Wolodymyr Selenskyj schlägt Alarm: Der russische Luftraum sei für die zivile Luftfahrt nicht mehr sicher. Fluggesellschaften, Versicherer und Passagiere müssten sich auf massive Drohnenangriffe einstellen – die „sicheren Tage“ seien vorbei.
Hinter der Warnung steckt ein konkreter Plan. Die ukrainischen Streitkräfte wollen mit der Operation Carpet den zivilen Flugverkehr im europäischen Teil Russlands dauerhaft stören. Serhiy Bratchuk, Sprecher des Südkommandos, sprach gegenüber dem Wall Street Journal von einem Übergang zu ständigem Druck, der den zivilen Flugverkehr lahmlegen solle.
In seiner abendlichen Videobotschaft wurde Selenskyj noch deutlicher.
„Heute wollen wir jede Fluggesellschaft warnen, die den russischen Luftraum nutzt, jeden Versicherer, alle, die noch wichtige russische Flughäfen anfliegen: Der russische Himmel wird sehr gefährlich.“
Der ukrainische Präsident betonte zugleich, die Ukraine stelle keine Bedrohung für zivile Flugzeuge dar. Der Druck ziele auf Airlines aus China, der Türkei, den Golfstaaten und Indien, die Russland weiter anfliegen.
Drohnenrekord im August
Die Zahlen hinter der Warnung sind drastisch: Im August 2026 registrierte die Analysefirma Osprey Flight Solutions rund 16.000 ukrainische Drohnen im russischen Luftraum – ein Rekord. Im Schnitt mussten täglich 32 Flughäfen temporär schließen, darunter Moskau und St. Petersburg.
Im Mai 2026 schlug ein Splitter einer Abfangdrohne nahe einer Startbahn in Moskau-Scheremetjewo ein. Zuvor hatte ein ukrainischer Angriff auf die Flugsicherung bei Rostow den Betrieb auf 13 Flughäfen gestört.
Russland kontert: Staatsterrorismus-Vorwurf
Kremlchef Wladimir Putin wies die Warnung scharf zurück. Bei einer Pressekonferenz in Bischkek nannte er Selenskyjs Ankündigung eine „Erklärung des Staatsterrorismus“. Russland werde wissen, wie darauf zu reagieren sei.
„Wenn dies laut ausgesprochen wurde, dann ist das schlichtweg eine Erklärung des Staatsterrorismus.“
Russlands Verkehrsminister Andrej Nikitin versicherte, man werde keine nennenswerten Störungen der zivilen Luftfahrt zulassen. Die Luftfahrtbehörde Rosawiazija aktivierte am Abend des 2. September den „Teppich“-Plan, wonach Flugzeuge betroffene Gebiete meiden müssen. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin meldete den Abschuss von zehn auf die Hauptstadt zufliegenden Drohnen.
ICAO warnt nach offizieller Meldung
Außenminister Andrij Sybiha teilte mit, die Ukraine habe die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) offiziell informiert. Auf X schrieb er: „Die Ukraine hat die ICAO offiziell darüber in Kenntnis gesetzt, dass der russische Luftraum wegen der verstärkten militärischen Aktivitäten nicht sicher für die zivile Luftfahrt ist.“
Die ICAO rief daraufhin die Mitgliedstaaten zu verstärktem Schutz von Passagiermaschinen auf. Das Risiko nehme zu, dass Flugzeuge ins Visier genommen werden oder ins Kreuzfeuer geraten – ohne ein bestimmtes Land zu nennen. wie der Spiegel über die UN-Warnung berichtet.
Die Auswirkungen zeigen sich bereits: Laut FlightRadar24 fielen am 2. September in Scheremetjewo 21 Flüge aus, 235 verspäteten sich. In Wnukowo wurden 22 Flüge gestrichen, 94 verspätet.
Die türkische Pegasus Airlines strich zwölf Flüge von und nach Wnukowo, Turkish Airlines strich je zwei Verbindungen Istanbul – Moskau. Air Tanzania stellte den Flugbetrieb nach Russland ein.
Während europäische und US-amerikanische Airlines den russischen Luftraum seit 2022 meiden, fliegen Emirates, Qatar Airways, Air India und andere weiter. Genau sie geraten nun unter Druck – mit unmittelbaren Folgen für Versicherer und Passagiere.
Eskalation in Etappen
Operation Carpet – die Eskalation
- Sommer 2023Beginn der „Operation Carpet“
Drohnenpiloten aus Kiew zwingen russische Flughäfen erstmals zu zeitweiligen Schließungen.
- Mai 2026Beinahe-Zwischenfall in Scheremetjewo
Ein Splitter einer Abfangdrohne landet nahe einer Start- und Landebahn; zuvor legt ein Angriff auf die Flugsicherung bei Rostow 13 Flughäfen lahm.
- August 2026Rekord bei Drohnenangriffen
Rund 16.000 ukrainische Drohnen im russischen Luftraum; täglich stellen im Schnitt 32 Flughäfen temporär den Betrieb ein.
- 1. September 2026Selenskyjs Warnung
Der Präsident warnt Fluggesellschaften, Versicherer und Regierungen: Der russische Luftraum sei nicht mehr sicher.
- 2. September 2026Offizielle ICAO-Meldung
Die Ukraine informiert die ICAO; Putin nennt die Warnung in Bischkek „Staatsterrorismus“.
Ob weitere Airlines folgen, bleibt offen. Selenskyj bot an, die Drohnen im Interesse diplomatischer Verhandlungen zurückzuziehen – ein Druckmittel, das die kommenden Tage prägen dürfte.
