Hansa Rostock schaltet Polizei und Staatsschutz nach Hakenkreuz-Skandal ein
Der FC Hansa Rostock leitet nach einem Hakenkreuz-Foto von Hooligans bei der Jubiläumsreise nach England Ausschlussverfahren und Stadionverbote ein. Der Verein informierte Polizei, Staatsschutz und den DFB.
Der FC Hansa Rostock zieht nach dem Hakenkreuz-Skandal um eigene Hooligans harte Konsequenzen: Der Drittligist leitet Vereinsausschlussverfahren ein, verhängt Stadion- und Hausverbote und schaltet Polizei, Staatsschutz sowie den DFB ein. Auslöser ist ein Bericht des Rechercheportals „Exif“ über Vorfälle am Rande der Jubiläumsreise nach England.
Anlass der Reise war das Testspiel beim englischen Zweitligisten FC Watford am 25. Juli 2026. Hansa verlor die erste Partie bei einem englischen Klub der Vereinsgeschichte im Vicarage Road Stadium mit 0:3. Rund 7.000 Fans begleiteten das Team nach Watford, die große Mehrheit feierte friedlich.
Laut der Exif-Recherche trafen sich mehr als zehn Personen aus der Rostocker Hooligan-Szene am Rande des Spiels zu verabredeten „Brutalo-Prügeleien“ – im Szene-Jargon „Ackerkampf“ – mit Hooligans der Glasgow Rangers und von Olympique Lyon. Fotos zeigen die Gruppe nach den Schlägereien gemeinsam, auf einer Aufnahme posiert sie vor einer Hakenkreuz-Flagge. Sechs mutmaßliche Beteiligte nennt die Recherche namentlich, wie BILD zu dem Fall berichtet.
Verein reagiert mit Ausschlussverfahren
Der Verein erfuhr nach eigenen Angaben erst am Freitagvormittag, dem 4. September 2026, von den Vorwürfen und den Bildern. Daraufhin folgten mehrere Krisensitzungen des Vorstands. Gegen mehrere Personen sollen Vereinsausschlussverfahren eingeleitet werden, zusätzlich kündigte der Klub Hausverbote und örtliche Stadionverbote an. Der Aufsichtsrat stellte sich geschlossen hinter die Maßnahmen des Vorstands.
Vorstandschef Ronald Maul sagte der „Ostsee-Zeitung“, ein Teil der Abgebildeten sei dem Verein bekannt. Einzelne waren demnach auch beim Kinderfest des Klubs im Einsatz – ohne dass es damals Hinweise auf den rechtsextremen Hintergrund gegeben habe.
„Die auf den Bildern zu erkennenden Personen sind uns teilweise aus dem Vereinsumfeld bekannt.“
Ronald Maul, Vorstandsvorsitzender F.C. Hansa Rostock
Der Verein kündigte an, auch diese Verbindungen umfassend aufzuarbeiten – einschließlich bestehender oder früherer geschäftlicher, organisatorischer oder anderweitiger Beziehungen. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte der Klub: „Rechtsextremismus, nationalsozialistische Symbolik und menschenverachtendes Gedankengut haben beim F.C. Hansa Rostock keinen Platz.“
Behörden und DFB eingeschaltet
Hansa informierte umgehend die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern, die Bundespolizeiinspektion Rostock, den Staatsschutz des Innenministeriums und den DFB. Nun wird geprüft, ob bundesweite Stadionverbote folgen – auch durch den DFB.
Chronologie des Skandals
25. Juli 2026
Testspiel beim FC Watford
Hansa verliert die England-Premiere mit 0:3; rund 7.000 Fans reisen mit.
Ende Juli 2026
Treffen und Hakenkreuz-Foto
Mehr als zehn Hooligans sollen sich zu Schlägereien treffen; Fotos zeigen die Gruppe vor einer Hakenkreuz-Flagge.
4. September 2026
Verein erfährt von Vorwürfen
Der Vorstand wird am Freitagvormittag über den Exif-Bericht informiert; Krisensitzungen folgen.
5. September 2026
Distanzierung und Anzeigen
Der Verein veröffentlicht eine scharfe Distanzierung, informiert Behörden und kündigt Ausschlüsse an.
Schatten über der Jubiläumsreise
Die Hakenkreuz-Aufnahme und die Gewaltvorwürfe gegen eine kleine Gruppe belasten das Bild der ansonsten friedlichen Reise. Bilder singender Fan-Massen hatten weit über Rostock hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt.
Mit dem Einschalten der Sicherheitsbehörden und der Androhung harter Konsequenzen setzt der Klub ein Zeichen gegen Rechtsextremismus in seinem Umfeld. Noch ist offen, wie viele der Abgebildeten tatsächlich Vereinsmitglieder sind und ob der DFB bundesweite Stadionverbote verhängt. Hakenkreuz-Symbolik beschäftigt die Behörden auch andernorts, etwa bei Ermittlungen zu einem Hakenkreuz aus veganem Hack.