbstzweck gemacht zu haben. „La Repubblica“ zählte zuletzt vermeintliche „Flops“ auf: Spannungen mit US-Präsident Donald Trump sowie das Scheitern in einem Referendum über eine Justizreform.
Zugleich überzeugte Meloni die Finanzmärkte von ihrer Haushaltsdisziplin, beendete kostspielige Programme ihrer Vorgänger wie den „Superbonus“ und profilierte sich in Brüssel als verlässliche Partnerin. Der Meinungsforscher Lorenzo Pregliasco sagt: „Ein Grund, warum Meloni vier Jahre an der Macht bleiben konnte, ist, dass sie nicht versuchte, viel zu verändern oder die Wähler zu verärgern.“
Die größte Gefahr für eine zweite Amtszeit kommt von rechtsaußen: Der Ex-General Roberto Vannacci hat mit seiner Partei Futuro Nazionale in Umfragen bereits sieben Prozent erreicht und fischt mit schärferen Tönen bei Einwanderung und Sicherheit im Wählerteich von Melonis Koalition. Die Fratelli d'Italia liegen stabil bei 28 bis 30 Prozent.