Christine Neubauer prangert Altersgrenze für Frauenrollen im TV an
Bild: KI-generiert
Altersdiskriminierung

Christine Neubauer prangert Altersgrenze für Frauenrollen im TV an

Die Schauspielerin Christine Neubauer (64) kritisiert die Branche scharf, nachdem ein TV-Projekt wegen der Hauptfiguren über 60 abgelehnt wurde. Ihre Botschaft: Liebe und Neuanfänge haben kein Verfallsdatum.

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Christine Neubauer (64) hat im Interview mit der Abendzeitung über die bittere Absage berichtet. Ein TV-Projekt, das auf einem erfolgreichen Literatur-Bestseller basierte, wurde ihr mit der Begründung verweigert: Die Protagonisten seien über 60, solche Geschichten wolle niemand sehen.

Für die Schauspielerin und Produzentin ist diese Haltung schwer zu fassen. Sie habe sofort an den Stoff geglaubt, sagte Neubauer. Doch bei den Verantwortlichen stieß sie auf Ablehnung – und auf ein Argument, das sie bis heute nicht nachvollziehen kann.

Die Protagonisten seien über 60, solche Geschichten wolle niemand sehen. Das muss man erst einmal sacken lassen.
Christine Neubauer, Schauspielerin und Produzentin

Immer wieder dieselbe Botschaft

Es war nicht das erste Mal, dass Neubauer mit dieser Haltung konfrontiert wurde. „Mir wird immer wieder vermittelt, dass Stoffe mit Frauen über 50 schwierig seien, weil das Publikum sie angeblich nicht sehen möchte“, erklärt sie. In der Branche ende das Film-Leben offenbar mit 50 – ein Bild, das sie wütend macht.

Die Konsequenz dieser Klischee-Vorstellung beschreibt Neubauer mit beißendem Spott. Für die Branche scheinen Menschen über 50 am Rand der Gesellschaft zu sitzen und auf den Abspann zu warten.

Wir verlieben uns offenbar nicht mehr, wir scheitern nicht mehr, wir fangen nicht neu an, wir haben keine Träume, keine Sexualität, keine Konflikte, keine Abenteuer – kurz gesagt: Wir sitzen vermutlich irgendwo am Rand der Gesellschaft und warten darauf, dass der Abspann kommt.
Christine Neubauer, Schauspielerin und Produzentin

Das Publikum will das Gegenteil

Neubauer hält die Einschätzung der Entscheider für realitätsfern. „Wenn ich mit dem Publikum spreche, höre ich ziemlich oft genau das Gegenteil“, sagt sie. Menschen interessierten sich für Liebe, Verlust, Humor, Scheitern und Neuanfänge – unabhängig vom Alter.

Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Vielleicht haben die Menschen, die entscheiden, und die Menschen, die am Ende einschalten oder ins Kino gehen, gelegentlich noch nicht miteinander telefoniert.“ Das Publikum sei längst weiter als die Branche.

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Eigene Produktionsfirma als Antwort

Neubauer hat die Konsequenz gezogen und produziert selbst. Für den Film „Hundswut“ übernahm sie 2024 erstmals die Rolle der Co-Produzentin und gründete dafür die Firma Santiago Film. Aktuell steht sie in Chile für „La Puta Vida“ vor der Kamera.

Der Dreh ist ein Herzensprojekt, für das sie dem Münchner Oktoberfest in diesem Jahr absagt. „Die Wiesn läuft mir hoffentlich nicht davon. Und dieser Film ist für mich gerade ein Herzensprojekt, bei dem ich bis zum Schluss dabei sein möchte“, erklärt sie.

Neubauers Weg zur Produzentin

  1. 2024
    Co-Produzentin bei „Hundswut“

    Christine Neubauer übernimmt erstmals auch Produktionsaufgaben und gründet Santiago Film.

  2. 2025
    Teilnahme an Let's Dance

    Die Schauspielerin zeigt sich einem breiten TV-Publikum in der Tanzshow.

  3. 03.09.2026
    AZ-Interview erscheint

    Neubauer spricht erstmals öffentlich über die TV-Absage wegen des Alters der Protagonisten.

  4. September 2026
    Dreh zu „La Puta Vida“

    In Chile arbeitet sie als Schauspielerin und Co-Produzentin an ihrem neuen Film.

Kampf gegen die Unsichtbarkeit

Neubauer prangert seit Längerem an, dass Frauen ab einem bestimmten Alter im Film und Fernsehen zunehmend unsichtbar werden. Ihr Fazit ist klar: Themen wie Liebe, Verlust, Sehnsucht und Mut hätten kein Verfallsdatum.

Sie will sich nicht mit der Rolle am Rand abfinden. „Menschen interessieren sich für Menschen. Für Liebe, Verlust, Humor, Scheitern, Neuanfänge, Sehnsucht, Mut und große Entscheidungen. Und all das hat glücklicherweise kein Verfallsdatum“, betont sie.

Ob die Sender ihre Haltung ändern, wird sich zeigen. Neubauer jedenfalls will weiter Geschichten erzählen – und produziert sie notfalls selbst.