Vergewaltigung in Friedland: Behörden schwiegen fast vier Wochen
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Justiz

Vergewaltigung in Friedland: Behörden schwiegen fast vier Wochen

Nach der Vergewaltigung einer 27-Jährigen in Friedland am helllichten Tag sitzt ein 24-jähriger Beniner in Untersuchungshaft. Polizei und Staatsanwaltschaft informierten die Öffentlichkeit fast vier Wochen lang nicht.

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Fast vier Wochen lang erfuhr die Öffentlichkeit nichts von der Vergewaltigung einer 27-jährigen Frau mitten in Friedland – obwohl die Polizei den Tatverdächtigen bereits am Folgetag festgenommen hatte. Erst eine Medienanfrage des Nordkuriers brachte die Tat an die Öffentlichkeit.

Am Sonntag, 9. August 2026, gegen 14.30 Uhr, zerrte ein Mann die Frau in der Mühlenstraße vom Gehweg in ein Gebüsch hinter einer ehemaligen Gaststätte. Dort vergewaltigte er sie und ließ sie verletzt zurück. Der Angreifer flüchtete zunächst.

Täter am Folgetag gefasst

Die Frau konnte eine genaue Täterbeschreibung liefern. So ergaben sich schnell Hinweise auf einen 24-jährigen beninischen Staatsangehörigen. Um die Festnahme nicht zu gefährden, verzichtete die Polizei auf einen öffentlichen Zeugenaufruf.

Bereits am Abend des 10. August entdeckte die Polizei den Mann erneut in Friedland und nahm ihn fest. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg wurde Untersuchungshaft angeordnet. Der Beschuldigte sitzt wegen Fluchtgefahr in der JVA Neustrelitz.

Der 24-Jährige schweigt auf Anraten seines Anwalts. Die Ermittler gehen laut Bild davon aus, dass er nicht annahm, dass man ihm auf die Spur kommen würde.

Asylverfahren war noch nicht abgeschlossen

Der Tatverdächtige ist Staatsbürger aus Benin. Sein Asylantrag war bereits Mitte 2025 abgelehnt worden. Gegen die Ablehnung klagte er beim Verwaltungsgericht Schwerin – eine Entscheidung steht bis heute aus.

Staatsanwalt Michael Ziemke erklärte dazu, die Ablehnung sei nicht rechtskräftig. Der Mann habe zum Tatzeitpunkt über eine gültige Aufenthaltsgestattung verfügt. Eine Ausreisepflicht bestand nicht.

Der Mann war den Behörden bereits bekannt: Die Staatsanwaltschaft Stralsund ermittelte wegen unerlaubter Einreise und einfachen Diebstahls, stellte die Verfahren aber wegen Geringfügigkeit ein. Vorbestraft war er nicht.

Warum die Behörden schwiegen

Weder über die mutmaßliche Vergewaltigung noch über die Festnahme informierten Polizei und Staatsanwaltschaft die Bevölkerung von sich aus – fast vier Wochen lang. Auf RTL-Anfrage erklärte die Polizei, der Opferschutz sei höher gestellt worden als eine Information an die Öffentlichkeit.

Es ist zumindest hier im Land regelmäßig üblich bei solchen Delikten nicht proaktiv in die Presseberichterstattung einzutreten.
Michael Ziemke, Staatsanwalt, Staatsanwaltschaft Neubrandenburg

Zudem verwies er auf die Kleinstadt Friedland und die Sorge vor einer Stigmatisierung des Opfers. Erst die Medienanfrage des Nordkuriers machte den Fall öffentlich.

AfD-Landeschef Leif-Erik Holm kritisierte das Schweigen scharf. Er sprach von einem skandalösen Verhalten und fragte, ob die Wahlkampfzeit zu dicht an der Tat gelegen habe. „Da geschieht ein schweres Verbrechen in einer mecklenburgischen Kleinstadt und die Staatsanwaltschaft schweigt dazu. Das finde ich skandalös.“

Chronologie des Falls

Die wichtigsten Stationen

  1. Mitte 2025
    Asylantrag abgelehnt

    Der spätere Tatverdächtige aus Benin erhält eine Ablehnung seines Asylantrags und klagt dagegen.

  2. 9. August 2026
    Vergewaltigung in Friedland

    Gegen 14.30 Uhr wird eine 27-Jährige in der Mühlenstraße in ein Gebüsch gezerrt und vergewaltigt.

  3. 10. August 2026
    Festnahme

    Die Polizei nimmt den 24-Jährigen am Abend in Friedland fest; später wird U-Haft angeordnet.

  4. 3./4. September 2026
    Fall wird öffentlich

    NDR und Nordkurier berichten; die Behörden machen auf Medienanfrage Angaben.

Unklar bleibt, warum der Mann wiederholt in Friedland und im Umfeld der Gemeinschaftsunterkunft gesehen wurde, obwohl er dort nicht wohnte. Das ist Teil der laufenden Ermittlungen.