Am Samstag blockierten Hunderte maskierte Männer die Zufahrten zum verkehrsreichsten Fährhafen Großbritanniens. Die rechtsextreme Gruppe „Patriot Platform“ übernahm die Verantwortung, die Polizei sprach von einem spontanen Protest.
Hunderte Vermummte brachten am Samstag den Hafen von Dover zum Stillstand – den verkehrsreichsten Fährhafen Großbritanniens. Schwarz gekleidete Männer mit Sturmhauben blockierten die A20 und weitere Zufahrtsstraßen.
Videos zeigten Dutzende, nach Augenzeugenberichten bis zu 300 Männer, die sich quer über die Straßen stellten und Parolen wie „Stop the boats“ skandierten. Die Aktion richtete sich gegen Migranten, die in kleinen Booten über den Ärmelkanal nach Großbritannien kommen. Die rechtsextreme Gruppe „Patriot Platform“ übernahm die Verantwortung.
Die Polizei von Kent sprach später von einem spontanen Protest und nahm keine Festnahmen vor. Der Hafen stoppte am Morgen alle Zu- und Abfahrten, am frühen Nachmittag floss der Verkehr wieder ungehindert. National Highways meldete zwischenzeitlich einen Stau von rund 6,4 Kilometern.
Wer hinter der Blockade steckt
Die Gruppe „Patriot Platform“ wurde Anfang 2026 von Daniel Thomas gegründet, bekannt als „Danny Tommo“ und Weggefährte des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson. Thomas postete ein Video aus Dover und kündigte laut dem lokalen Bericht zur Hafenblockade an, den Fährhafen drei Tage lang in Schichten zu blockieren.
Ein Regierungssprecher verurteilte die Aktion: Das Recht auf friedlichen Protest sei grundlegend, doch das Verhalten in Dover und die Verkehrsbehinderungen seien nicht akzeptabel. Der Labour-Abgeordnete für Dover, Mike Tapp, kritisierte die Protestierenden scharf und verwies auf den Rückgang der Bootsüberfahrten um 40 Prozent.
„Ich habe es satt, dass Idioten nach Dover kommen, um Störungen zu verursachen. Ich wette, wenn man einen dieser ‚Protestierer‘ fragen würde, wüsste er nicht, dass die Überfahrten in kleinen Booten um 40 Prozent zurückgegangen sind und wir hart daran arbeiten, das Chaos zu beheben.“
Mike Tapp, Labour-Abgeordneter für Dover
Der konservative Kommunalpolitiker Chris Vinson sprach von mehreren Hundert maskierten Männern in paramilitärisch anmutender Kleidung, die sich offenbar über Nacht koordiniert hätten. Kevin Mills, Leader des Dover District Council, nannte die Aktion „inakzeptabel“ und forderte die Demonstranten auf, in Westminster statt in Dover zu protestieren. Reform-UK-Finanzsprecher Robert Jenrick bezeichnete die Blockade als „völlig skandalös“.
Chronologie der Blockade
Die Aktion begann am frühen Morgen, als sich die Männer offenbar koordiniert in gemieteten Transportern dem Hafen näherten. Der Hafen bestätigte am Morgen, dass alle Zu- und Abfahrten gestoppt seien; die Fährgesellschaft P&O Ferries buchte verpasste Abfahrten auf die nächste Überfahrt um.
So lief die Blockade ab
Früher Morgen, 5. September 2026
Hunderte Vermummte blockieren Zufahrten
Die A20 und weitere Straßen werden blockiert; der Hafen stoppt alle Zu- und Abfahrten.
Später Vormittag
Polizei drängt Demonstranten ab
Die meisten ziehen zum Bahnhof Dover Priory; P&O Ferries meldet gegen Mittag die Wiederherstellung des Zugangs.
14:00 Uhr
Polizei erklärt den Vorfall für beendet
Keine Festnahmen, alle Beteiligten bis Mittag zerstreut, der Verkehr fließt wieder normal.
Früher Nachmittag
Hafen gibt Entwarnung
Der Verkehr fließt wieder ungehindert; die Blockade ist aufgelöst.
Wie bewerten Sie die Blockade?
Die Blockade fiel auf den Tag, nachdem Nigel Farage und der französische Politiker Jordan Bardella ein Memorandum of Understanding zur Bekämpfung der Bootsüberfahrten unterzeichnet hatten. Lokale Politiker wie Kevin Mills kritisierten die Auswirkungen der Aktion auf Dovers Geschäfte.