Erni Mangold (99) ist tot: Grand Dame der Bühne stirbt in Wien
Erni Mangold (99) ist in der Nacht auf Samstag in einem Wiener Altersheim gestorben. Österreichs Kulturwelt verliert eine Schauspielerin, deren Karriere von der Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg bis zum Österreichischen Filmpreis 2015 reichte.
Erni Mangold (99) ist tot. Die österreichische Schauspielerin, Regisseurin und frühere Hochschulprofessorin starb in der Nacht auf Samstag, den 5. September 2026, in einem Wiener Altersheim. Ihr Agent Klaus Kelterborn bestätigte den Tod, wie der ORF in seiner Todesmeldung berichtet.
Wie der Standard in seinem Nachruf festhält, starb die Kammerschauspielerin im Kreise ihrer Familie. Angaben zu einer Todesursache wurden zunächst nicht gemacht. Kelterborn nannte Mangold eine energische und zähe Person.
Vom Kriegseinsatz zur Bühnenkarriere
Geboren wurde Mangold am 26. Januar 1927 als Ernestine Goldmann in Großweikersdorf (Niederösterreich). Der Vater war nebenberuflich Maler, die Mutter passionierte Pianistin. Noch während des Zweiten Weltkriegs zog die Familie nach Wien; als junge Frau wurde Mangold zur Zwangsarbeit eingezogen und sabotierte dabei nach eigener Darstellung die Maschinen.
Nach der Ausbildung an der Wiener Schauspielschule Krauss debütierte sie nach Kriegsende im zertrümmerten Wien. Von 1946 bis 1956 war sie am Theater in der Josefstadt engagiert. 1956 wechselte sie für rund acht Jahre ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg unter Gustaf Gründgens, später ans Düsseldorfer Schauspielhaus unter Karl-Heinz Stroux.
Zu ihren markanten Bühnenrollen zählten die Marthe Schwerdtlein im Faust, Lady Macbeth, die Frau Muskat in Liliom sowie skurrile Figuren in Arsen und alte Spitzen und Elfriede Jelineks Prinzessinnendramen.
Die wichtigsten Stationen im Leben von Erni Mangold
26. Januar 1927
Geburt in Großweikersdorf
Ernestine Goldmann kommt als Tochter einer kunstverbundenen Familie zur Welt.
1946
Bühnendebüt in Wien
Am Theater in der Josefstadt beginnt ihre Bühnenkarriere, wo sie bis 1956 bleibt.
1956
Wechsel ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg
Unter Gustaf Gründgens spielt sie acht Jahre in Hamburg, später in Düsseldorf.
1995
Auftritt in „Before Sunrise“
Als Handleserin wird sie einem internationalen Kinopublikum bekannt.
2015
Österreichischer Filmpreis
Für ihre Rolle als Alzheimer-Patientin in „Der letzte Tanz“ erhält sie die Auszeichnung.
2017
Bühnenabschied
Mit „Harold und Maude“ an den Kammerspielen der Josefstadt nimmt sie Abschied von der Bühne.
5. September 2026
Tod in Wien
Im Alter von 99 Jahren stirbt sie in einem Wiener Altersheim.
Über 100 Filme und Serien
Vor der Kamera wirkte Mangold in weit über 100 Produktionen mit; der ORF nennt mehr als 130, die Plattform nachtkritik über 150. Zu den wichtigsten zählen „Der Engel mit der Posaune“ (1948), „Hanussen“ (1955) an der Seite von O. W. Fischer sowie Richard Linklaters Kultfilm „Before Sunrise“ (1995).
Auch im Fernsehen war sie präsent: in Serien wie „Kottan ermittelt“, „Tatort“, „Der Alte“, „Kommissar Rex“ und „Der Bulle von Tölz“. Für ihre Rolle als Alzheimer-Patientin in „Der letzte Tanz“ gewann sie 2015 den Österreichischen Filmpreis. Zuletzt stand sie 2020 für den TV-Film „Das Geheimnis der Freiheit“ und die Romanze „Schönes Schlamassel“ vor der Kamera.
Auch als Lehrende wurde Mangold zur Institution. Sie unterrichtete am Salzburger Mozarteum, an der Wiener Schauspielschule Krauss und am Max Reinhardt Seminar, wo sie zwischen 1983 und 1995 ordentliche Hochschulprofessorin war. 2011 erschien ihr Erinnerungsbuch „Lassen Sie mich in Ruhe“.
Abschied und Würdigung
Ihren Bühnenabschied nahm Mangold 2017 mit „Harold und Maude“ an den Kammerspielen der Josefstadt – an jenem Haus, an dem rund 71 Jahre zuvor alles begonnen hatte. 20 Jahre lang war sie mit ihrem Schauspielkollegen Heinz Reincke verheiratet und lebte später viele Jahre in einem Bauernhaus im Waldviertel.
Nach ihrem Tod würdigte Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die Verstorbene. Das Theater in der Josefstadt erklärte, Österreich verliere mit ihr eine der prägendsten und unverwechselbarsten Persönlichkeiten seiner Theater- und Filmgeschichte.
„Mit Erni Mangold haben wir eine große Persönlichkeit und Grand Dame der Theater- und Filmgeschichte verloren.“
Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptfrau von Niederösterreich
Zu ihrem 80. Geburtstag benannte die Gemeinde Sankt Leonhard am Hornerwald den Prof. Erni Mangold-Weg nach ihr. Mangold sagte dazu: „Ich bin stolz auf meine Auszeichnungen, aber das war für mich das schönste Geschenk. Einen eigenen Straßennamen kriegt man ja für gewöhnlich nur posthum.“
Eine Todesursache wurde nicht genannt Mit Erni Mangold verliert Österreich eine der letzten Zeitzeuginnen der Wiener Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts.