Am Freitag, dem 4. September 2026, hat eine russische Drohne die Zentrale des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU in Kiew getroffen – und nur Stunden später schlug Präsident Wolodymyr Selenskyj Russland eine Feuerpause für die Dauer der US-Reise vor. Der Vorstoß ist an die Reise der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner geknüpft, die am Samstag nach Moskau und am Sonntag nach Kiew reisen sollen.
Russische Drohne trifft SBU-Zentrale
Das ukrainische Präsidialamt bestätigte den Einschlag in der Wolodymyrska-Straße gegenüber der Sophienkathedrale, einem UNESCO-Weltkulturerbe. Laut Selenskyj zielte die Drohne 'direkt auf das Arbeitszimmer des SBU-Leiters in diesem Gebäude'. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete einen Brand im Bezirk Schewtschenko, nachdem eine Drohne auf das Dach gestürzt war.
Die Zahl der Verletzten wurde unterschiedlich angegeben: Zunächst war von mindestens fünf die Rede, später von mindestens zwölf. Auch der Museumskomplex der Sophienkathedrale wurde beschädigt; in einem Verwaltungsgebäude aus dem 18. Jahrhundert zersplitterten Fensterscheiben. Außenminister Andrij Sybiha sprach von einer „erheblichen Eskalation“ und forderte die Unesco zu einer Reaktion auf.
Selenskyj ordnet spiegelbildliche Antwort an
Selenskyj reagierte unmittelbar: Er gab SBU-Chef Olexander Poklad die Anweisung, den Russen „spiegelbildlich“ zu antworten. Nach einem Gespräch mit Poklad erklärte er, der geografische Rahmen für die Reaktion sei festgelegt; der Zeitpunkt werde so gewählt, dass Ergebnisse sichergestellt seien. Dazu veröffentlichte er ein Foto des Treffens – im Hintergrund ein Gemälde, das den Moskauer Kreml in Flammen zeigt.
Gegenüber der Deutschen Welle kündigte Selenskyj eine „angemessene, spürbare und – wo möglich – spiegelbildliche Antwort“ an. Der Angriff auf das SBU-Gebäude wertete er als direkten Versuch, die Führung des Geheimdienstes zu treffen.
Feuerpause für die US-Gesandten
In seiner abendlichen Videoansprache kündigte Selenskyj die Reise der beiden Trump-Vertrauten an. 'Es sei heute besprochen worden, dass Steve Witkoff und Jared Kushner erst Moskau besuchen und dann nach Kiew reisen werden', sagte er. Die Ukraine bereite sich darauf vor. Für die Dauer des Besuchs versprach er, keine Luftangriffe durchzuführen – im Gegenzug müsse Russland seine Luftangriffe einstellen. Bereits im Juni forderte Selenskyj eine Waffenruhe, die der Kreml ablehnte.
„Es wird keine Luftangriffe von unserer Seite geben, und Russland muss im Gegenzug eine Waffenruhe einhalten – ohne eigene Luftangriffe –, solange diese Gespräche dauern.“
Nach Medienberichten sollen die US-Gesandten am Samstag in Moskau und am Sonntag in Kiew erwartet werden. Für Witkoff und Kushner wäre es der erste Besuch in Kiew seit Trumps Rückkehr ins Amt. Selenskyj kündigte zudem an, die Sicherheit des russischen Luftraums zu gewährleisten, damit die Verhandler sicher ankommen können – „wir sind um ihre Sicherheit besorgt, nicht um Russland“.
US-Präsident Donald Trump bestätigte die Entsendung seiner Unterhändler im Weißen Haus: 'They're bringing with them a proposal to end the war.' Er nannte keine konkreten Daten und ließ offen, ob der Plan Gebietsabtretungen der Ukraine vorsieht. Er bezeichnete Kushner und Witkoff als 'two great negotiators' und machte für den Krieg ein 'Persönlichkeitsproblem' zwischen Putin und Selenskyj verantwortlich, wie die DW über die Ankündigung der US-Gesandten berichtet.
Der Kreml hielt sich bedeckt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte auf die Frage, wann Witkoff und Kushner in Moskau erwartet würden: „Ich werde nichts ankündigen. Wenn diese Kontakte stattfinden, werden wir darüber informieren.“ Von russischer Seite wurde der Besuch bislang nicht bestätigt. Trotz Selenskyjs Feuerpausen-Ankündigung gab es in der Nacht zu Samstag wieder Luftalarm und Berichte über Explosionen im Großraum Kiew.
