AfD schult in eigenen Akademien Führungskader für Regierungsübernahme
Intern schult die AfD in Berlin und Thüringen Personal für den Regierungsalltag. Verfassungsschützer und Grüne warnen vor rechtsradikalen Kaderschmieden – die Partei spricht von „Staatssteuerung“.
Die AfD baut systematisch Personal für eine Regierungsübernahme auf. Seit Juni 2025 betreibt sie in Berlin die „Schwarz-Rot-Gold-Akademie“, in Thüringen eine „Politische Akademie“. Beide Einrichtungen haben keine öffentlichen Internetauftritte und richten sich ausschließlich an eigenes Personal – wie der Bericht zur Führungskaderausbildung zeigt.
Verantwortlich ist AfD-Bundesschatzmeister Hannes Gnauck. Er war letzter Vorsitzender der inzwischen aufgelösten Nachwuchsorganisation Junge Alternative, die der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft. Gnauck sagt: „Wir als AfD wollen Regierungsverantwortung übernehmen, indem wir herausragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Akademie fachlich schon jetzt strukturiert weiter qualifizieren und so fit für die komplexen Aufgaben im Regierungsalltag machen.“
AfD-Chefin Alice Weidel hatte bereits 2023 anlässlich des zehnten AfD-Gründungstags angekündigt, den Fokus auf Regierungsfähigkeit zu lenken. Sie sprach von „Personalentwicklungsprogrammen und internen Ausbildungsprogrammen“, um „auch in Regierungsverantwortung gehen zu können“ – aufgebaut „wie in einem Konzern“. Jetzt wird es konkret:
„Wir werden in Sachsen-Anhalt die Regierung übernehmen. Auch auf Bundesebene werden wir regieren.“
Alice Weidel, AfD-Chefin
Struktur und Reichweite
Am 16. Juni 2025 wurde die „Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbH“ ins Berliner Handelsregister eingetragen. Als Zweck sind Projekte im Bereich „Erwachsenenbildung und Schulungen von Fertigkeiten zur Wahrnehmung für haupt- und ehrenamtliche Tätigkeiten in Politik und Verwaltung“ angegeben. Angaben zu Lehrplänen, Teilnehmern oder Auswahlverfahren macht die AfD nicht.
Bekannt ist, dass einige Dutzend Dozenten unterschiedlicher Fachrichtungen zur Verfügung stehen – etwa für Haushaltsrecht oder Innenpolitik. Über die Akademie soll Fachpersonal für die zweite und dritte Reihe geschult werden, um die Landesverbände strategisch auf die Übernahme von Regierungsverantwortung vorzubereiten. Die Bundesebene gilt als zweite Stufe.
Das Register der Berliner Akademie enthält Namen und Qualifikationen. Landesverbände können nach einer erfolgreichen Wahl gezielt Personal für Büroleitungen, das Schreiben von Reden oder Referentenstellen anfragen. So sollen bei einer Regierungsübernahme von Beginn an einsatzbereite Kräfte zur Verfügung stehen. Gnauck betont: Die Akademie könne „sehr schnell auf Bedürfnisse aus den Bundesländern sowie auf akute politische Veränderungen und Bedarfe reagieren“.
Der Weg zur Machtvorbereitung
2023
Weidel kündigt Konzernstruktur an
Anlässlich des zehnten AfD-Gründungstags spricht Alice Weidel von internen Ausbildungsprogrammen und Regierungsfähigkeit.
16. Juni 2025
Akademie wird GmbH
Die „Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbH“ wird ins Berliner Handelsregister eingetragen, Zweck ist politische Erwachsenenbildung.
August 2026
Landesableger und Ausbau
In Thüringen leitet Roland Hartwig die Politische Akademie, weitere Landesableger sind geplant – unter anderem in Brandenburg.
Kritik und Warnungen
Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz bezeichnet die Akademien als „rechtsradikale Kaderschmieden“. Die AfD baue sich ein Vorfeld aus „Instituten, Akademien und Verlagen auf, die offen den Umsturz propagieren und eine erhebliche Gefahr für unsere Demokratie, Sicherheit und Freiheit darstellen“, warnt der Geheimdienstexperte.
„Die AfD strebt die Macht an. Mit ihrem Vorfeld bereitet sie sich gezielt darauf vor, genügend Personal bereitzustellen, um politische Ämter zu besetzen.“
Konstantin von Notz, Grünen-Politiker
Auch Verfassungsschützer äußern Besorgnis. Der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber hält es insbesondere mit Blick auf den Thüringer Ableger für möglich, dass Akteure der intellektuellen Neuen Rechten dort Konzeptionen für eine AfD-Regierung entwickeln. Medienberichte erwähnen zudem Unterstützung durch die FPÖ bei den Regierungsvorbereitungen.
Sachsen-Anhalt als Testlauf
In Sachsen-Anhalt will die AfD im Herbst erstmals eine Regierung stellen. Sollte Spitzenkandidat Ulrich Siegmund die Wahl gewinnen, kann der Bundesverband „geeignetes Verwaltungspersonal für die Ministerien“ bereitstellen, sagt Gnauck.
Ob die Akademien tatsächlich ausreichen, um eine reibungslose Regierungsübernahme zu gewährleisten, bleibt offen. Die Partei selbst spricht intern von „Staatssteuerung“ – ein Begriff, der bei Gegnern zusätzliche Alarmglocken schrillen lässt.